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«Killergames»-Gegner traf 100 Gamer

Mit neun zu drei Stimmen entschied eine Kommission des Ständerats letzte Woche, «Killerspiele» zu verbieten. Roland Näf, Befürworter des Verbotes, trifft an der Erenya-LAN in Worb auf Gamer, die solche Spiele spielen.

Geteilter Meinung über Killergames (v.l.):  Nicolas Steiner, Tanja Walliser, Stefan Maeder und Roland Näf.

Susanne Keller

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Nicolas Steiner steht am Check-in der sechsten Erenya-LAN-Party und beäugt etwas misstrauisch die neuen Besucher. Im Saal hinter ihm ist der Game-Event in vollem Gang. Die 97 Gamer und 3 Gamerinnen aus der ganzen Schweiz haben am Freitagabend ihre Computer und Laptops installiert. Und viele von ihnen haben bereits die ganze Nacht hoch konzentriert am Computer durchgespielt. Nun erwartet Mitorganisator Steiner noch einen speziellen Gast: SP-Grossrat Roland Näf. Dieser kämpft für ein komplettes Verkaufsverbot einiger der Spiele, die im Bärensaal gespielt werden. Besondere Aktualität erlangt die Begegnung, weil Näf seinem Ziel gerade einen Schritt näher gekommen ist. Die Rechtskommission des Ständerates hat letzte Woche mit neun zu drei Stimmen einem Verkaufsverbot zugestimmt.

«Ein Schlag ins Gesicht»

«Wir unterstützen ein Verkaufsverbot für Minderjährige, ein totales Verbot können wir aber nicht akzeptieren», sagt Mitorganisator Nicolas Steiner. Es könne nicht sein, dass man erwachsenen Menschen verbiete, was sie an ihrem Computer spielen dürfen und was nicht. Roland Näf sieht das dezidiert anders. «Es geht darum, in der Bevölkerung das Bewusstsein zu wecken, dass solche Spiele schaden», sagt er. Bei einigen Amokläufen von Jugendlichen der vergangenen Jahre, habe sich herausgestellt, dass die Täter solche Spiele gespielt hätten. Ausserdem hätten Untersuchungen gezeigt, dass besonders das häufige und lange Spielen von brutalen Killergames die Hemmschwelle für Gewaltanwendung auch in der realen Welt senke.

Das kann Steiner so nicht akzeptieren. Es gebe Einzelne, die sich nicht im Griff hätten. Er glaube aber, dass diese auch durchdrehen würden, ohne vorher brutale Games gespielt zu haben. «Auf keinen Fall lassen wir uns zu kranken Mördern abstempeln.»

Hier kommt Steiner Tanja Walliser, Berner Stadträtin und Zentralsekretärin der Juso Schweiz, zu Hilfe. Sie gibt ihren Eindruck vom Game-Event wieder: «Die Stimmung hier ist sehr friedlich.» Im Gegensatz zu anderen Partys brauche es hier nicht einmal Türsteher. Sie sehe junge Leute, die gemeinsam etwas auf die Beine gestellt hätten. Das verdiene Respekt und sollte gefördert werden. «Ihnen nun ihr Hobby zu verbieten ist für sie ein Schlag ins Gesicht.» Näf ist nicht gegen Computerspiele und LAN-Partys. «Aber warum müsst ihr gerade die brutalen Games spielen, in denen ihr belohnt werdet, wenn ihr andere Spielfiguren erschiesst?» Nicolas Steiner kann darauf keine einfache Antwort geben. «Bei den Spielen geht es nicht primär um Gewalt, sondern um Geschicklichkeit, Teamwork und um Strategie.» In anderen Spielkategorien, wie zum Beispiel Sport- und Rollenspielen, kämen diese Komponenten nicht gleich stark zum Tragen. Das Erfolgserlebnis bei den Killergames sei ein wichtiger Punkt, sagt er.

Freiheit oder Verbot?

