Heute werfen sie wieder mit Eiern
Von Lea Stuber, Katharina Merkle. Aktualisiert am 31.10.2011 11 Kommentare
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Für ihn gehört Eierwerfen einfach zu Halloween, genauso wie die vielen Süssigkeiten und die Verkleidungen. Wohl sogar noch mehr. Der 15-jährige Polymechaniker aus Steffisburg* wird auch heute Nacht wieder mit Kollegen um die Häuser ziehen und hie und da eines mit rohen Eiern bewerfen. Aber nicht nur Wände anderer werden beschmutzt: «Auch bei mir zu Hause haben Kollegen schon Eier geworfen, als Vergeltungsschlag sozusagen», erzählt der 15-Jährige, der seinen Namen nicht nennen will. Wie es scheint, gehört der Lehrling zu den Profis in Sachen Eierwerfen: «Fast bei allen, die ich kenne, habe ich schon Eier an die Fassade geworfen.» Böse sei das aber nie gemeint: «Das ist bei uns untereinander eine Art Witz.»
Auch ein 18-jähriger Thuner und seine Clique haben schon Eier geworfen. «Wir sind aber provoziert worden», entschuldigt er sich. Nachbarn hätten sie mit einem Kübel Wasser empfangen. Mit den Eiern wehrten sie sich.
Besonders oft sind Schulhäuser Ziel von Eier werfenden Jugendlichen. Auch der 16-jährige Schüler aus Köniz bewarf schon die Fassade seines Schulhauses. «Aber das war früher, als ich etwa 13 war», distanziert er sich von der «nicht so tollen» Aktion. Zusammen mit Kollegen und einem Karton Budget-Eiern aus der Migros machte er sich damals zum Schulhaus auf. «Am Anfang getraute sich niemand richtig. Doch wir stachelten uns gegenseitig an», erzählt der Könizer, der sich als Mitläufer der nächtlichen Tat betrachtet. Schliesslich wurde gewettet. Wer eine Wette verlor, musste ein Ei werfen.
Nicht überall aber werden an Halloween Hauswände verschmutzt. «Bei uns im Emmental feiern wir Halloween nicht wirklich», erklärt Nicole aus Schlosswil. Die 16-Jährige hat noch nie mit Eiern geworfen. In ihrer Umgebung ist es auch nicht üblich, dass sich Jugendliche am 31.Oktober verkleiden und auf die Suche nach Süssigkeiten gehen. Ihre Schulkollegin Leila aus Muri kennt die neue Tradition des Eierwerfens auch nur von andern. Sie selber würde das nie machen, beteuert sie: «Das ist doch grusig. Wer putzt das dann wieder?»
Weniger tragisch sieht es eine 15-jährige Kaminfegerin aus Sumiswald: «Es passiert ja nur einmal im Jahr.» Schlimmer wäre es, wenn etwas kaputtginge, glaubt sie. Rückblickend würde die 21-jährige Julia keine Fassaden mehr verschandeln: «Es ist kindisch, aber damals machte es Spass.» Derselben Meinung ist ein 20-jähriger Automechaniker aus Zollikofen: «Solchen Blödsinn macht man nur bis zu einem gewissen Alter.»
Eierabsatz steigt kaum an
Die Halloween-Vandalen kurbeln den Eierverkauf an. Die Oktoberstatistik von Migros und Coop schnellt dennoch nicht merklich nach oben, wie die beiden Grossverteiler versichern. Die saisonalen Spitzen beim Eierverkauf stellen die Supermärkte immer noch an Ostern sowie in der Weihnachtszeit, wenn viel gebacken wird, fest. In den USA hat Halloween einen viel grösseren Stellenwert als hierzulande. Dort reagieren Lebensmittelläden auf den Vandalismus: Viele verkaufen Kindern und Jugendlichen zu dieser Jahreszeit gar keine Eier.
*Name der Redaktion bekannt (Berner Zeitung)
Erstellt: 31.10.2011, 06:31 Uhr
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