Hotellerieverband verärgert über private Anbieter

Bern270 Private vermieten in und um Bern ihre Wohnungen auf der Onlineplattform von Airbnb an Touristen. Bern Tourismus freuts, Hotellerie Suisse beobachtet den Trend mit Besorgnis.

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«Der Aufenthalt in dieser traumhaft schönen Wohnung ist einfach perfekt. Danke für deine Gastfreundschaft», schreibt Annette aus Stuttgart. Sie übernachtete an der Gerechtigkeitsgasse mitten in der Berner Altstadt in einer Privatwohnung und hat den Gastgeber danach bewertet. Er ist einer von 270 Privaten in und um Bern, die ihre Wohnung auf der Plattform www.airbnb.ch fremden Leuten aus aller Welt zur Verfügung stellen.

Die privaten Zimmer kosten je nach Standard, Lage und Exklusivität zwischen 10 und 175 Franken pro Nacht. In 34'000 Städten in 192 Ländern auf der ganzen Welt sind Wohnungen, Häuser oder gar Schlösser im Angebot. Airbnb, 2008 gegründet, wächst rasant: Heute übernachten weltweit schon rund vier Millionen Gäste in von Privaten vermieteten Zimmern (siehe Grafik).

Bei Airbnb intervenieren

Gar keine Freude am neuen Trend hat die Hotellerie. Am letzten Freitag war deshalb Airbnb an einer Sitzung des Schweizer Hotellerieverbandes Hotellerie Suisse ein grosses Thema. Der Verband hat nichts gegen Konkurrenz, «wir müssen für alle neuen touristischen Formen offen sein», sagt Beatrice Imboden, Präsidentin des Berner Verbandes Hotellerie Bern+Mittelland. «Was wir aber nicht akzeptieren, ist die rechtliche Ungleichbehandlung.» Es gehe nicht an, dass die Hotels zahlreiche Gebühren und Taxen bezahlen sowie Gesetze einhalten müssten, während Private einfach in ihre eigene Kasse wirtschaften dürften. An der Sitzung wurde beschlossen, dass der Dachverband Hotellerie Suisse das Thema aufgreifen und intervenieren müsse.

Zu klären sei zum Beispiel, ob Private ihre Wohnung überhaupt untervermieten dürften. Wer haftet in Schadenfällen? Wie steht es mit der Einhaltung von Hygienevorschriften? Bezahlen private Anbieter die Mehrwertsteuer? Werden die strengen Brandschutzvorschriften eingehalten? Auch kantonales Recht ist tangiert: Müssen Private einen Meldeschein ausfüllen? Wie wird die neue «Nutzungsart» im Gastgewerbegesetz geregelt? Wer bezahlt die Kurtaxe?

Dazu heisst es auf schriftliche Anfrage bei Airbnb bloss: «Wir weisen unsere Gastgeber darauf hin, sich mit lokalen Gesetzen vertraut zu machen, bevor sie ihre Unterkunft anbieten.»

Gleich lange Spiesse für alle

Eine Intervention in der amerikanischen Zentrale von Airbnb dürfte nicht einfach sein. «Wir wollen Airbnb nicht behindern», sagt Manuel Staub, Leiter Kommunikation von Hotellerie Suisse. Verschiedene Beherbergungsformen würden das Angebot des Schweizer Tourismus bereichern und Besucher anziehen, welche wiederkommen und später vielleicht in einem Hotel übernachten. «Wenn diese Angebote aber kommerzielle Formen annehmen, fordern wir gleich lange Spiesse, etwa mittels klarer Qualitätsrichtlinien.» Hotellerie Suisse stehe deshalb im Hinblick auf die verschiedenen zu klärenden Fragen mit den betroffenen regionalen Hotelverbänden wie etwa Hotellerie Bern+Mittelland und mit den Behörden in Kontakt.

Wie gross die Ausfälle wegen Airbnb sind, kann Hotellerie Suisse nicht beziffern, Zahlen liegen nicht vor. Zwar ziehe Airbnb vor allem ein jüngeres Publikum an, «wir stellen aber fest, dass zunehmend auch Geschäftsreisende auf diese Angebote ausweichen», sagt Staub. «Hält dieser Trend weiter an, ist die Hotellerie unmittelbar betroffen.»

Bei Airbnb intervenieren

Besser kommt das Angebot bei Bern Tourismus an, zumal der Direktor Markus Lergier schon seit längerer Zeit einen Mangel an Hotelbetten in Bern beklagt. «Es gab und gibt immer wieder Kapazitätsengpässe», sagte Lergier im Januar zu dieser Zeitung. «Wir bräuchten in Bern dringend 500 bis 600 zusätzliche Hotelbetten.» Diesen Mangel kann Airbnb zwar nicht beheben, springt aber zumindest für hauptsächlich junge Individualtouristen in die Bresche. «Airbnb ist ein ergänzendes Angebot», sagt Isabel Furrer, Sprecherin von Bern Tourismus. Eine grosse Konkurrenz für Hotels sieht Furrer nicht. «Airbnb zielt nicht auf die gleichen Kunden.» In einem Hotel hätten die Touristen anders als in einer Privatwohnung einen Rundumservice. «Wir freuen uns aber, dass Bern auf dieser weltweit etablierten Plattform gut vertreten ist.»

Bern Tourismus arbeitet zwar nicht mit Airbnb zusammen, klar sei aber, dass dieses Angebot mehr junge Gäste nach Bern locken könne und damit auch Wertschöpfung für Bern bringe. «Wichtig ist jedoch, dass sich auch die privaten Anbieter an die Pflichten und die Gesetze halten», betont Furrer. (Berner Zeitung)

(Erstellt: 01.10.2013, 09:08 Uhr)

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Im letzten September hat ein Zürcher, der in Bern Wochenaufenthalter war, seine 2-Zimmer-Wohnung beim Zytglogge bei Airbnb ausgeschrieben. Im Februar erhielt er die Kündigung. Begründung: Er habe die Wohnung wiederholt untervermietet, ohne den Hauseigentümer informiert zu haben, wie der «Tages-Anzeiger» gestern berichtete. Die Wohnung kostete 1300 Franken, für den Mieter also 45 Franken pro Nacht. Die Besucher bezahlten aber 100 Franken pro Nacht. Das entspricht einem Zuschlag von mehr als 200 Prozent. Laut Bundesgericht wäre aber nur ein Zuschlag von 20 Prozent, hier also 9 Franken, legitim.

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