«Ich habe im Selbstversuch erfahren, wie hoch der Reiz in einem solchen Spiel ist», sagt Näf. Fatal findet er daran, dass in solchen Spielen Gewalt als Problemlösungsstrategie geradezu zelebriert werde. «Das hat Folgen auf den Umgang der Menschen mit einander.» Die Amokläufe seien dabei nur der traurigste Gipfel dieser Entwicklung. Nicolas Steiner findet diesen Schluss unfair. Einerseits: «Millionen von Menschen spielen solche Spiele, ohne je gewalttätig zu werden.» Andererseits gebe es viele Gewalttätige, die nie ein Killergame gespielt hätten. Ein Verbot treffe darum die Falschen. Das findet auch Tanja Walliser von der Juso. «Wir haben, gemeinsam mit den Organisatoren der Erenya, eine Petition lanciert, die das totale Verbot verhindern will.»

Der Kampf um das Killergame-Verbot geht in den nächsten Level. «Am 18.März wird der Ständerat über das Verbot befinden», sagt Näf, und er glaubt, dass es angenommen wird.

Auf der grossen Projektionsfläche im Saal wird das Finale des Counter-Strike-Turniers übertragen. Schwer bewaffnete Figuren in dunklen Kampfanzügen schleichen zwischen sandgelben Gebäuden umher. Ducken sich, zielen, schiessen, und Blut spritzt unter dem makellos stahlblauen Himmel der virtuellen Realität. (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.02.2010, 07:26 Uhr

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15 Kommentare

Franz-Dominik Imhof

08.08.2011, 16:06 Uhr
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Roland Näf ist, bedauerlichweise, nur auf WählerInnen-Stimmen von älteren Menschen aus, die nicht durchschauen, wie unnütz sein Vorschlag ist. Würde er seine eigene Argumentation wirklich ernst nehmen, konzentrierte sich Herr Näf nämlich zuerst einmal auf den leichten Zugang zu Waffen in der Schweiz und das Schützenwesen. Aber eben, diese ehrliche Politik würde ihn Stimmen kosten, nicht bringen... Antworten


Silas Arn

03.03.2010, 20:17 Uhr
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Für mich ist es klar, dass "Killerspiele"-Spieler stärker zu Aggressionen neigen. Das aber nicht weil "Killerspiele" aggressv machen. Sondern weil die Menschen, die zu Aggressionen neigen oftmals "Killergames" spielen. Antworten


Suter Martin

23.02.2010, 12:05 Uhr
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Herr Näf.. Über 90% der Amokläufer welche wegen "gewaltätigen Spielen" zu Mörder wurden haben regelmässig Brot gegessen.. Soll Brot nun auch verboten werden?? Ausserdem, wer solche Spiele spielen will wird auch später, sollte das Verbot unsinnigerweise angenommen werden, zugang zu solchen Spielen haben! Lang lebe das Internet und P2P! Verbieten Sie einem grossen Teil der Jugen doch gleich alles... Antworten


gianfranco santoro

23.02.2010, 08:35 Uhr
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Herr Näf denkt wohl, dass eine weitere (es gibt ja sonst keine Verbote) Verbotspolitik sinnvoll wäre. Nur leider, wird hier der Hebel am falschen Ort gezogen. Viel mehr Wirkung auf das Bewusstsein des Menschen haben Nachrichten, Umfeld und Filme, und daran ändert niemand was! Erziehung ist nicht alles, aber sehr viel! Man sollte sich überlegen wie man an dieser Stelle mal verbesserungen bringenwil Antworten


Mark Hugener

22.02.2010, 20:46 Uhr
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Herr Näf diffamiert laufend volljährige BürgerInnen wegen ihres Hobbys. Denn das Spielen von Computerspielen ist genauso ein Hobby, wie fischen oder jagen. Also wenn ich im Kanton Bern wohnen würde, ich wüsste wenn und welche Partei ich nicht mehr wählen würde und bald sind ja Grossratswahlen. An die Urnen Berner. Antworten


Tobias Schwarz

22.02.2010, 16:23 Uhr
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Nur weil von Millionen von Spielern ein paar Amok gelaufen sind sollen diesen Millionen Spielern ihr Hobby verboten werden? Praktisch jeder Jugendliche spielt Computerspiele, meist auch Ballergames. Wieso laufen dann nicht Millionen Amokläufer rum? Die Amokläufer haben ihre Taten sicher nicht wegen Games begangen, da waren ganz andere Probleme schuld. Antworten


