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«Integrationsförderung ist Prävention»

Von Hannah Einhaus. Aktualisiert am 08.06.2011 4 Kommentare

«Fordern und Fördern» heisst der aktuelle Lösungsansatz für gelungene Integration. Doch was steckt hinter dieser Formel wirklich? David Keller, bis Ende 2010 Leiter eines Pilotprojekts in Ostermundigen, spricht über seine Erfahrungen.

David Keller leitete das Pilotprojekt «Zusammenleben in Ostermundigen».

David Keller leitete das Pilotprojekt «Zusammenleben in Ostermundigen».
Bild: Urs Baumann

40 Jahre ISA

Am Mittwochabend veranstaltet die Informationsstelle für Ausländerinnen- und Ausländerfragen (ISA) ein Podium zum Thema «Wie viel Staat braucht Integration?». Neben David Keller diskutieren Gerda Hauck, ehemalige Integrationsbeauftragte der Stadt Bern, Regula Unteregger, Vorsteherin des kantonalen Sozialamtes, Ueli Studer, SVP-Gemeinderat Köniz, Barbara Mühlheim, Grossrätin GFL, und Muhamed Ali Osman, interkultureller Übersetzer. Moderation: Iwan Rickenbacher.

Anlass für die Veranstaltung ist das 40-jährige Bestehen der ISA. Sie setzt sich für die Integration und die Partizipation der ausländischen Bevölkerung ein.

Universitätsbibliothek, Münstergasse 63, 19.30 Uhr.

Neues Gesetz

Derzeit erarbeitet der Kanton Bern ein neues Integrationsgesetz. Nach dem Prinzip «Fordern und Fördern» sollen Migrantinnen und Migranten durch Anreize oder Druck eine selbstständige Existenz aufbauen. Derzeit läuft noch das von David Keller eingeleitete Pilotprojekt «Zusammenleben in Ostermundigen». Mit rund 30 Personen vereinbarte die Gemeinde Ziele und Massnahmen der Integration. Bei den Teilnehmenden handelt es sich um Personen in prekären Verhältnissen, zum Beispiel Jugendliche ohne Lehrstelle oder Mütter in Scheidung. Erreicht werden ausschliesslich Personen aus Drittstaaten.

David Keller arbeitet neu seit Januar 2011 als Migrationsbeauftragter des Kantons Schwyz.

Korrektur-Hinweis

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Der Begriff «Fordern und Fördern» ist in aller Munde. Was heisst das konkret?
David Keller: Der gute gesellschaftliche Zusammenhalt ist eine Stärke der Schweiz. Wir wollen miteinander, nicht aneinander vorbei leben. Die Ausländergesetzgebung fordert von Einwanderern, sich eigenverantwortlich um ihre Integration zu bemühen. Wenn wir jedoch Integration fordern, müssen wir auch den Weg mit Förderangeboten zeigen.

Was kann der Staat fordern?
Die Arbeitsstelle ist einer der wichtigsten Orte, wo Integration stattfindet . Gefordert werden daher Bemühungen um die Sprache, Bildung und die Arbeitssuche.

Was müssen Behörden bieten?
Das Zauberwort heisst «Bildung», und zwar auf allen Alters- und Berufsstufen. Auch die Wirtschaft muss mehr zur inländischen Bildung beitragen. Ewig können wir nicht ausgebildetes Personal aus der EU abschöpfen.

In Ihrem Projekt waren rund 30 Personen in einem Integrations- oder Sprachprogramm. Wie wurde ausgewählt?
Von den Zuziehenden bringen über 90 Prozent beste Voraussetzungen für eine gute Integration mit. Dort wird nichts unternommen. Genauer hingeschaut wird bei den 7 bis 8 Prozent, die kaum Deutsch sprechen und Mühe haben, den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. Es waren kritische Fälle wie Sozialhilfebezüger, Erwerbslose oder geschiedene Mütter, die wir verbindlich zu Integrationsleistungen verpflichteten. Wer sich nicht daran hielt, musste mit einer Ausweisung rechnen. Dies geschah in einem Fall. Toll war umgekehrt zu sehen, wie Einzelne Ausbildung, Einkommen und Selbstvertrauen massiv steigerten.

Konservative Kreise wollen nur fordern und kritisieren Fördermassnahmen.
Wir sollten möglichst ab dem ersten Tag nach der Einwanderung die Integration im Bildungs- und Arbeitsbereich fördern. So tun wir etwas gegen Arbeitslosigkeit und Kriminalität. Integrationsförderung ist Prävention.

Wo würden Sie bei der Aufklärung in konservativen Kreisen ansetzen?
Wir brauchen nicht mehr Aufklärung, sondern einen offenen, ehrlichen Diskurs. Die Formel «Ausländer sind schlecht» ist wenig hilfreich.

Wo besteht weiterer Handlungsbedarf bei der Integration?
Das Wichtigste ist aus meiner Sicht die Einführung eines Erstgesprächs mit Neueinwandernden. Nur so können wir erkennen, wer zu uns kommt und wo der Handlungsbedarf ist. Ein solches Erstgespräch dauert 15 Minuten und kostet nicht viel.

Migranten bringen Know-how mit, das oft wegen nicht anerkannter Diplome brach liegt.
Daher ist es wichtig, dass wir Immigrierende über hiesige Institutionen, Förderangebote, Vorgehensweisen beispielsweise bei der Stellensuche gut informieren. Wichtig ist, was der Bund bei der Anerkennung fremder Diplome tut. Wer sich wertgeschätzt fühlt, hat den Willen, sich einzubringen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.06.2011, 06:05 Uhr

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4 Kommentare

Hans - Ulrich Vogt

08.06.2011, 07:25 Uhr
Melden 4 Empfehlung

Andere Staaten (USA, Kanada, GB etc.) stellen Bedingungen an Einwanderer. Er hat Vorleistungen zu erbringen und sich aktiv zu integrieren. Nur in der Schweiz kann Hinz und Kunz einreisen und Leute wie Keller verlangen, dass wir deren Integration und fehlende Bildung finanzieren. Wir brauchen Fachleute mit Bildung und Willen zur Integration und keine Habenichtse mit 4 Jahren Volkschule in Anatolien Antworten


Peter Münger

08.06.2011, 06:55 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Er hat wohl noch nicht bemerkt, dass die Integration schon lange gescheitert ist. Viele wollen nur eines von uns, ein Stück vom Kuchen. Bis sie dies erreichen verschleudern wir Unsummen von Geld.
Sie integrieren sich nie, haben eigene Läden, Netzwerke usw
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