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«Ich muss nicht mehr schön aussehen»

Sie ist 17-jährig und wuchs in Köniz auf. Jetzt bangen ihre Eltern um sie, weil sie sich in den Kreisen des Islamischen Zentralrates bewegt. Die Tochter wiederum fühlt sich von den Eltern bedroht. Und die Behörden stehen mittendrin.

Auftritt in der «Arena»: Die 17-jährige F.U. mit ihrem Mann Naim Cherni, dem Generalsekretär des Islamischen Zentralrates (l.).

Auftritt in der «Arena»: Die 17-jährige F.U. mit ihrem Mann Naim Cherni, dem Generalsekretär des Islamischen Zentralrates (l.).
Bild: SF

Die 17-jährige Kurdin F.U.* aus Köniz geht seit Ende März nicht mehr nach Hause. Ihr Vater habe ihr mit dem Tod gedroht, erzählt die junge Frau am Telefon. Monatelang sei sie geschlagen und unterdrückt worden. Der Grund für den heftigen Familienstreit: Die Alewitin F.U. konvertierte letzten Juni zum Islam. Seit Herbst ist sie nach islamischem Ritus mit Naim Cherni, dem Generalsekretär des Islamischen Zentralrates Schweiz (IZRS), verheiratet. F.U. trägt das Kopftuch, und seit Anfang Jahr auch einen schwarzen Umhang. «In diesen Kleidern fühle ich mich wohl», sagt sie. Mit ihrem Kopftuch habe sie die grösste Freiheit erlangt. «Ich muss nicht mehr schön aussehen, und die Männer machen mich nicht mehr an.» Dafür müsse sie sich als Muslima oft rechtfertigen, räumt die junge Frau ein.

Verzweifelte Eltern

F.U.s Eltern machen sich grosse Sorgen um ihre Tochter. Wie die «Weltwoche» gestern publik machte, soll diese in Biel in Kreisen des IZRS versteckt gehalten werden und den Kontakt zur Familie abgebrochen haben. Dass sie ihre Tochter mit dem Tod bedroht hätten, sei eine «unglaubliche Lüge», erklären die Eltern. Gegenüber dieser Zeitung wollte sich die Mutter gestern nicht mehr weiter zur Sache äussern.

Den Könizer Behörden wird vorgeworfen, die Eltern in ihrer Verzweiflung zu wenig ernst zu nehmen und untätig zu bleiben. SVP-Gemeinderat Ueli Studer sei der Ansicht, das Mädchen sei im Islamisten-Liebesnest bestens aufgehoben, schreibt Autor Philipp Gut. Polizei und Behörden würden keine Anstrengungen unternehmen, die Ausgerissene heimzubringen.

Nicht vermisst

«Wir sind nicht untätig», betont hingegen Ueli Studer. Die Abteilung Vormundschaft stehe in Kontakt mit der jungen Frau. «Wir wissen, wo sie lebt. Sie ist nicht vermisst.» Das bestätigt auch Michael Fichter von der Kantonspolizei. Eine Vermisstmeldung sei Ende März zwar eingegangen. «Doch wir hatten mit der Frau Kontakt.» Sie gelte nicht mehr als vermisst. Wegen Fragezeichen habe die Polizei damals aber auch die Könizer Behörden informiert. Zudem hat die Polizei das Untersuchungsrichteramt eingeschaltet, das seit der Vermisstmeldung ermittelt. «Überprüft wird vor allem, ob der Tatbestand der Entziehung von Unmündigen vorliegt», so Fichter. Gemäss dem Stand der Ermittlungen sei aber nicht von strafrechtlich relevanten Handlungen auszugehen.

«Die Tochter kam von sich aus zu uns», erklärt Gemeinderat Studer. Dies weil sie sich von ihrer Familie bedroht fühle. «Die Frau lebt nicht in Biel», stellt Studer klar. Sie lebe auch nicht in einem Umfeld, das er als beunruhigend einstufe. Seit rund einem Monat sei der Fall aktuell. Auch mit den Eltern hat man den Kontakt gesucht. Nächste Woche soll ein Treffen stattfinden. «Meine Leute sind daran, die Situation abzuklären.» Die Tochter mache keinen verstörten Eindruck. Man habe nicht das Gefühl, dass sie unter Druck stehe. Erstes Ziel sei es, den Kontakt zwischen ihr und den Eltern wieder herzustellen. «Was dann passiert, ist offen», so Studer. Müsse man eingreifen, könne die Vormundschaftsbehörde die elterliche Obhut entziehen und allenfalls das Mädchen fremdplatzieren. «Das würden wir tun, wenn wir eine starke Wesensänderung feststellen.» Studer gibt aber zu bedenken, dass ab 16 Jahren in der Schweiz Glaubensfreiheit gilt.

Fünfmal täglich beten

Verändert hat sich F.U. in den letzten Monaten stark. Nicht nur äusserlich. Sie bete fünfmal täglich, erzählt sie. Musik hört sie nicht mehr. Dafür liest sie gerne im Koran. «Ich habe mein Leben nach dem Islam ausgerichtet.» Das habe ihr eine innere Zufriedenheit gegeben. Gezwungen werde sie zu nichts. Sie müsse auch nicht 24 Stunden am Tag daheim bleiben. Ihre KV-Lehre bei der Stadt Bern wolle sie im Sommer unbedingt beginnen.

