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«Illegales Angebot» von Bern Tourismus

Von Tobias Habegger. Aktualisiert am 14.01.2009 3 Kommentare

Bern Tourismus vermittelt Snowboardtouren auf verschneite Gipfel im Gantrischgebiet. Der Guide aber hat kein Bergführerpatent. Ortskundige Retter und Bergführer verurteilen dies – die Gefahr sei gross und das Angebot illegal.

Mit Schneeschuhen und Snowboard:  Das Angebot von Bern Tourismus ruft besorgte Bergführer auf den Plan.

Christof Sonderegger

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Mit dem Landrover holt Valentino Sorpresi zahlende Touristen beim Berner Hauptbahnhof ab. Der Snowboardlehrer steckt ihnen ein Lawinensuchgerät in die Ski-Jacke. Drei Stunden raufsteigen auf den Gipfel, in Schneeschuhen und mit purer Muskelkraft, das Snowboard auf dem Rücken. Dann runter kurven durch den Tiefschnee. Ein Erlebnis im Gantrischgebiet für Städter und Mittelländer, die schnell mal raus wollen aus der Nebelsuppe.

«Illegal»

Buchen kann man die Tour unter anderem über die Internetseite von Bern Tourismus. Für ein paar Stunden legen die Teilnehmer ihr Schicksaal in die Hände des Tourenführers Valentino Sorpresi. Er schätzt die Lawinengefahr ein, entscheidet vor Ort, ob die Verhältnisse eine Abfahrt zulassen. Wenn nötig, leitet er Rettungsmassnahmen ein. Bei diesem Punkt beginnt das Problem. Valentino Sorpresi ist zwar eidgenössisch geprüfter Schneesport- und Snowboardlehrer. Er hat einen mehrtägigen Lawinenkurs gemacht und er ist Tourenleiter beim Schweizerischen Alpen Club (SAC). Doch Valentino Sorpresi ist kein Bergführer.

Wolfgang Wörnhard vom Schweizer Bergführerverband kritisiert Bern Tourismus: «Sie arbeiten da mit jemandem zusammen, der nicht berechtigt ist, solche Touren zu leiten.» Dabei gäbe es ja in der Region Bern genügend ausgebildete Bergführer, auf deren Angebote Bern Tourismus hinweisen könnte. «Wenn ein Snowboardlehrer gegen Bezahlung Leute, von deren Bergerfahrung er keine Ahnung hat, in Gebiete mit alpinen Gefahren führt, dann verstösst er gegen das Gesetz.»

Etwas differenzierter sagt es Stefan Reichen vom Amt für Berner Wirtschaft (Beco): «Touren im Hochgebirge, über Gletscher und bei Lawinengefahr dürfen kommerziell nur von Bergführern angeboten werden.»

Alles andere, selbst Variantenfahren oder Heliskiing von einzelnen Gipfeln, sei auch für Schneesportlehrer erlaubt. Im Kanton Bern sei dies im Gesetz über Handel und Gewerbe (HGG) geregelt.

«Gefährlich»

Welche Regel gilt für die Chrumfadenflue, einer der Gipfel im Gantrisch, die Valentino Sorpresi mit den Touristen in Angriff nimmt?

Vom Schreibtisch aus sei dies schwierig zu entscheiden, sagt Stefan Reichen vom Beco. «Es kommt darauf an, ob die Tour im Bereich alpiner Gefahren liegt oder nicht.» Eine klare Antwort hat Ulrich Nyffenegger parat. Als Chef der SAC-Rettungsstation Thun ist das Gantrischgebiet sozusagen sein Schreibtisch. «Die Chrumfadenflue hat steile Hänge, von denen selbst bei guten Verhältnissen Lawinengefahr ausgeht», sagt er. Im Falle einer Rettung stelle der Berg hohe Ansprüche. «Dort jemanden rauszuholen ist nicht ganz einfach.» Das Gelände sei felsdurchsetzt und die Hänge lägen im Schatten. «Für mich ganz klar: alpine Gefahr.»

«Genussorientiert»

Valentino Sorpresi, der gescholtene Snowboardlehrer, hält dagegen: «Das ist eine moderate, genussorientierte Tour.» Sie sei bei guten Verhältnissen geeignet für Einsteiger. «Bei heiklen Bedingungen weichen wir in flacheres Gelände aus» Er decke einen Grenzbereich ab. Viele Snowboarder hätten das Bedürfnis, mit einem Leiter unterwegs zu sein, der nicht auf Skiern, sondern auf einem Snowboard steht. «Mein Einsatzgebiet mit Kunden hört aber dort auf, wo die Arbeit der Bergführer beginnt.» Für den Schadensfall besitzt Valentino Sorpresi eine Haftpflichtversicherung über 10 Millionen Franken. «Die Versicherung kennt sowohl meine Ausbildung wie auch mein Tätigkeitsfeld.»

Denn er weiss, dass er sich in einer juristischen Grauzone befindet. Leider gebe es kein nationales Bergführergesetz, sagt er. Im Kanton Bern seien die Kompetenzen mit der Abgrenzung «alpine Gefahren» unklar geregelt.

«Touristisch attraktiv»

Bern Tourismus weist die Kritik ebenfalls von sich. «Die Angebote, die wir auf unserer Internetseite aufschalten, müssen in erster Linie aus touristischer Sicht attraktiv sein», sagt Thomas Lüthi, Vizedirektor bei Bern Tourismus. «Wir glauben, Valentino Sorpresi verfügt über eine gute Ausbildung als Tourenleiter. Bei der Frage, ob das Angebote juristisch korrekt ist, verlassen wir uns wie immer auf unseren Partner.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.01.2009, 08:25 Uhr

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3 Kommentare

D. Meyer

14.01.2009, 14:06 Uhr
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Typisch Schweizer Bergführer Verband "Das Angebot von Bern Tourismus ruft besorgte Bergführer auf den Plan". Fairerweise müsste der Bergführer Verband auch offenlegen warum sie besorgt sind. Anbieter wie Sorpresi konkurrenzieren das Angebot der klassischen Bergführer - wenn auch nur minim. Ich denke sie fürchten um ihre Kunden und nicht primär um die Sicherheit der Kunden eines Hr. Sorpresi. Antworten


Peter Zurbrügg

14.01.2009, 14:25 Uhr
Melden

Da ist dem Redaktor wahrscheinlich ein Zuhörfehler passiert, wenn er wiedergibt, "Der Snowboardlehrer steckt ihnen ein Lawinensuchgerät in die Skijacke". Dort gehört das LVS definitiv nicht hin, sondern unter möglichst vielen Kleiderschichten direkt auf dem Körper angezogen. Wenn er das so macht, dann muss Herr Sorpresi über die Bücher. Schaufel und Sonde gehören übrigens auch zur Ausrüstung. Antworten



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