Laborneubau: Tierschützer lancieren Referendum

BernDie Forschung soll auf alternative Methoden statt auf Tierversuche setzen. Ein links-grünes Komitee ergreift das Referendum gegen den Grossratsbeschluss für ein neues Forschungslabor der Universität Bern.

Gegen den Laborneubau der Universität Bern soll ein Referendum lanciert werden.

Gegen den Laborneubau der Universität Bern soll ein Referendum lanciert werden. Bild: Susanne Keller

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Tierversuche seien teuer, die Ergebnisse nicht auf Menschen übertragbar, und im Grossen Rat habe keine wirkliche Debatte über das Thema stattgefunden. Aus diesen Gründen ergreift die Grüne Partei Bern (GPB) und die Alternative Linke (AL) zusammen mit vier Tierrechtsorganisationen das Referendum gegen den Grossratsbeschluss über ein neues Forschungslabor für die Universität Bern. Heute beginnt das Komitee Unterschriften zu sammeln. Bis in drei Monaten müssen 10'000 gültige zusammenkommen, damit das Volk über das Referendum abstimmen kann.

«Was nützen Millionen?»

141 Millionen sprach der Grosse Rat vor gut zwei Wochen für das Gebäude an der Murtenstrasse, in dem die Uni das Institut für Rechtsmedizin und das Departement Klinische Forschung unterbringen will. Die Gegner des Projektes kritisieren, dass in einem Bereich des Forschungslabors Versuchstiere gezüchtet werden sollen. Grossrätin Simone Machado-Rebmann (GPB) kämpfte vergeblich gegen den Entscheid des Grossen Rates: «Was ist der Nutzen der Millionen für die Patienten im Kanton Bern?», fragte sie an der gestrigen Pressekonferenz des Komitees. Profitieren würden nur einzelne Forscher und Pharmaunternehmen.

Klingsor Reimann von der Alternativen Linken schlug in die gleiche Kerbe: Angesichts der Sparmassnahmen im Berner Gesundheitswesen solle das Geld direkt der Bevölkerung zugutekommen, statt in die Forschung zu fliessen. Beispielsweise über billigere Krankenkassenprämien oder weniger Stellenabbau in der Psychiatrie.

Uni Bern als Spitzenreiterin?

Die Forschung mit Tierversuchen sei weder wissenschaftlich noch finanziell sinnvoll, ergänzte Benjamin Frei von der Schweizer Liga gegen Vivisektion und für die Rechte des Tieres (LSCV): «Chips, auf denen mit lebenden menschlichen Zellen Organe nachgebaut werden, sind eine bessere Alternative.» Im Gegensatz zu Tierversuchen liessen sich die Ergebnisse, die bei der Forschung mit solchen Chips gewonnen werden, direkt auf den menschlichen Organismus anwenden. Die Schweiz aber drohe die Entwicklung rund um die tierversuchsfreien Methoden zu verschlafen. «Die Uni Bern soll die Chance packen und zur Spitzenreiterin in diesem Bereich werden», sagte Frei.

Ist es nicht der falsche Ansatz, anhand eines Bauprojekts in der Stadt Bern die Ausrichtung der Schweizer Forschung zu kritisieren? Braucht es nicht eine nationale Lösung? «Das eine schliesst das andere nicht aus.», sagt Machado-Rebmann. Zudem sei es wichtig, dass das Thema Tierversuche diskutiert werde.

Eine Diskussion, die Machado-Rebmann im Grossen Rat im Januar vermisste. Wegen einer reduzierten Debatte erhielten die Parlamentarier nur zwei Minuten Redezeit. (Berner Zeitung)

(Erstellt: 10.02.2015, 13:38 Uhr)

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So forscht die Uni Bern heute

Die Universität Bern setzt Tierversuche an der medizinischen Fakultät, der naturwissenschaftlichen Fakultät und der VetSuisse ein. «Der Einsatz von Versuchstieren an der Uni ist streng reglementiert und wird, wo immer möglich, durch Alternativmethoden ersetzt», sagt Christoph Leuenberger, Leiter Kommunikation. Zellkulturmodelle, Simulationen und frühere Tests am Menschen seien in einigen Fällen möglich.

Dennoch seien weiterhin Tierversuche erforderlich und sogar vorgeschrieben, zum Beispiel vor der Zulassung neuer Medikamente. Drei Viertel aller Tierversuche in der Schweiz haben laut Leuenberger keine oder nur eine geringe Belastung der Tiere zur Folge, beispielsweise wenn die artgerechte Haltung von Kaninchen erforscht werde. Auch das geplante Forschungslabor sei ein Beitrag, den Anforderungen des Schweizer Tierschutzes gerecht zu werden. Die Anzahl Tiere pro Versuch werde dadurch reduziert und die Hygiene verbessert. Von rund 9200 Quadratmetern sind 10 Prozent für die Zucht von Mäusen vorgesehen. tis

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