«Meine Frau kann frei entscheiden», sagt auch Naim Cherni. «Ich weise es von mir, dass wir irgendwelchen Zwang ausüben.»

Beim Islamischen Zentralrat hiess es gestern nur, das sei eine private Angelegenheit von Herrn Cherni und seiner Frau, so Mediensprecher Abdel Azziz Qaasim Illi. Zwischen der Polizei und dem IZRS habe es in dieser Sache offiziell keine Kontakte gegeben. Die Vorwürfe der «Weltwoche» entsprächen aus IZRS-Sicht «überhaupt nicht den Tatsachen».

* Name der Redaktion bekannt (Berner Zeitung)

Erstellt: 30.04.2010, 07:52 Uhr

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9 Kommentare

Willi Ammann

30.04.2010, 17:49 Uhr
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Eine junge Frau ist beim IZRS untergetaucht, jener Organisation die als gefährlich eingestuft wird und vom Geheimdienst überwacht werden soll.Paradoxerweise tritt die Frau bei einer städtische Behörde eine KV-Lehrstelle an. Ist da sichergestellt dass sie als Lehrling keinen Zugang zu vertraulichen Akten bekommt?Stellt man ihr gar einen Gebetsraum zur Verfügung?Fragezeichen über Fragezeichen. Antworten


Ahmet Gündogan

30.04.2010, 14:50 Uhr
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->Roland Peter: Wir äussern uns bewusst nicht (mehr). Denn Leute wie Sie legen unsere Worte immer so aus wie es gerade passt. Wenn wir uns von Gewalt distanzieren, werden wir zu Lügnern erklärt. Wenn wir uns nicht distanzieren, sind wir sowieso böse. Wieso soll man sich also äussern? Es ändert ja sowieso nichts an Ihrer Meinung. Ist halt ein bisschen wie bei der Hexenjagd im Mittelalter. Antworten


Roland Peter

30.04.2010, 12:53 Uhr
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Auffallend, dass sich keine Muslime sich zu diesem abstrusen Beispiel äussern. Und wenn, dann waren es bis jetzt nur Forderungen die jenseits allen Verständnis und Verstandes liegen. Ich denke, dieses Beispiel ist vergleichbar mit anderen Freikirchlern, die über Treue, nähe zu Gott etc. labern und es dabei faust dick hinter den Ohren haben. Antworten


Kathrin Schröder

30.04.2010, 12:36 Uhr
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Diese junge Dame ist das Produkt einer typisch islamischen Geirnwäsche. Es gibt hunderttausende von Beweisen, dass muslimische Kinder bereits im Alter von 3 Jahren via Eltern, Medien, Imams, Verwandten etc. einer kontinuierlichen Anti-Israelischen, Anti-Westlichen, Anti-"Ungläubigen"-Gehirnwäsche unterzogen werden. Das Resultat kennt man: 11. September, London, Madrid, Bali, Darfur etc. etc. etc. Antworten


Tschannen Werner

30.04.2010, 12:05 Uhr
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es wäre auch mal Zeit zu berichten wie Leute in die Fängen von Christen, Buddhisten, etc. kommen! Eine jede radikale Auslegung von Religion birgt Gefahren sowie Hirnwäsche mit Glaubenbekenntnis gleichzusetzen. Antworten


Nicole Müller

30.04.2010, 11:22 Uhr
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natürlich ist es ein Weg der Identitätsfindung, gerade in diesem Alter will man doch auf keinen Fall wie die Eltern sein. Man ist hin und her gerissen von Zweifeln, Selbstzweifeln. Da gibt einem der Isalm schon gewisse Antworten und Orientierung. Es scheint ein Weg zu sein, aus einer ziemlich oberflächlichen Welt. Zudem hat sie sich da in einen ziemlich radikalen, hübschen Mann verliebt.. Antworten


Hans Guggelmann

30.04.2010, 10:50 Uhr
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Die Abspaltung von den Eltern und die Isolation in einer Religion soll ein Weg der Identitätsfindung sein? Soll das ein Witz sein? Für mich ist das ein kompletter Identitäts- und Realitätsverlust! Die junge Frau und Ihre Eltern tut mir echt leid. Antworten


Fernando Acosta

30.04.2010, 09:43 Uhr
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Bitte hört mal mit diesem Islam-Bashing auf. Wenn eine 17-Jährige auf der Suche nach ihrer Identität ist, ist das doch nichts Neues. Im Übrigen finden die meisten Zwangsheiraten oder Ehrenmorde unter Aleviten statt. Die geben sich ja gerne als die humanen und moderaten Muslime aus. Antworten


Paul Rohner

30.04.2010, 09:04 Uhr
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Wie ich diese seit wochen dauernde Hirnwäsche,mit täglichen Fotos und Beiträgen über den Islam und ihre Gepflogenheiten in den Medien satt habe.Tag für Tag werden wir mit solchen Dingen bombardiert.War auch der Meinung,dass heiraten nach islamischem Recht in der Schweiz ungültig ist.Da wurde uns diese Frau in der Arena als ungeladen vorgestellt,doch konnte diese den Mund dort weit aufreissen. Antworten



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