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«Lebensgefährliche Missstände» in zwei Pflegeheimen

Von Christoph Hämmann. Aktualisiert am 05.10.2011 6 Kommentare

Ehemalige Angestellte kritisieren die Zustände in den Pflegeheimen Lindenegg in Oberlindach und Bergsicht in Kirchlindach. Betreiberin der Heime ist Seniocare. Die Firma ist auch für das Schibistei in Heimenschwand verantwortlich, wo es in der Vergangenheit ebenfalls zu Misstönen kam.

Im Pflegeheim Bergsicht in Kirchlindach rumort es.

Im Pflegeheim Bergsicht in Kirchlindach rumort es.
Bild: Urs Baumann

Zoff in den Seniocare-Pflegeheimen Lindenegg in Oberlindach und Bergsicht in Kirchlindach: Unbestritten ist die hohe Anzahl personeller Wechsel in den letzten Monaten. Uneinig sind sich die Beteiligten aber über die Gründe der vielen Wechsel und darüber, ob die Pflegequalität stimmt. «Ich bin überzeugt, dass es den Bewohnern der beiden Heime gut geht», sagt Beat Ammann, CEO von Seniocare. Die Firma betreibt schweizweit 26 Heime, unter anderem auch das Alters- und Pflegeheim Schibistei in Heimenschwand. Dort war es in der Vergangenheit wiederholt zu Problemen gekommen. So hat die Leitung mehrfach gewechselt und es wurden Vorwürfe laut, der wirtschaftliche Druck wirke sich auf die Arbeitsleistung des Personals aus (wir berichteten). Auch in Dotzigen, wo Seniocare zwei weitere Heime betreibt, gab es Misstöne und ein Wechsel in der Führungsetage. Nun stehen die Betriebe in Oberlindach und Kirchlindach im Rampenlicht.

«Kommunikationsmisere»

Ehemalige Angestellte* der Heime Lindenegg und Bergsicht zeichnen ein anderes Bild als Ammann. Sie haben bei der kantonalen Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) eine aufsichtsrechtliche Anzeige eingereicht. Das Personal sei unterdotiert und leide unter einem Klima der Angst, heisst es darin. Sie selber seien entweder aus den Heimen gemobbt worden oder hätten gekündigt, weil sie die unhaltbaren Zustände nicht mehr mittragen mochten. Verantwortlich machen sie den Leiter der beiden Heime und dessen Stellvertreterin, die dem Pflegedienst vorsteht. Die beiden seien menschlich und fachlich ihren Aufgaben nicht gewachsen.

Unterstützung erfahren die ehemaligen Angestellten von drei Frauen, die anonym bleiben wollen. Sie haben Angehörige in einem der Heime und sind sich einig: Die Kommunikation funktioniere weder zwischen Heim und Bewohnern noch zwischen Heim und Angehörigen, noch zwischen den Ebenen innerhalb der Institution.

Das Pflegepersonal sei überlastet, kritisieren die Frauen weiter. Dies zeige sich zum Beispiel bei denen, die beim Essen Hilfe brauchten: «In der Regel war ihr Tisch unbetreut, weil es ständig irgendwo klingelte», erzählt eine der Frauen. Und eine andere: «Meine Mutter sass mehrmals, wenn ich sie um 10.30 Uhr besuchte, noch immer allein beim Morgenessen.» Traurig sagt sie am Schluss des Gesprächs: «Es ist das letzte Daheim dieser Menschen – und sie fühlen sich überhaupt nicht wohl.» Das Heim habe keine Seele mehr, nichts Herzliches, keine Wärme.

Seniocare-CEO Ammann verweist darauf, dass in den letzten Monaten keine Klagen aus Oberlindach und Kirchlindach eingegangen seien. «Bei Problemen wenden sich Angehörige in der Regel rasch an die Unternehmensleitung.» Die hohe Fluktuation habe damit zu tun, dass das Pflegeheim Bergsicht erst 2009 eröffnet worden sei. Das habe an alle Angestellten und den damaligen Heimleiter, der das Heim 2010 verliess, hohe Anforderungen gestellt. Auf die Leitung der Heime Lindenegg und Bergsicht lässt er nichts kommen: «Ich habe nicht den geringsten Anlass, an ihrer Qualität zu zweifeln.»

«Nicht auf Notruf reagiert»

Ein Zeuge der Widersacher Ammanns ist Felix Zwicker. Der Mediziner führt in Kirchlindach eine Praxis und hat in beiden Heimen Patienten, die er als Hausarzt betreut. Daneben war er zehn Jahre Heimarzt der Lindenegg und der Bergsicht – bis er letzten Monat fristlos kündigte. «Es läuft zu vieles schlecht, und es fehlt am Willen, etwas zu ändern», sagt er. Auch er erwähnt das überforderte Pflegepersonal: «Es gab Konstellationen, in denen auf einen Notruf nicht reagiert wurde.» Es ist nicht der einzige «lebensgefährliche Missstand», den Zwicker nennt: «Von mir geschriebene Insulinverordnungen sind von Pflegenden umgeschrieben worden.»

Obwohl er bisher erfolglos versucht habe, an die GEF zu gelangen, gehe er davon aus, dass ihn die Behörde im Rahmen ihrer Untersuchungen anhören werde.

Andrea Hornung, Vorsteherin der zuständigen Abteilung Alter bei der GEF, darf sich zu Verwaltungsverfahren nicht öffentlich äussern. «Grundsätzlich nehmen wir jede aufsichtsrechtliche Anzeige sehr ernst», sagt sie. Wenn das stimmt, dürfte Doktor Zwicker bald kontaktiert werden. Die aufsichtsrechtliche Anzeige der ehemaligen Heimangestellten datiert vom 22.August 2011.

* Namen der Redaktion bekannt (Berner Zeitung)

Erstellt: 05.10.2011, 06:48 Uhr

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6 Kommentare

Beat Baer

06.10.2011, 11:55 Uhr
Melden 9 Empfehlung

Was sind die Ziele die verfolgt werden ? Ist es eine Retourkutsche der ehemaligen Angestellten die über den Abgabgang frustriert sind ? Die angeordneten Untersuchungen werden aufzeigen ob sich dieser Mediaauftritt gelohnt hat. Es könnte durchaus sein,dass schlussendlich die Kläger eine Niederlage einstecken müssen.Dem Personal und den Bewohner wünsche ich alles Gute . Antworten


max fahrni

05.10.2011, 10:10 Uhr
Melden

Wieso nehmen die Betroffenen Angehörigen ihre Verwandten nicht vorübergehend bei sich auf ?Irgend einen Weg gibt es immer zur betreung,aber lamentieren geht leichter als sich selber angagieren. Antworten



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