Keine Verbesserung für die slowakischen Arbeiter
Von Hannah Einhaus. Aktualisiert am 25.10.2011 17 Kommentare
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Freizügigkeitsabkommen
«Die Post hat mit dieser Reaktion ihren Imageschaden minimiert», kommentierte Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB), auf Anfrage die rasche Reaktion der Post. Ähnliche Fälle von Lohndumping lägen leider an der Tagesordnung, insbesondere in der Bau- und der Reinigungsbranche. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind insbesondere dort der Willkür der Arbeitgeber ausgeliefert, wo der Schutz durch Gesamtarbeitsverträge oder durch Verordnungen auf Bundes- und Kantonsebene fehlen.
Lampart sieht vor allem zwei Lösungsansätze zur Vorbeugung von Missbrauch. Bei der Vergabe von Aufträgen an Subfirmen müssten die Firmen bei der Aufdeckung von Missständen solidarisch haften. Gegenüber den Behörden müssten sie ausserdem bei der Anstellung von Mitarbeitenden aus der EU nicht nur Angaben über Ort, Branche und Einsatzdauer machen, sondern auch über den Lohn. Bisher hatte der SGB wenig Erfolg damit.
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Der Skandal um die vierzehn slowakischen Arbeiter, die zu Dumpinglöhnen die Asbestreste vom Gebäude der Schanzenpost entfernen und dafür in Zivilschutzanlagen hausen, geht weiter. Über das Wochenende und gestern Montag haben die Post als Bauherrin und die Gewerkschaft Unia die Firma Howe mit den Vorwürfen konfrontiert. Sollte sie sich nicht bereit erklären, die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Schweiz zu erfüllen, muss sie mit der Aufkündigung des Vertrags rechnen. Howe hat gestern Abend beide Forderungen von sich gewiesen.
Unterbezahlte Arbeit
Wie diese Zeitung bereits am Samstag ausführlich berichtete, entfernen seit Juni vierzehn Arbeiter aus der Slowakei Asbestreste bei der Schanzenpost. Es handelt sich um Vorarbeiten für den geplanten Neubau. Untergebracht sind sie in einer Zivilschutzanlage im zweiten Untergeschoss, ohne Tageslicht und frische Luft. Obschon es sich um qualifizierte Fachkräfte handelt, erhalten sie einen Lohn von 3000 bis 3400 Franken brutto beziehungsweise 2200 Franken netto. Das sind umgerechnet 5 bis 10 Euro pro Stunde. Ein Facharbeiter der gleichen Qualifikation verdient gemäss Unia-Angaben 5300 bis 5500 Franken pro Monat brutto plus den 13.Monatslohn. Laut gewerkschaftlichen Quellen arbeiten die Büezer bis zu zehn Stunden an sechs Tagen. «Die Leute tun mir leid, wie sie hier hausen müssen», sagt Carmen Rocha, die der Geschichte seit Beginn auf der Spur ist. «Jeder Hund ist besser aufgehoben. Die Arbeiter klagen nicht, aber es ist eine Schweinerei.» Da sie nicht vertraut mit den hiesigen Arbeitsverträgen seien und kein Deutsch sprächen, seien sie der Firma Howe völlig ausgeliefert.
Kooperation infrage gestellt
Seit die skandalösen Bedingungen am Freitag bekannt wurden, steht die Zusammenarbeit zwischen der Post und der Firma Howe auf der Kippe. «Unter den aktuellen Umständen ist eine weitere Zusammenarbeit mit Howe infrage gestellt» so Oliver Flüeler, Mediensprecher der Post. «Wir haben mit der Firma Howe Verträge abgeschlossen, die ausdrücklich die Einhaltung von Mindestlöhnen gemäss Landesmantelvertrag verlangen.» Die Bauherrschaft handelte denn auch sofort, nachdem die Unia auf die Missstände hingewiesen hatte. Gewerkschafterin Carmen Rocha zeigte sich zufrieden mit der Kooperation. «Die Post hält sich an ethische Grundsätze und kooperiert nicht mit Firmen, die beispielsweise mit Kinderarbeit oder Arbeit unter dem Mindestlohn den Preis drücken», so Flüeler.
Gestern Montag liefen juristische Abklärungen auf Hochtouren. Die Post hat der Firma Howe inzwischen eine Frist gesetzt, zu den Vorwürfen der Unia schriftlich Stellung zu nehmen. Gefordert hat sie die Einhaltung der vertraglich festgelegten Minimallöhne und die Räumung der Unterkunft in den Zivilschutzräumen als Wohnort der Howe-Mitarbeitenden.
Howe zeigt kalte Schulter
Die Gewerkschaft Unia räumte der Firma Howe eine Frist bis 18 Uhr ein, um die Ansprüche der Arbeitnehmer korrekt anzuerkennen. Laut Carmen Rocha beinhaltet dies die sofortige Einhaltung der Landesmantelverträge. Die Arbeiter gehören gemäss den gewerkschaftlichen Forderungen in die Lohnklasse 10 mit einem Monatslohn von knapp 4400 Franken plus 14 Franken pro Mittagessen. «Vor allem müssen sie raus aus diesem Loch», so Carmen Rocha. Eine sofortige Verlegung der Arbeiter in ein Hotel stand zur Diskussion. Howe hat laut Unia beides rigoros abgelehnt. Für eine Stellungnahme war Howe gestern nicht erreichbar. (Berner Zeitung)
Erstellt: 25.10.2011, 10:02 Uhr
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17 Kommentare
es wäre an der post, vor der ausarbeitung von verträgen, ganz einfach im www zu surfen oder sich bei der gewerk-schaft zu erkundigen, ob die firma negativ bekannt ist! ich frage mich wirklich, was dort für leute arbeiten die sich scheinbar ihrer verantwortung nicht bewusst sind! ich würde nie der billigsten firma, dazu noch aus dem ausland aufträge überlassen, ohne genau abklärungen. unseriös Antworten
Das ist nur 1 Beispiel wie es mit der Personenfreizügigkeit abläuft - flankierende Massnahmen werden überhaupt nicht zur Kenntnis genommen und die Gewerkschaften und SP träumen weiter - die Büetzer werden durchwegs für dumm verkauft und lassen sich von ausländischen Firmen und deren Arbeiter, die unter allem Hund arbeiten, verarschen. Neuverhandlung der Personenfreizügigkeit drängt sich effekt auf Antworten
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