Kitas sollen bald um Kinder kämpfen
Von Andrea Sommer. Aktualisiert am 01.09.2010 2 Kommentare
Abstimmung wohl erst 2011
Eigentlich hätte die Berner Stimmbevölkerung am 28. November über die Kita-Initiative der SP befinden sollen. Voraussichtlich wird die Abstimmung aber auf Frühling 2011 verschoben. Dies, weil der Stadtrat erst letztenDonnerstag beschlossen hat, welcher Gegenvorschlag ebenfalls zur Abstimmung kommt. Mit 39 zu 31 Stimmen versenkte er den gemeinderätlichen Gegenvorschlag und sprach sich für die Gutschein-Variante von GFL/EVP, GLP, CVP/BDP und FDP aus. Laut der Stadtkanzlei muss nun die Abstimmungsbotschaft entsprechend angepasst und dann vom Stadtrat abgesegnet werden. Dafür ist die Zeit knapp. Den definitiven Entscheid zum Abstimmungsdatum fällt der Gemeinderat heute.
Ruedi Meier: «Betreuung anzubieten, wird attraktiver.»
Es geht ihnen um das Wohl des Kindes und darum, in der Stadt Bern mehr gute Kita-Plätze zu schaffen. Darin erschöpfte sich am Montagabend allerdings die Einigkeit der Podiums-Teilnehmer. In der von der GFL organisierten und vom BZ-Stadtchef Adrian Zurbriggen moderierten Diskussionsrunde zur Frage, wie die familienexterne Kinderbetreuung in der Stadt Bern künftig organisiert sein soll, klafften die Meinungen weit auseinander. Die SP-Stadträtin Ursula Marti verteidigte die Initiative ihrer Partei, die einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für jedes Kind schaffen will. Diesen umfassenden Anspruch rechtfertigt Marti mit der Notwendigkeit, sozial schwächere Kinder zu frühzeitig zu integrieren.
Mittelstand entlasten
Das geht der Mitte-rechts-Koalition aus GFL/EVP, GLP, CVP/BDP und FDP zu weit. Sie will in ihrem Gegenvorschlag den Rechtsanspruch auf erwerbstätige Eltern beschränken: Mit dem heutigen System würden Doppelverdiener, sprich der Mittelstand, bestraft, so GFL-Stadträtin Rania Bahnan Büechi. «Sie müssen ständig mehr bezahlen, bekommen aber wenig dafür.» Schliesslich seien die Kitas dafür da, dass Eltern Familie und Berufvereinbaren könnten. Diese müssten jedoch oft zu lange auf einen Platz warten, weil immer wieder sozial dringliche Fälle wie Alleinerziehende vorgezogen würden.
Schlecht ausgelastete Kitas
Der Gegenvorschlag geht allerdings noch weiter: Er fordert bei der Subventionierung einen radikalen Systemwechsel. Statt die Kitas wie bisher zu unterstützen, soll die Stadt die Subventionen neu in Form von Betreuungsgutscheinen direkt an die Eltern abgeben. Für die GLP-Stadträtin Kathrin Bertschy birgt das heutige Subventionierungssystem den Nachteil, dass nicht alle davon profitieren können. Die lange Warteliste für subventionierte Plätze sei zudem hausgemacht, sagte Bertschy mit Verweis auf die rund 20 nicht subventionierten Privat-Kitas, die wegen ihrer höheren Tarife nicht voll ausgelastet sind.
Platzgarantie zu teuer
Rania Bahnan Büechi will mit dem Wechsel zum Gutscheinsystem zudem die Qualität der Kitas steigern. Dies vermisse sie in der Argumentation der SP, die vor allem mehr Plätze schaffen wolle. «Wenn ich aber wählen kann, dann entscheide ich mich für Qualität vor Quantität.» Eine Platzgarantie dagegen würde den Bedarf künstlich hochhalten. «Zudem können wir uns die Platzgarantie gar nicht leisten.» Was die Umsetzung der SP-Initiative kosten würde, konnte Ursula Marti nicht beziffern.
