Bern

«Habe befürchtet, dass man die Sanierung missbraucht»

BernNächste Woche stimmt das Stadtparlament über die umstrittene Vorlage zur Sanierung des Stadttheaters ab. Stephan Märki, Direktor von Konzert Theater Bern, über die Mängel des Sanierungsprojekts und die schwierigen Perspektiven der Institution.

Eine verworrene Situation: Stephan Märki,?Intendant von Konzert Theater Bern, gestern beim Gespräch in seinem Büro. Die Sanierung des Publikumsbereichs und der technischen Anlagen sei für das Theater «existenziell», sagt Märki.

Eine verworrene Situation: Stephan Märki,?Intendant von Konzert Theater Bern, gestern beim Gespräch in seinem Büro. Die Sanierung des Publikumsbereichs und der technischen Anlagen sei für das Theater «existenziell», sagt Märki. Bild: Andreas Blatter

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Herr Märki, sind Sie nervös?
Stephan Märki: Natürlich. Heute ist das Theaterfest mit dem Open-Air-Konzert auf dem Bundesplatz, die Wetterprognosen sind fifty-fifty

Ich meinte die Stadtratsdebatte nächsten Donnerstag zur Sanierung des Stadttheaters. Die Vorlage droht zu kippen.
Ich arbeite in den Gremien zwar intensiv mit, aber es geht hier um einen politischen Prozess. Die politische Bewertung des Projekts ist Sache der Stadt und unseres Stiftungsratspräsidenten.

Als Sie in Bern angetreten sind, haben Sie gesagt, das Theater soll wieder «zum Stadtgespräch» werden. Nun ist das Theater Stadtgespräch – wegen der Sanierung. Ärgert Sie das?
Ja, das ärgert mich. Aber das war leider zu erwarten. Ich habe befürchtet, dass die Sanierung zur prinzipiellen Diskussion missbraucht wird, ob es überhaupt ein Stadttheater braucht. Für mich ist klar: Zum Stolz, eine Stadt zu sein, gehört auch der Stolz, ein Theater zu haben. Und wenn man ein Theater will, muss man auch einen funktionierenden Hauptspielort dafür haben.

Das ist soweit unbestritten. Tatsache ist aber, dass das Sanierungsprojekt mangelhaft aufgegleist worden ist.
In welchem Punkt?

In vielen Punkten, die Sie selber kennen. Das ursprüngliche Projekt wurde gestoppt, weil es untauglich war. Zuletzt ist unter Hochdruck daran gearbeitet worden, dass die Sache nicht aus dem Ruder läuft.
Ich kann nur sagen: Gemessen an den finanziellen Möglichkeiten, die die Hauptstadtregion hat, ist es ein gutes Projekt. Und soweit ich sehe, wird alles dafür getan, dass dieser zeitlich und politisch ehrgeizige Prozess zu einem guten Resultat geführt wird. Man muss sehen: Das Sanierungsprojekt ist sehr komplex. Und im politischen Prozess reden viele mit. Dass das nicht ohne Probleme geht, ist völlig klar. Mich hat eher erstaunt, dass es so lange relativ ruhig geblieben ist.

Das Ingenieurbüro Emch+Berger hat in einem Bericht diverse Mängel festgehalten. Die haben Ihnen nicht zu denken gegeben?
Was verstehen Sie unter Mängel? Es gibt einfach Probleme, die man lösen muss.

Zu einem fortgeschrittenen Zeitpunkt wurde festgestellt, dass ein «Gesamtplaner» für das Projekt fehlt. Finden Sie das normal?
Hören Sie, im Prinzip will ich diesen Bericht nicht kommentieren. Nur so viel: Ich verstehe bis heute nicht, wo genau hier das Problem liegt. Wie kann ein Büro, das die «Gesamtprojektleitung» innehat zum Schluss kommen, es fehle ein «Gesamtplaner»? Das ist für mich ein und dasselbe. Für mich klingt das eher nach einem Kommunikationsproblem.

