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«Jetzt müssen wir den richtigen Mix zwischen Tempo und Qualität finden»

Von Christoph Aebischer. Aktualisiert am 10.12.2011 1 Kommentar

Regierungsstatthalter Christoph Lerch (SP) entschuldigt sich für lange Wartezeiten. Doch der Dampfer sei auf Kurs. Dank zweier Stellvertreter will er künftig wieder mehr Zeit für Aussenkontakte haben.

Christoph Lerch, Statthalter des grossen Kreises Bern-Mittelland.

Christoph Lerch, Statthalter des grossen Kreises Bern-Mittelland.
Bild: zvg

Der überlastete Statthalter des «Molochs» erhält Unterstützung

Ob Einfamilienhaus oder Gewerbebetrieb – wer in letzter Zeit in einer der 97 Gemeinden des Kreises Bern-Mittelland bauen wollte, brauchte Nerven, bis die Bewilligung vorlag. Das Nadelöhr war der Regierungsstatthalter. Im Erbgang konnte es dazu führen, dass Hinterlassene in finanzielle Nöte gerieten, bis der entscheidende Stempel da war. «Die Fristen waren früher viel kürzer», stellt SVP-Grossrat Moritz Müller fest. Das Team von Regierungsstatthalter Christoph Lerch (SP) kritisiert er nicht direkt: «Sie sind einfach überlastet.»

Zu diesem Schluss kommt auch der Bericht vom Vorvorgänger von Lerch, Andreas Hubacher. Im Auftrag der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion untersuchte er, woran der Gigant im Mittelland, in dessen Gebiet über 380000 Personen wohnen, krankt. Der Bericht kommt nun zum Schluss, dass das Regierungsstatthalteramt zwar führbar ist. Es brauche jedoch eine bessere Organisation und eine personelle Aufstockung von 1,6 Stellen.

Der Regierungsstatthalter soll künftig zwei vollamtliche Stellvertreter erhalten. Diese werden je zwei bis drei Abteilungen eigenständig führen und den Statthalter lediglich bei den schwierigen Fällen beiziehen. Die Entlastung macht es Christoph Lerch möglich, sich mehr um die Bürger zu kümmern – ein weiterer Kritikpunkt. Lerch ist froh über die Entlastung (siehe Interview).

Aufteilung gefordert

Die Stellen werden aus dem Stellenpool der Statthalterämter besetzt. Dieser sei bisher nicht ganz ausgeschöpft worden, darum führe dies nicht zu Abstrichen anderswo, sagt Markus Grossenbacher, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Regierungsstatthalter. Auch finanziell geraten die zehn Ämter deswegen nicht in Schieflage: «Wir waren sowohl 2010 wie auch dieses Jahr innerhalb des Budgets», sagt er. Dies sei im Leistungsauftrag festgelegt. Ob es im Vergleich zu vor der Verwaltungsreform (26 Bezirke wurden auf 10 Kreise reduziert) finanzielle Einsparungen gebe, könne er nicht beurteilen.

Moritz Müller geht davon aus, dass vom versprochenen Spareffekt am Schluss nichts mehr übrig bleibt. Statt 12 Millionen sei noch von 3 Millionen Franken die Rede, und bald schmelzten auch diese dahin. Müller, auch Gemeindepräsident von Bowil, wurde es zu bunt: Er forderte im Grossen Rat eine Aufteilung des «Molochs». Sein Vorstoss wurde 2010 als Postulat überwiesen. JGK-Direktor Christoph Neuhaus (SVP), der sich noch als Generalsekretär der SVP gegen die Verwaltungsreform war, äussert sich vorsichtig: «Offenbar sind mehr Ressourcen nötig. Es wurde zu stark gespart.» Um das Statthalteramt des Verwaltungskreises zu führen, brauche es einen Manager und keinen klassischen Regierungsstatthalter. Zur Person Christoph Lerch meint er karg: «Er ist ein vom Volk gewählter Magistrat.» cab/ats

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Viele sind unzufrieden mit dem Tempo des Regierungsstatthalteramts. Spüren Sie diesen Unmut, Herr Lerch?
Christoph Lerch: Ja. Insbesondere 2010 haben sich Gemeinden und Bauwillige bei uns beschwert. Da entschuldige ich mich in aller Form. Wir brauchten viel Zeit, um die Verwaltungsreform zu bewältigen. Da gibt es nichts zu beschönigen.

Was unternehmen Sie?
Zuerst ergriff ich interne Massnahmen und legte ein Schwergewicht auf die Bauabteilung. Zu erwähnen ist immerhin, dass wir Anfang 2010 mit nur 24 Stellen gestartet sind. Erst seit einem Jahr sind alle 30 Stellen besetzt. Darauf besserte es zügig, und seit vergangenem Frühjahr sind die Fristen vertretbar.

