Länggasse: Weniger Autos, mehr Ärger

BernDas Stimmvolk wollte eine beruhigte Länggasse und hat diese laut Stadt auch bekommen – dafür sind die neuen Poller ein Ärgernis. Ihretwegen müssen die Verkehrsplaner im ganzen Quartier nachbessern.

Freie Fahrt für Velos, kein Durchkommen für Autofahrer. Die neuen Poller in der Länggasse führen zu neuen Problemen.

Freie Fahrt für Velos, kein Durchkommen für Autofahrer. Die neuen Poller in der Länggasse führen zu neuen Problemen. Bild: Urs Baumann

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Ziel erfüllt, Autofahrer machen einen Bogen um die Länggasse. Zu diesem Schluss kommt dieDirektion für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün von Ursula Wyss (SP), nachdem sie das Verkehrsaufkommen der Jahre 2003 und 2015 verglichen hat. Das Quartier sei entlastet und beruhigt worden, vor allem der Auto- und Durchgangsverkehr habe deutlich abgenommen.

Je nach Ort und Zeit seien 30 bis 40 Prozent weniger Autos unterwegs.Die Stadt hat damit mit Ver­zögerung umgesetzt, was das Stimmvolk vor rund 14 Jahren beschlossen hatte. Zur Verkehrsberuhigung der Länggasse gehört als wichtigste Massnahme der Neufeldtunnel, der den Autobahnanschluss Bern-Neufeld mit der Tiefenaustrasse verbindet und der 2009 eröffnet wurde.

Für reichlich Kritik sorgte die jüngste Massnahme des Pakets: die vergangenes Jahr installierten vier Poller. Die Probleme mit ihnen sind mannigfaltig. Zum Beispiel weicht ihnen die Feuerwehr lieber aus, anstatt bei Notfällen warten zu müssen, bis die Anlage endlich unten ist. Auch wird kritisiert, dass die Poller am falschen Ort stehen. Und sie führen zu neuen Schleichwegen durch bisher ruhige Quartier­strassen und Begegnungszonen.

Bei der Depotstrasse etwa braust der Verkehr nun am Kindergarten vorbei. Kindergärtnerinnen fürchten um das Wohl der Kleinen. Über eine halbe Million Franken haben die Poller gekostet, der Unterhalt wird, auf die nächsten 10 Jahre gerechnet, eine weitere Million kosten. Dabei hätten wohl auch simple Sperren genügt.

Ursula Wyss verteidigte vergangenes Jahr den Pollerbau: «Liegt ein Volksentscheid vor, dann habe ich den umzusetzen», sagte sie im Interview. Würde sich zeigen, dass Verbesserungen nötig seien, «werden wir diese umsetzen», stellte sie in Aussicht.

Solche flankierenden Massnahmen wird die Stadt nun umsetzen, wie sie gestern mitteilte. Bereits realisiert wurden Fahrverbote beim Eschenweg sowie bei der Fabrik- und Neufeldstrasse. Bei der Depotstrasse will man die Sicherheit verbessern. Zu hohe Geschwindigkeiten und gefährliche Ausweichmanöver auf das Trottoir sollen unter anderem mit Sperren verhindert werden. Gebüsche werden gestutzt, um die Sicht zu verbessern.

Bei der Hochfeldstrasse und in deren Umgebung beauftragt die Stadt die Kantonspolizei, mehr Verkehrskontrollen durchzuführen. Ausserdem soll die Strasse so umgestaltet werden, dass der Verkehr verlangsamt wird. Die Stadt denkt dabei an versetzte Parkplätze, die Autofahrer bremsen, oder an Schwellen oder sogenannte Berliner Kissen. (Berner Zeitung)

(Erstellt: 21.03.2016, 20:37 Uhr)

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