Knalltrauma nach SCB-Match
Von Martin Arn. Aktualisiert am 12.03.2009 11 Kommentare
Nicole Jordi: «Ich wollte nur Spass haben und den SCB in diesem wichtigen Spiel unterstützen.» (Bild: Markus Hubacher)
Gefährlich, schmerzhaft
Von Knalltrauma spricht man, wenn die Einwirkung eines sehr hohen Schalldrucks zur Schädigung des Innenohrs führt. Laut Rudolf Schlegel, Spezialarzt für Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten in Bern, sind solche Traumata schmerzhaft und gefährlich: «Die Opfer können bleibende Schäden davontragen. Knallpetarden sind vor allem dann ein Risiko, wenn sie in geschlossenen Räumen oder in Menschenmengen explodieren.»
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Es läuft die Schlussphase des 3. Drittels. Der EV Zug hat gegen den SCB gerade das vorentscheidende 2:1 erzielt, als im SCB-Sektor alle Dämme brechen: Wildgewordene Berner zünden Rauchpetarden. Direkt neben Nicole Jordi explodiert ein Knallkörper. Nachdem der erste Schrecken überwunden ist, stellt die 24-jährige Frau aus St. Stephan fest, dass sie auf dem linken Ohr taub ist. Zugs Sanitäter leisten erste Hilfe. Zurück in Bern wird Nicole Jordi direkt in die Notaufnahme des Inselspitals gefahren. Die Ärzte stellen ein Knalltrauma und einen Riss im Trommelfell fest.
«Immer Ärger mit dem SCB»
Seit vielen Jahren besucht Nicole Jordi Eishockeyspiele: «Hockey ist mein liebstes Hobby», sagt sie. Doch der Vorfall vom letzten Montag habe sie traumatisiert: «Ich weiss nicht, ob ich jemals wieder in ein Stadion gehe.» Am Dienstag hat sie Anzeige gegen Unbekannt erstattet.
Su Elsener, die Fanbeauftragte des SCB, sagt, sie sei «fassungslos» gewesen: «Solche Dinge machen mich hässig. Dass SCB-Anhänger von den eigenen Fangruppen verletzt werden, verurteile ich aufs Schärfste.» SCB-Sicherheitschef Peter Bischoff, der am Montag ebenfalls in der Herti-Halle in Zug war, sagt, man sei gemeinsam mit der Polizei daran, die Übeltäter zu ermitteln: «Danach werden wir Massnahmen gegen sie ergreifen.»
Roland Wyss, kaufmännischer Geschäftsführer des EV Zug, beklagt vor allem die Tatsache, dass es «praktisch nur mit SCB-Fans Probleme gibt». Dass die Eingangskontrollen versagt haben, will Wyss nicht gelten lassen: «Wir bemühen uns sehr um die Sicherheit, aber Knallpetarden sind nicht grösser als eine Zigarette. Die kann man im Sandwich oder in der Unterhose ins Stadion schmuggeln.»
«Da hört der Spass auf»
Draussen vor dem Stadion empfingen nach der Partie ein paar Dutzend SCB-Sympathisanten die Spieler und hinderten den SCB-Car zunächst an der Abfahrt. Gegen diese Aktion hat die Fanbeauftragte Su Elsener nichts einzuwenden: «Sie wollten ihren Frust loswerden – das ist okay. Aber sobald Menschen gefährdet werden, hört der Spass auf.»
Zwischendurch sei ihr immer noch schwindlig, sagt Nicole Jordi. Sie habe Konzentrationsschwächen und vertrage das Sonnenlicht schlecht. «Am schlimmsten ist aber der Druck im Kopf und auf dem linken Ohr.» Gegen die Schmerzen nimmt sie Tabletten. Doch die Beklemmungen, die sie seit dem Zwischenfall hat, kann ihr niemand nehmen. «Dabei wollte ich doch nur Spass haben und den SCB in diesem wichtigen Spiel unterstützen.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 12.03.2009, 09:58 Uhr
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11 Kommentare
Ich stand am Montag im Stadion gleich neben dem SCB Fanblock. Der SCB brachte seine eignen Security Leute mit, die unten beim SCB Fanblock für Ordnung sorgen sollten. Mir ist jedoch aufgefallen, dass sich die Typen von Security und Broncos mehr mit den eigenen Fans amüsierten, als das sie sich um Ordnung bemühten. Von solchen Typen würde ich nicht mal eine leer stehende Lagerhalle bewachen lassen! Antworten
typisch scb fans. wie sich die fanszene in den letzten jahren dort entwickelt hat, erstaunt mich dort gar nichts mehr... es bestätigt nur meinen eindruck. pubertierende, vermummte halbstarke, welche ihren frust aus dem alltag an spielen des scb abladen müssen, einfach nur bedenklich. Antworten
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