Nun sollen Sie mehr Leute erhalten. Schaffen Sie damit das Problem definitiv aus der Welt?
Ich erhielt zeitlich befristet Stellen, die wir bereits wieder zur Hälfte reduzieren konnten. Aufgrund des Berichts sollen wir jetzt 1,6 zusätzliche unbefristete Stellen erhalten. Das entspricht fast, aber nicht ganz den verbliebenen temporären Stellen. Weiter haben wir die Abläufe gestrafft. Wir streben auf allen Ebenen mehr Effizienz an. 2011 gab es fast keine Reklamationen mehr. Komplizierte Händel, freilich, dauern einfach länger.

An der Spitze brauche es einen Manager und nicht einen klassischen Regierungsstatthalter, sagt der zuständige Regierungsrat Christoph Neuhaus. Sind Sie der Richtige für diesen Job?
Ich habe die Gesamtleitung inne. Im Inneren erhalte ich neu statt einen zwei Stellvertretende, die je zwei bis drei Abteilungen übernehmen. Sie sind vor Ort präsent, um auch in heiklen Fällen sofort Entscheidungen treffen zu können, und gewährleisten eine saubere Führung gegen innen. Dies wiederum soll mir ermöglichen, mich auf Aussenkontakte zu konzentrieren. Denn mit der Reform ging Bürgernähe verloren und wurde seither vermisst.

Sie fühlen sich dem Job also gewachsen?
Ja. Die beiden Stellvertretenden managen den Betrieb gegen innen, und ich habe die Gesamtleitung des Regierungsstatthalteramts. Für diese Aufgabe fühle ich mich geeignet.

Sie standen auch in der Kritik. Sie seien zu wenig entscheidungsfreudig. Was entgegnen Sie?
Das ist für mich nachvollziehbar, weil die Verfahren so lange dauerten. Ich gebe aber alles, dass insbesondere beim Bau, aber auch bei den Beschwerden und im Erbschaftswesen fristgerecht entschieden wird. Eines ist nicht zu vergessen: Einerseits sollen Entscheide schnell da sein, anderseits muss die Qualität stimmen. Ich habe nie Rückmeldungen erhalten, unsere Entscheidungen seien schlecht. Jetzt müssen wir den richtigen Mix zwischen Tempo und Qualität finden.

Wie lange dauert es, bis der Riesendampfer auf Kurs ist? Wir haben seit diesem Sommer bereits viele Massnahmen, die im Bericht vom ehemaligen Regierungsstatthalter Andreas Hubacher enthalten sind, angepackt. Die Abläufe sind effizienter und werden weiter optimiert. Mit den zusätzlichen Leuten bauen wir die Pendenzen ab. Der Dampfer ist bereits auf Kurs. Was noch fehlt, ist meine persönliche Entlastung. Momentan suche ich die zweite stellvertretende Person. Im Mai sollte sie ihre Stelle antreten.

Die Verwaltungsreform wurde einst als Effizienzsteigerung angepriesen. Zumindest in Bern war es bisher nicht so. Ist der Kreis Bern-Mittelland zu gross?
Der Bericht kommt zum Schluss, dass das Amt mit den empfohlenen Massnahmen führbar ist. Ob der Kreis trotzdem aufgeteilt werden soll, wie der Grosse Rat per Postulat fordert, ist eine politische Frage. Ich habe den Entscheid bloss umzusetzen. Persönlich gebe ich zu bedenken, dass eine Aufteilung dem Trend entgegenliefe. Denn der Kreis entspricht dem Gebiet der Regionalkonferenz, und die Gemeinden sind auf Bern ausgerichtet. Raumplanungs- und Verkehrsfragen sowie das Kulturangebot werden in diesem Gebiet koordiniert.

Sie waren sich beim Stellenantritt der grossen Herausforderung bewusst. Ist die Arbeit unter dieser Belastung erträglich?
Wenn Sie meine Familie fragen würden, ist die Grenze zuweilen überschritten. Die Belastung ist tatsächlich hoch. Ich bin froh über die Entlastung. Doch mir gefällt die vielseitige Arbeit, und ich schätze die vielen Kontakte. (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.12.2011, 12:54 Uhr

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1 Kommentar

Klaus Reinmann

11.12.2011, 14:29 Uhr
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Die neue Wahlkreisreform lässt grüssen,diese ja bekanntlich nur höheren Kosten,chaotisch geführte Wahlkreise in der Steuerhölle des Kantons Bern,dieser über eine Milliarde aus dem CH-Lastenausgleich bringen.Die nächsten Coups werden mit den Regionalkonferenzen realisiert, diese zusätzliche Bürokratie wieder die Steuerzahler berappen.Und wer hat uns diese Suppe wohl eingebrockt? Linke und Nette? Antworten



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