«Ich muss nicht mehr schön aussehen»

Von Lucia Probst. Aktualisiert am 30.04.2010 9 Kommentare

Sie ist 17-jährig und wuchs in Köniz auf. Jetzt bangen ihre Eltern um sie, weil sie sich in den Kreisen des Islamischen Zentralrates bewegt. Die Tochter wiederum fühlt sich von den Eltern bedroht. Und die Behörden stehen mittendrin.

Auftritt in der «Arena»: Die 17-jährige F.U. mit ihrem Mann Naim Cherni, dem Generalsekretär des Islamischen Zentralrates (l.).

Auftritt in der «Arena»: Die 17-jährige F.U. mit ihrem Mann Naim Cherni, dem Generalsekretär des Islamischen Zentralrates (l.).
Bild: SF

Die 17-jährige Kurdin F.U.* aus Köniz geht seit Ende März nicht mehr nach Hause. Ihr Vater habe ihr mit dem Tod gedroht, erzählt die junge Frau am Telefon. Monatelang sei sie geschlagen und unterdrückt worden. Der Grund für den heftigen Familienstreit: Die Alewitin F.U. konvertierte letzten Juni zum Islam. Seit Herbst ist sie nach islamischem Ritus mit Naim Cherni, dem Generalsekretär des Islamischen Zentralrates Schweiz (IZRS), verheiratet. F.U. trägt das Kopftuch, und seit Anfang Jahr auch einen schwarzen Umhang. «In diesen Kleidern fühle ich mich wohl», sagt sie. Mit ihrem Kopftuch habe sie die grösste Freiheit erlangt. «Ich muss nicht mehr schön aussehen, und die Männer machen mich nicht mehr an.» Dafür müsse sie sich als Muslima oft rechtfertigen, räumt die junge Frau ein.

Verzweifelte Eltern

F.U.s Eltern machen sich grosse Sorgen um ihre Tochter. Wie die «Weltwoche» gestern publik machte, soll diese in Biel in Kreisen des IZRS versteckt gehalten werden und den Kontakt zur Familie abgebrochen haben. Dass sie ihre Tochter mit dem Tod bedroht hätten, sei eine «unglaubliche Lüge», erklären die Eltern. Gegenüber dieser Zeitung wollte sich die Mutter gestern nicht mehr weiter zur Sache äussern.

Den Könizer Behörden wird vorgeworfen, die Eltern in ihrer Verzweiflung zu wenig ernst zu nehmen und untätig zu bleiben. SVP-Gemeinderat Ueli Studer sei der Ansicht, das Mädchen sei im Islamisten-Liebesnest bestens aufgehoben, schreibt Autor Philipp Gut. Polizei und Behörden würden keine Anstrengungen unternehmen, die Ausgerissene heimzubringen.

Nicht vermisst

«Wir sind nicht untätig», betont hingegen Ueli Studer. Die Abteilung Vormundschaft stehe in Kontakt mit der jungen Frau. «Wir wissen, wo sie lebt. Sie ist nicht vermisst.» Das bestätigt auch Michael Fichter von der Kantonspolizei. Eine Vermisstmeldung sei Ende März zwar eingegangen. «Doch wir hatten mit der Frau Kontakt.» Sie gelte nicht mehr als vermisst. Wegen Fragezeichen habe die Polizei damals aber auch die Könizer Behörden informiert. Zudem hat die Polizei das Untersuchungsrichteramt eingeschaltet, das seit der Vermisstmeldung ermittelt. «Überprüft wird vor allem, ob der Tatbestand der Entziehung von Unmündigen vorliegt», so Fichter. Gemäss dem Stand der Ermittlungen sei aber nicht von strafrechtlich relevanten Handlungen auszugehen.

«Die Tochter kam von sich aus zu uns», erklärt Gemeinderat Studer. Dies weil sie sich von ihrer Familie bedroht fühle. «Die Frau lebt nicht in Biel», stellt Studer klar. Sie lebe auch nicht in einem Umfeld, das er als beunruhigend einstufe. Seit rund einem Monat sei der Fall aktuell. Auch mit den Eltern hat man den Kontakt gesucht. Nächste Woche soll ein Treffen stattfinden. «Meine Leute sind daran, die Situation abzuklären.» Die Tochter mache keinen verstörten Eindruck. Man habe nicht das Gefühl, dass sie unter Druck stehe. Erstes Ziel sei es, den Kontakt zwischen ihr und den Eltern wieder herzustellen. «Was dann passiert, ist offen», so Studer. Müsse man eingreifen, könne die Vormundschaftsbehörde die elterliche Obhut entziehen und allenfalls das Mädchen fremdplatzieren. «Das würden wir tun, wenn wir eine starke Wesensänderung feststellen.» Studer gibt aber zu bedenken, dass ab 16 Jahren in der Schweiz Glaubensfreiheit gilt.

Fünfmal täglich beten

Verändert hat sich F.U. in den letzten Monaten stark. Nicht nur äusserlich. Sie bete fünfmal täglich, erzählt sie. Musik hört sie nicht mehr. Dafür liest sie gerne im Koran. «Ich habe mein Leben nach dem Islam ausgerichtet.» Das habe ihr eine innere Zufriedenheit gegeben. Gezwungen werde sie zu nichts. Sie müsse auch nicht 24 Stunden am Tag daheim bleiben. Ihre KV-Lehre bei der Stadt Bern wolle sie im Sommer unbedingt beginnen.

«Meine Frau kann frei entscheiden», sagt auch Naim Cherni. «Ich weise es von mir, dass wir irgendwelchen Zwang ausüben.»

Beim Islamischen Zentralrat hiess es gestern nur, das sei eine private Angelegenheit von Herrn Cherni und seiner Frau, so Mediensprecher Abdel Azziz Qaasim Illi. Zwischen der Polizei und dem IZRS habe es in dieser Sache offiziell keine Kontakte gegeben. Die Vorwürfe der «Weltwoche» entsprächen aus IZRS-Sicht «überhaupt nicht den Tatsachen».

* Name der Redaktion bekannt (Berner Zeitung)

Erstellt: 30.04.2010, 07:52 Uhr

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9 Kommentare

Paul Rohner

30.04.2010, 09:04 Uhr
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Wie ich diese seit wochen dauernde Hirnwäsche,mit täglichen Fotos und Beiträgen über den Islam und ihre Gepflogenheiten in den Medien satt habe.Tag für Tag werden wir mit solchen Dingen bombardiert.War auch der Meinung,dass heiraten nach islamischem Recht in der Schweiz ungültig ist.Da wurde uns diese Frau in der Arena als ungeladen vorgestellt,doch konnte diese den Mund dort weit aufreissen. Antworten


Fernando Acosta

30.04.2010, 09:43 Uhr
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Bitte hört mal mit diesem Islam-Bashing auf. Wenn eine 17-Jährige auf der Suche nach ihrer Identität ist, ist das doch nichts Neues. Im Übrigen finden die meisten Zwangsheiraten oder Ehrenmorde unter Aleviten statt. Die geben sich ja gerne als die humanen und moderaten Muslime aus. Antworten



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