Marco Geissbühler

22.02.2010, 13:13 Uhr
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Wer solche Games verbieten will, leidet selbst an jenem Realitätsverlust, den er/sie auf andere projiziert: Solche Leute können nicht zwischen Realität und Spiel unterscheiden. Die Aussagen Roland Näfs sind ein gutes Beispiel hierfür. Antworten


Laurent Bertrandt

22.02.2010, 13:00 Uhr
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Sollen sie doch den Verkauf der Killer-Games in der Schweiz verbieten, im Ausland bekommt man sie dann immer noch. Selbst ein Besitzverbot würde nur ein müdes Gähnen hervorrufen, denn wo kein Käger, da kein Richter. Antworten


Rolf Mosimann

22.02.2010, 12:53 Uhr
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Es gibt nicht eine einzige Studie die belegt, dass solche Spiele für Erwachsene gefährlich sind. Selbst bei Minderjährigen sind andere Faktoren weit höher zu gewichten. Darum ist es nicht akzeptabel, dass Näf erwachsene Mitmenschen aus einer persönlichen Moralvorstellung zu bevormunden veruscht. Er würde seine Energie besser für einen gesetzlich verankerten Jugendschutz statt Zensur einsetzen. Antworten


Markus Brunner

22.02.2010, 12:38 Uhr
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Im Gegensatz zu Roland Näfs Behauptung wurde noch noch keine Gewalttat direkt durch das Spielen von sogenannten "Killerspielen" ausgelöst. Wenn man Lügen ständig wiederholt, werden sie nicht wahrer. Populismus pur. Ich verweise auf die Petition auf pro-jugendkultur.ch. Diese wurde durch ein Bündnis von JUSO, SESF, Piratenpartei und Gamerights ins Leben gerufen. Jede Stimme zählt. Antworten


Erin Schmid

22.02.2010, 10:30 Uhr
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Ein Verkaufsverbot ist absolut lächerlich! Das Besitzen und das Spielen wären ja sowieso weiterhin erlaubt. So können Spiele auf andere Weise "erhalten" werden und die LAN-Parties weiter organisiert werden. Es handelt sich also nur um ein symbolisches Verbot und ist somit ein unnötiges Gesetz zuviel. Antworten


Florian Lehmann

22.02.2010, 10:25 Uhr
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Ich bin selbst ein begeisterter Zocker. Klar spiele ich auch Ego-Shooter. Ich spiele sie einfach gerne. Meine Kindheit war nicht ganz einfach, respektive normal. Ich bin tättowiert, gepierct und ein begeisterter Sportschütze. Ich hätte alle Voraussetzungen Amok zu laufen Und wieso tu ich das nicht? Weil isch selbstbestimmt denke! ich brauche keine verkalkten Politiker die für mich denken!!! Antworten


Michael Tièche

22.02.2010, 09:35 Uhr
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Huptsache seine persönlichen Ziele neben den wünschen des Suveräns durchsetzen.Am besten stellen wir neben den Killergames auch noch alle art Renngames an den Pranger. Und die SIMS müsste man auch verbieten, schliesslich kann man dort etlichen negativen Einflüssen ausgesetzt werden.Und was ist mit den Kartenspiele? Nicht dass wir dem Glücksspiel verfallen.Ambesten verbieten wir provilaktisch alles Antworten


Ulrich Erni

22.02.2010, 08:53 Uhr
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Meine Söhne haben vor einigen Jahren einen CS Clan gegründet.Da waren 3 Tage "Lan-Partys" mit bis zu 15 Spielern aus verschiedenen "Regionen".Die Eindrücke und Erfahrungen aus diesen Treffen sind für mich sehr wertvoll.Keine Spur von Gewalttätigkeit.Im Gegenteil. Antworten


Chrig Meyer

22.02.2010, 07:40 Uhr
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Ich bin zudem dafür, dass alle Flugzeugsimulationen (TwinTowers und andere Beispiele) und natürlich alle Autogames verboten werden. Wir sehen ja fast tagtäglich zu was für Situationen solche Spiele auf den schweizer Strassen führen. Überall nur noch Raser!!!! Einfach lächerlich immer alles verbieten zu wollen. Aber wenn sich Politikier sonst nichts können, werden Verbote gesucht. Antworten



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