Bern

«Ich bin parat»

BernAm Tag nach seiner Wahl sagt Alec von Graffenried (GFL), wie er sich die Arbeit im Gemeinderat vorstellt. Das Stapi-Rennen sieht er weiter als offen an.

Alec von Graffenried am Morgen nach den Wahlen im Video-Interview. Video: Florine Schönmann

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Herr von Graffenried, wie fühlen Sie sich nach dieser kurzen und turbulenten Wahlnacht?
Alec von Graffenried: Sehr gut. Die Nacht war tatsächlich kurz. Ich war zwischen 5 und 6 Uhr am Zibelemärit. Wie jedes Jahr.

Wie waren die Reaktionen auf Ihr Glanzresultat?
Viele sagten, sie seien überrascht gewesen. Das war ich ja auch. Und alle, die mich angesprochen haben, hatten Freude. Und die anderen haben wahrscheinlich einfach nichts zu mir gesagt.

Ist Ihr gutes Resultat auch ein Stück weit auf den «Neuenbonus» zurückzuführen, wie Ursula Wyss Sonntagabend sagte?
Diesen Bonus hat man wohl tatsächlich. Als Neuer kann man noch nicht viel falsch gemacht haben, weil man ja noch nichts gemacht hat. Dafür sind die Erwartungen an einen Neuen entsprechend hoch. Und irgendwann merken alle, dass es weiterhin regnet und YB noch immer nicht Meister ist.

Wir führen dieses Interview an Ihrem Arbeitsplatz bei der Firma Losinger Marazzi. Sind die Umzugskisten in Ihrem Büro schon parat?
Wir haben hier gar keine persönlichen Büros mehr. Aber mein Weggang ist durchaus bereits organisiert. Es galt schliesslich, für dieses mögliche Szenario vorbereitet zu sein. Mein Nachfolger hat bereits angefangen. Aber ich muss nun bis Ende Monat noch kündigen. Und mit meinem Arbeitgeber noch etwas über die Kündigungsfrist reden. Hier wegzugehen, tut auch weh. Ich bin seit neun Jahren hier, und es ist eine tolle Firma.

Aber auf das Unternehmen ­Gemeinderat freuen Sie sich schon?
Selbstverständlich. Etwas Neues fängt an. Darauf freue mich, und ich bin motiviert. Und es wird viel zu tun geben.

Als Stadtpräsident...
Das ist überhaupt nicht klar. Es ist natürlich nach wie vor mein Ziel. Aber entscheiden wird das Volk im zweiten Wahlgang am 15. Januar.

Wie steigen Sie in diesen zweiten Stapi-Wahlkampf?
Ich bin parat. Eine Rolle spielt sicher, wie sich die anderen RGM-Partner entscheiden und aufstellen. Was ich schon jetzt sicher sagen kann, ist, dass wir weiterhin fair und respektvoll miteinander umgehen werden. Es ist nicht nötig, dass wir nun auf Konfrontationskurs gehen.

Im Gemeinderat hat RGM mit vier Sitzen die Übermacht. Was bedeutet das für Sie?
Das ist eine riesige Verpflichtung und eine Verantwortung. Wir sind überrepräsentiert. Wir müssen auch Verantwortung übernehmen für die Anliegen von Bürgerinnen und Bürgern, die uns nicht gewählt haben. Das wird nicht einfach sein. Aber es ist mein persönliches Ziel, diese Verantwortung wahrzunehmen.

Alle bürgerlichen Hoffnungen ruhen nun quasi auf Ihnen – einem Vertreter von Rot-Grün-Mitte. Das ist doch eine etwas spezielle Situation.
Ich finde das nicht so speziell. Genau die gleiche Situation habe ich schon erlebt, als ich Regierungsstatthalter geworden bin. Ich habe mich nach Kräften bemüht, ein Regierungsstatthalter für alle zu sein. Diese ausgleichende Art will ich auch in den Gemeinderat einbringen.

Ihre drei Bündnispartner hätten natürlich bei Bedarf auch ohne Sie eine Mehrheit bei Gemeinderatsentscheidungen.
Das ist so. Aber ich denke, Parteipolitik spielt in der Regierung keine so grosse Rolle. Wir werden ein gutes Team sein. Davon bin ich überzeugt.

Wird es auch Situationen geben, in denen Sie Mittevertreter Reto Nause näherstehen als Ihren RGM-Partnern?
Das kann sein. Es gibt keine fixen Mehrheiten und Minderheiten im Gemeinderat. Wechselnde Konstellationen sind möglich. Ich bin aber sicher, dass ich gut mit Reto Nause zusammenarbeiten kann. Wir sind zusammen im Vorstand von Bern Tourismus und haben einen guten Draht zueinander. Wir werden sicher im Gemeinderat Geschäft um Geschäft diskutieren. Aber diese Diskussionen bleiben intern. Wir sind eine Kollegialbehörde.

Noch ein Wort zu den Bürgerlichen. Sie sind nicht mehr in der Stadtregierung vertreten.
Die SVP hat sich verspekuliert und ist abgestraft worden. Das Gemeinderatsergebnis der SVP und der Freisinnigen ist identisch mit demjenigen vor vier Jahren. Gemeinsam hätten sie einen Sitz auf sicher gehabt. Aber was soll ich sagen: Dafür ist nicht RGM verantwortlich. Die Bürgerlichen müssen selber die Konsequenzen ziehen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 28.11.2016, 14:08 Uhr

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