Im Pfarrhaus entsteht Platz für Senioren
Von Sandra Rutschi. Aktualisiert am 10.05.2011
Angehörige, die ihre kranken Partner oder Eltern pflegen, sind oft schweren Belastungen ausgesetzt. Verschnaufpausen wollen nun die Reformierte Kirche Ostermundigen und die Stiftung für Pflege und Betreuung Libella Ostermundigen ermöglichen: Im Pfarrhaus an der Unteren Zollgasse wollen sie eine Seniorentagesstätte (Seta) einrichten und damit eine Angebotslücke in Ostermundigen schliessen. Ab der ersten Hälfte 2013 soll die Tagesstätte an zwei Tagen pro Woche von 9 bis 17 Uhr geöffnet sein, wie die Verantwortlichen gestern vor den Medien sagten.
Platz für acht Senioren
In der Seta stehen Freude und Spass an oberster Stelle; gemeinsam wird gebacken, spaziert oder gespielt. Zudem stehen genügend Räume für Rückzugsmöglichkeiten zur Verfügung. Platz hat es für acht betreuungsbedürftige Seniorinnen und Senioren, mindestens zwei Anmeldungen sind nötig, damit gestartet werden kann.
Nötig ist auch die Zustimmung der reformierten Kirchgemeindeversammlung vom 6.Juni. Schon mehrmals hat das Mundiger Kirchenvolk grundsätzlich Ja zum Seta-Projekt gesagt, dann aber fällt es den definitiven Entscheid über die Umnutzung des Pfarrhauses und die Realisierung einer Seniorentagesstätte.
Geplant ist, dass die Senioren im Erdgeschoss des Pfarrhauses betreut werden. Im ersten Stock soll eine 3½-Zimmer-Mietwohnung entstehen, im Dachstock eine Loft, die ebenfalls vermietet wird. Um diese Räume zu schaffen, muss das Pfarrhaus für 1,3 Millionen Franken saniert werden. Sagt die Versammlung Ja, sollen die Bauarbeiten von Herbst 2011 bis Herbst 2012 stattfinden. Die ersten Mieter könnten dann im Januar 2013 einziehen.
Der Hintergrund: Das neue Kirchengesetz, das 2012 in Kraft tritt, lockert die Residenzpflicht für Pfarrer. Künftig muss nur noch ein Pfarrer pro Gemeinde dort wohnen, wo er arbeitet. Die Pfarrfamilie Burckhardt im Haus an der Unteren Zollgasse indes ist froh, ausziehen zu dürfen. Das Gebäude ist zu gross für sie, wie Kirchgemeindepräsident Peter Hofer gestern erklärte.
70 Franken bezahlt ein Gast
Die Stiftung Libella befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft des Kirchgemeindehauses und des Zollgasse-Pfarrhauses. Die Zusammenarbeit in Sachen Seta bezeichnen beide Seiten als Glücksfall. Die Kirchgemeinde kommt für die Infrastruktur und das Mobiliar auf und gibt der Stiftung in den ersten vier Jahren eine Defizitgarantie von 130000 Franken. Libella indes betreibt und vermarktet die Tagesstätte und stellt die personellen Ressourcen zur Verfügung. Libella-Direktorin Barbara Casty rechnet mit 25 Stellenprozenten pro Gast. Die Mitarbeitenden sind Fachpersonen aus den Bereichen Pflege, Betreuung und Aktivierungstherapie. Das Mittagessen wird von der Libella-Stiftung angeliefert.
70 Franken muss ein Gast pro Seta-Tag bezahlen. Der Kanton steuert einen Beitrag von 80 Franken pro Tag und Gast bei, die Krankenkassen rechnen pauschal nach Betreuungsstufen und Zeitaufwand ab. (Berner Zeitung)
Erstellt: 10.05.2011, 07:38 Uhr
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