Jimy Hofers Bronco-Loge verstösst gegen das Rauchverbot

Von Andrea Sommer. Aktualisiert am 19.01.2010 24 Kommentare

Nicht alle Wirte in der Stadt Bern halten sich ans Rauchverbot. In der Rössli-Bar der Reithalle und in der Broncos-Loge von Stadtrat Jimy Hofer wird noch munter gepafft. Der Gewerbepolizei fehlen die Mittel für bessere Kontrollen.

Stadtrat Jimy Hofer steht dazu, dass in der Broncos-Loge trotz Rauchverbot weitergequalmt werden darf.

Urs Baumann

Artikel zum Thema

Stichworte

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Bernerzeitung.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Seit dem 1.Juli 2009 ist im Kanton Bern das Rauchverbot in Kraft. Der Berner Mundartrocker Polo Hofer scherte sich letzten September nicht drum und rauchte im Restaurant Lorenzini trotzdem. Tags darauf rief Hofer im «Blick am Abend» öffentlich zum zivilen Ungehorsam auf: «Wenn möglichst viele Leute meinem Beispiel folgen, gerät die Situation ausser Kontrolle.»

Wie ein Augenschein in städtischen Beizen und Bars zeigt, halten sich tatsächlich längst nicht alle Beizer ans Rauchverbot und lassen ihre Gäste auch ohne Fumoir weiterrauchen. So etwa in der von der Stadt subventionierten Reitschule, genauer im «Rössli», der Front-Raum-Bar des Kulturzentrums. So hatte es FDP-Stadtrat Mario Imhof zwei Monate vor Einführung des Rauchverbots befürchtet. Damals erklärte Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP), dass das Verbot für alle gelte, und dass die Gewerbepolizei auch in der Reitschule kontrollieren werde.

Die Mediengruppe der Reitschule schreibt in ihrer Stellungnahme, dass sich die Reitschule wie andere Klubs und Restaurants auch bemühe, das Rauchverbot «so gut wie möglich umzusetzen». Zudem lasse «die praxisfremde und strikte Formulierung des Rauchverbots» keinen Raum für «situationsangepasste Umsetzungen und Konzepte».

«Unsinniges Gesetz»

Ebenfalls nicht ans Rauchverbot hält sich der parteilose Stadtrat Jimy Hofer. In seiner Broncos-Loge in der Matte wird tüchtig weitergequalmt. «Offiziell gilt auch bei uns das Rauchverbot», sagt Hofer. «Aber wir schicken keinen Raucher vor die Türe.» Er habe den Einbau eines Fumoirs in der Loge geprüft, sagt Hofer, dies dann aber verworfen. «Dabei hätten wir nach 30 Jahren den Billardtisch von der Galerie entfernen müssen», sagt Hofer. Dies, weil im Raucherbereich nicht mehr angeboten werden dürfe, als im Nichtraucherbereich.

Der Stadtrat, der sich gern als Law&Order-Politiker gibt, der öffentlich die «chaotischen, anarchischen und nicht tolerierbaren Zustände in der Reithalle» anprangert und fordert, dass für alle die gleichen Regeln zu gelten hätten, hat hier eine eigene Auffassung von Recht. «Ich habe schon immer gegen unsinnige Gesetze verstossen», sagt Hofer. Er rechtfertigt den Verstoss damit, dass es auch ein Vermummungsverbot gebe, an das sich viele nicht hielten. Oder mit der Ausbootung des Wettbewerbgewinners beim Progr, die für Hofer «unter aller Sau» war. «Wenn Unrecht zu Recht wird, ist Widerstand Pflicht.» Dass es zu einer Wettbewerbsverzerrung kommt, wenn sich nicht alle Beizer ans Verbot halten, nimmt Hofer in Kauf. «Die Wirte sind selber schuld, sie haben sich im Vorfeld zu wenig gewehrt.»

Kontrolleure überfordert

Seit Umsetzung des Rauchverbots wurden weder die Broncos-Loge noch die Reithalle von der Gewerbepolizei kontrolliert. «Bei insgesamt 660 Gastrobetrieben fehlen uns die Ressourcen für eine lückenlose Kontrolle», sagt der stellvertretende Polizeiinspektor Marc Heeb. Für die schnelle Einführung des Rauchverbots sei der Vollzug nicht schlecht, findet Heeb. Die angezeigten Wirte könne man an einer Hand abzählen. Wirte, die gegen das Rauchverbot verstossen, müssen mit einer Busse und im Wiederholungsfall sogar mit einer vorübergehenden Betriebsschliessung rechnen. Auch der rauchende Gast kann gebüsst werden. Dass die Gewerbepolizei ein Auge zudrückt, verneint Heeb. «Wenn jemand das Gesetz vorsätzlich übertritt, dann diskutieren wir nicht lange.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.01.2010, 15:17 Uhr

24

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

24 Kommentare

Fred Flükiger

19.01.2010, 09:01 Uhr
Melden

Wo er recht hat, hat er recht!!! Das Vermmumungsverbot wird auch nicht durchgezogen! Und wenn in der Reithalle geraucht wird, wo ja vom Steuerzahler "gesponsert" wird. Warum müssen sich dann die andern Beizer sich daran halten, wo ja keine STeuergelder erhalten?! PS. bin Nichtraucher!!! Antworten


Daniel Steiner

19.01.2010, 09:21 Uhr
Melden

Nein, er hat nicht recht! Es gibt kein allgemeines Vermummungsverbot in der Schweiz, gilt nur Kantonal und nur bei Demonstrationen! Wenn Unrecht zu Recht wird soll Wiederstand geleistet werden mit erneutem Unrecht? Hoferische Weisheit… Antworten



Region

Populär auf Facebook – Privatsphäre

Meistgelesen in der Rubrik Region

AKTUELLE JOBS

Marktplatz

Gipser (B) Berufsarbeiter Bellini Personal AG, ZH

Dachdecker/-in Bellini Personal AG, BE

Sachbearbeiter/in Sales Support Manpower AG, Mägenwil

Partner

Umfrage

Waren Sie schon mal in einem Pfingstlager?




AKTUELLE KADERSTELLEN

Marktplatz

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen
Grillsaison
homegate Besser grillieren mit unseren Experten-Tipps Mehr

In Partnerschaft mit:

Homegate

Neues aus Ihrem Wohnort

  • Hier finden Sie Nachrichten, Veranstaltungen und das detaillierte Lokalwetter ihrer und hundert weiterer Gemeinden im Gebiet der Berner Zeitung. Mehr...
  • Gelangen Sie hier direkt zu Ihrer Gemeindeseite:

Muss der Religionsunterricht ausgebaut werden?

Ja

 
29.8%

Nein

 
70.2%

1036 Stimmen

Giraffen zieren die Stadt Bern. Sollen die Graffiti bleiben?

Ja

 
28.9%

Nein

 
71.1%

409 Stimmen