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Jodlerfest: Echt war nur das Fahnenschwingen

Von Claude Chatelain. Aktualisiert am 10.05.2010 3 Kommentare

Der Eidgenössische Jodlerverband feierte sein 100-Jahr-Jubiläum prachtvoll - leider vor schlecht gefüllten Rängen.

Sie jodeln, aber man hört sie nicht:  Der Jubiläums-Festakt des Eidgenössischen Joderverbands war eine Art Playback-Show.

Sie jodeln, aber man hört sie nicht: Der Jubiläums-Festakt des Eidgenössischen Joderverbands war eine Art Playback-Show.
Bild: Walter Pfäffli

Entwarnung: Es war keine Katastrophe, dass die Jodelklänge am 100-Jahr-Jubiläum des Eidgenössischen Jodlerverbands ab Band zu hören waren. Eine «Verarschung des Publikums» war es auch nicht, wie das im Vorfeld des Grossanlasses unter anderen der Komponist Hannes Fuhrer aus dem oberaargauischen Ochlenberg kolportiert hatte. Eine «Verarschung» wäre es, wenn die Zuschauer nicht gemerkt hätten, dass sie die Klänge ab CD hörten.

Am Samstag feierte der Eidgenössische Jodlerverband im Berner Allmendstadion – sorry – in der Postfinance-Arena sein hundertjähriges Bestehen. Er tat dies mit einem Jubiläumsabend mit Alpaufzug, Schwingereinlagen, Hornusserdemonstration, Jodelpräsentationen ab Band, Alphornblasen teils ab Band, teils echt, sowie Fahnenschwingen, dies aber immer echt.

«Schon beim Konzert der britischen Rockgruppe Barclay James Harvest vor 40 Jahren wurde jedem klar, dass die Akustik im Eisstadion lausig ist», sagte Berns Stadtpräsident Alexander Tschäppät. Und wer das bisher nicht wusste, merkte es am Samstagabend beim Abspielen und Mitsingen der Landeshymne. «Selbst die Redner hat man nicht verstanden», meinte Ex-Regierungsrätin Dora Andres, Präsidentin des Schweizer Schiesssportverbands. Es stellte sich daher nicht die Frage, ob Play-back oder echt. Es stellte sich die Frage, ob Eisstadion oder anderswo.

Echt und akustisch einwandfrei war dagegen der Applaus der rund 4500 Zuschauer, als Karin Niederberger, Präsidentin des Eidgenössischen Jodlerverbands, aufs Eisfeld trat. Sie machte beim Gang zum Rednerpodium eine halbe Ehrenrunde und liess sich vom Publikum feiern – die Mehrheit davon in Tracht. «Ich bin überwältigt. Überwältigt von der Kulisse», sagte sie ins Mikrofon. SCB-Fans sind sich natürlich eine andere Kulisse gewohnt: Die Sitzplätze waren beim Jodlerfest zu drei Vierteln gefüllt; die Stehrampe leer, ausgestorben, öde, grau. Womit wir wieder beim Thema wären: ob Eisstadion oder anderswo.

Über 21'000 Mitglieder hat der Jodlerverband, «und täglich werden es mehr», sagte die gefeierte Niederberger, die im bündnerischen Malix aufgewachsen ist und dort noch lebt. Nach ihrer Rede erschien Bundesrat Hans-Rudolf Merz, Finanzminister, Appenzeller und Libyen-Kenner. Er machte die gleiche halbe Ehrenrunde, erhielt aber deutlich weniger Beifall als die Verbandspräsidentin.

Ein Jodler in der VIP-Lounge sinnierte, man hätte den Bundesrat besser verstanden, hätte er Mundart gesprochen. Ob er recht hat? Womöglich hätten dann alle mitbekommen, dass Politiker von Jodlern lernen könnten, was ja eigentlich nicht überraschend ist. «In Schwierigkeiten sollten wir wieder gemeinsam ins gleiche Horn stossen und für unser Land Flagge zeigen», sagte Merz. Zumindest die Alphornbläser nahmen die Worte allzu ernst. Sie stiessen tatsächlich «gleichsam ins gleiche Horn» – via CD eben.

Eigentlich wurden 6000 Besucher erwartet. Inklusive aktiver Play-back-Jodler waren es gegen 5000, schätzt Albert Vitali vom OK, Bruder des mehrfachen eidgenössischen Kranzschwingers Werner Vitali. Warum das Soll nicht erreicht wurde, konnte OK-Mitglied Werner Grossniklaus nicht erklären. Vielleicht war manchen der Weg nach Bern zu weit, ging doch der Anlass bis 22 Uhr abends. Aber der Jodlerverband war Gast an der BEA, und die BEA habe ihnen die Postfinance-Arena für den Jubiläumsfestakt zur Verfügung gestellt. Dieses Angebot habe man gerne angenommen. «Es sollte ein Fest von Jodlern für Jodler sein», sagte Grossniklaus. Wenn der Eindruck nicht täuscht, hat es den Jodlern gefallen, den anderen ebenso.

Das OK-Chörli des nächstjährigen Eidgenössischen Jodlerfests in Interlaken sorgte in der Pause dafür, dass zumindest die Zuschauer in der VIP-Lounge zu einem Liveauftritt kamen. Margrit Häsler aus Unterseen versicherte, dass am Jodlerfest in Interlaken echt gesungen werde. «Das hier ist ja ein Jubiläum, nicht ein Jodlerfest», sagte sie. Und überhaupt: «Im Fernsehen ist auch alles Play-back». (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.05.2010, 09:09 Uhr

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3 Kommentare

Ulrich Scheidegger

10.05.2010, 09:38 Uhr
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Das gesehene dieser Play-back Jodlerdarbietungen am SF stellt Haare zu Berge. Diese gezeigten JodlerInnen waren total unsynchron mit ihren Mundaktivitäten zu den akustischen Abspielungen der CD's. Total belämmerte Optik. Diese Professionalität fehlt diesen AkteurInnen noch. Daher ist eine Life-Darbietung der Chöre authentischer, ehrlicher und zugänglicher. Hannes Fuhrer bleibt im Recht. Antworten


Bruno Boss

11.05.2010, 13:23 Uhr
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Lieber Ulrich Scheidegger Für die schlechte Einspielung des Playbacks können die JodlerInnen nichts! Und Playback singen ist nicht so einfach, wie es aussieht. Bestimmt hätten alle JodlerInnen lieber "in natura" gesungen. Aber hätten wir wohl die Klänge gehört? Hätten wir uns nicht eher etwas darüber geärgert, dass wir nichts hören und innerlich rebelliert gegen die Organisation? Antworten



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