Dass die Kinderbetreuung mit dem Gutscheinsystem qualitativ besser geworden ist, bestätigte Ruedi Meier. Der Luzerner Sozialdirektor (Grüne) hielt anlässlich der Podiumsdiskussion ein Referat über die Kita-Organisation in Luzern. Dort läuft seit April 2009 ein vom Bund mitfinanzierter Pilotversuch mit Betreuungsgutscheinen. Weil die Kitas nun auf dem Markt seien, müssten sie sich spezialisieren und entsprechend für ihr Angebot werben. «Das führte zu einem breiteren Qualitätsbegriff und hat die Position der Eltern gestärkt.»
«Einheitstarif muss sein»
Für Klaus Adam wäre der Mittelweg der beste. Der Präsident der privaten, aber von der Stadt subventionierten Kita Firlifanz, sähe am liebsten den umfassenden Rechtsanspruch mit dem Gutscheinesystem verbunden. Komme der Wettbewerb unter den Kitas, dann werde es zwar für die einzelnen Betriebe härter, weil sich diese plötzlich den Kundenbedürfnissen anpassen müssten, so Adam. «Das steigert die Qualität der Betreuung, solange der Kanton Einheitstarife garantiert.» Seine Kita schärfe bereits heute ihr Profil.
Wie Adam will auch Ursula Marti die Frage des Rechtsanspruchs vom Systemwechsel trennen. «Wir sollten die Betreuungsgutscheine, so wie es der Gemeinderat vorschlägt, erst einmal als Pilot testen, bevor wir sie einführen.»
So subventioniert Luzern Kitas
Was Luzern hat, hätte die Mitte-rechts-Koalition aus GFL/EVP, GLP, CVP/BDP und FDP für Bern auch gern: die Kita-Subventionierung über Betreuungsgutscheine. In Luzern läuft der vom Bund mitfinanzierte Pilotversuch seit April 2009 – mit guten Resultaten, wie der grüne Luzerner Sozialdirektor Ruedi Meier anlässlich des GFL-Podiums vom Montag darlegte.
Zu Beginn des Pilotprojekts gab es in Luzern eine städtische und fünf subventionierte private Kitas sowie 17 private Kitas mit total 403 Plätzen. Heute sind es 34 Kitas – und es werden mehr. Der Grund für die Zunahme liegt laut Meier darin, dass in Luzern vor allem erwerbstätige Eltern einen Anspruch auf Betreuungsgutscheine haben. «Das Ziel der Betreuungsgutscheine ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Rechtsgleichheit für alle Eltern», sagt Ruedi Meier.
Bezugsberechtigt sind Alleinerziehende ab einem Arbeitspensum von 20 Prozent. Elternpaare müssen zusammen 120 Prozent arbeiten, damit sie in den Genuss von Kita-Subventionen kommen.
Allerdings sei das System durchaus sozial ausgestaltet, betont Meier. So gehörten 56 Prozent der Gutschein-berechtigten Eltern mit einem steuerbaren Einkommen von bis zu 50'000 Franken zur sozial schwächeren Schicht. Acht Prozent der Eltern seien zudem Sozialhilfeempfänger. «Auch wenn eine physische oder psychische Überlastung der Eltern vorliegt oder die sprachliche Integration des Kindes gefördert werden muss, gewähren wir Ausnahmen», so Meier.
Die Kita-Subventionierung über Betreuungsgutscheine soll in Luzern aber auch den Einfluss der Eltern stärken und so ein bedürfnisgerechtes Betreuungsangebot schaffen. «Die Kitas positionieren sich mit ihrem Angebot und verkaufen ihre Qualität», sagt Meier. «Betreuungsplätze anzubieten, gewinnt an Attraktivität.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 01.09.2010, 14:45 Uhr
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2 Kommentare
kitas sollen um das kindswohl kämpfen...! - könnten kinder auch im oder beim altersheim betreut und in ihrer sozialkompetenz gefördert werden...? solche sozialkompetenzzentren wären synergetisch und evtl. auch gut für all die ambitionierten kleinkindererzieherinnen, zivildienstleister und säckelmeister...?! ((geht's noch..?)). Antworten
Ich frage mich schon, weshalb einige Kinder haben. Es müsste ein Kinderführungskurs geben. Die Eltern müssten einen Ausweis machen die sie befähigen Kinder zu erziehen und „Artgerecht“ aufwachsen zu lassen. Jeder Hundeführer muss einen Test machen damit er ein Tier anschaffen kann. Eltern können Kids verziehen und auf die Menschheit loslassen. Negative Resultate sind oft zu sehen. Antworten
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