Im Bericht werden auch andere Mängel benannt: die knappen Reserven etwa, der allzu enge Zeitplan...
Ich weiss nicht, ob der Zeitplan zu eng ist. Aber natürlich ist er ehrgeizig. Für uns als Führungscrew ist dieses Projekt insofern ein Handicap, als es sich genau mit unserer ersten Vertragslaufzeit deckt. Wir wollen und müssen für einen Aufbruch sorgen und Publikum generieren. Zugleich wird die Spielplangestaltung durch das Sanierungsprojekt enorm erschwert.

Mit welchen Einnahmenverlusten rechnen Sie?
Das ist im Voraus sehr schwer zu sagen. Wir verhandeln derzeit über eine Mietzinsreduktion für die beiden Sanierungsjahre. Aber ob die Ausfälle wirklich kompensiert werden können, ist offen. Klar ist: die Aussenspielstätten, mit denen wir jetzt verhandeln

Also etwa das Schlachthaus-Theater, das Münster oder die Grosse Halle der Reitschule...
...werden für uns eine grosse Herausforderung sein, gerade auch künstlerisch.

Und finanziell?
Es fallen unter anderem Kosten an durch die Miete und die fehlende Infrastruktur. Wir hoffen, dass wir das kompensieren können, wirtschaftlich sind wir gut aufgestellt, wir haben auch die vergangene Saison finanziell positiv abgeschlossen. Trotzdem, wir sind Tag für Tag am Rechnen.

Und die finanzielle Stabilität ist mittelfristig nicht gesichert. Mit Blick auf die neue Subventionsperiode 2016–2019 dürfte die Institution gehörig unter Druck kommen. Wie blicken Sie den Spardebatten entgegen?
Es ist eines der Problem dieser Stadt, dass sie sich ständig mit Zürich und Basel vergleicht, obwohl die Parameter völlig andere sind. Wenn man nur die künstlerischen Etats anschaut, haben wir vielleicht die Hälfte von Basel, von Zürich müssen wir gar nicht sprechen. Wir sind schon am untersten Limit. Wenn man diesen Status quo auch noch infrage stellt...

...dann wird man wieder diskutieren müssen, ob man sich alle Sparten leisten will.
Aber das wäre dann nicht mehr meine Diskussion. Eine Sparte wegzusparen, ist mit mir nicht zu machen.

Beim Sanierungsprojekt wird man aber sehr wohl weitere Abstriche machen müssen. Wo liegt für Sie die Schmerzgrenze?
Wenn Sie einmal eine Führung durchs Haus gemacht haben, dann sehen Sie, dass es keine Luxussanierung ist. Was unbedingt sein muss, ist die Technik. Das ist der Teil, den wir bei der Sanierung entscheidend mitbestimmen. Dieser Teil ist für nächsten Sommer vorgesehen, und die Vorplanung dafür läuft ziemlich reibungslos.

Was ist mit dem Publikumsbereich?
Was den Sitzkomfort und die Toiletten betrifft, sind die Mängel offensichtlich. Die Sanierung dieses Bereich ist – neben den technischen Anlagen – für uns existenziell.

Am Siegerprojekt für den Publikumsbereich hatten Sie allerdings keine Freude.
Woher wollen Sie das wissen?

Das ist ein offenes Geheimnis.
Ich schaue immer nach vorne, nicht zurück. Wir arbeiten derzeit sehr gut mit dem gewählten Architekten zusammen.

Was ist, wenn die Sanierungsvorlage politisch bachab geht?
Ich war 30 Jahre im Ausland und immer stolz auf die demokratische Legitimierung von Kulturinstitutionen. Dass man für ein Theater abstimmt, auch wenn man selber vielleicht nicht hingeht. In Bern hat das Theater bei der letzten Abstimmung vor zwei Jahren eine grosse Mehrheit erhalten. Und daran glaube ich auch in diesem Fall. Etwas anderes will ich mir nicht ausdenken. (Berner Zeitung)

Erstellt: 24.08.2013, 11:36 Uhr

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