«Kein Fisch würde überleben»
Von Mirjam Messerli. Aktualisiert am 12.06.2010
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Schwimmen kann der kleine Bär seit Mittwoch wieder
in sauberem Wasser – gelöst ist das Problem aber noch nicht. (Bild: Urs Baumann)
Jetzt plantschen Finn, Björk und ihre Kleinen wieder im Bärenpool am Aareufer. Nach einem Notfalleinsatz der Feuerwehr, die am Mittwoch 2000 Kubikmeter frisches Flusswasser ins Bassin pumpte, ist die Wasserqualität wieder gut genug für einen Schwumm. Davor war das Wasser so stark verschmutzt, dass Tierparkdirektor Bernd Schildger sich veranlasst sah zu handeln. Die letzte Laboranalyse des Wassers hatte bedenkliche Resultate ergeben: «Kein Fisch würde hier überleben», fasst Schildger zusammen. Im Bärenpool könnte man nicht einmal robuste Karpfen halten, derart überschritten seien die Grenzwerte gewesen.
Bedenkliche Labordaten
Die Laborergebnisse belegten nur, was die Bären längst gespürt hatten und darum auf eine Abkühlung verzichteten: «Es gelangt viel zu wenig Frischwasser ins Becken, und das wird mit diesem System auch so bleiben», glaubt der Tierparkchef. Er kann darum nicht nachvollziehen, warum das Planungsbüro Klötzli und Friedli das Problem mit der Wasseraufbereitung als gelöst ansieht. Hans Klötzli sagte am Donnerstag gegenüber dieser Zeitung: «Wenn die Pumpe richtig und regelmässig gewartet wird, funktioniert sie auch.» Und wenn sie laufe, werde das Wasser im Bärenpool jeden zweiten Tag erneuert.
Schon vier Mal revidiert
Diesen indirekten Vorwurf an seine Mitarbeiter lässt Schildger nicht gelten: «Es ist nicht damit getan, die Pumpe wie eine Kaffeemaschine mit etwas Durgol zu entkalken», sagt er. Die Pumpe sei erst sieben Monate in Betrieb und in dieser Zeit schon vier Mal total revidiert worden. Das heisst: Drei Mitarbeiter der Herstellerfirma müssen die Pumpe mit einem Flaschenzug aus mehreren Metern Tiefe hieven, zur Revision mitnehmen und wieder einbauen.
Die Pumpe, welche Aarewasser ansaugen und in den Bärenpool befördern sollte, ist für Schildger nicht das Hauptproblem. Bei der Biberanlage im Dählhölzli funktioniere ein ähnliches Gerät seit zehn Jahren problemlos. Nicht so beim Bärenpark. Die Qualität des Bassinwassers sei auch ungenügend gewesen, als die Pumpe gelaufen sei, betont Schildger. Labordaten stützen seine Aussage. Zudem sei das Wasser im Becken rund 5 Grad wärmer als jenes der Aare. «Das sind Fakten, die belegen, dass selbst dann nicht genügend frisches Wasser ins Bassin gelangt, wenn die Pumpe im Einsatz ist.»
Das Problem beginnt offenbar nicht im Pumpenschacht, sondern bereits unter den Betonstufen am Ufer, wo das Aarewasser in ein Auffangbecken mit Kies fliessen sollte. «Führt die Aare wenig Wasser, wird das Becken nicht gespeist, und die Pumpe kann demzufolge auch kein Wasser ansaugen», hat Schildger beobachtet. Bereits im Winter montierten Mitarbeiter des Tierparks darum eine Hilfspumpe – und rapportierten das Problem der Bauherrin Stadtbauten (Stabe). Diese hätten sofort den Planern den Auftrag erteilt, das ganze System zu überprüfen. Geändert worden sei bisher nichts. «Nun lese ich, das Problem sei gelöst – das erstaunt mich», sagt Schildger.
Er wolle «niemandem die Schuld zuschieben», betont er. «Meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass es den Bären gut geht und sie nicht durch verschmutztes Wasser krank werden.» Sobald sich zeige, dass die Wasserqualität nicht mehr genüge, biete er erneut die Feuerwehr auf. (Berner Zeitung)
Erstellt: 12.06.2010, 09:41 Uhr
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