Gurnigel-Bergrennen feierte 100-Jahr-Jubiläum

Von Ursula Grütter. Aktualisiert am 06.09.2010

Das Gurnigel-Bergrennen stand im Zeichen seines 100-jährigen Bestehens. Liebhaber fuhren ihre nostalgischen Rennwagen aus. Der Nofler Daniel Hadorn tauschte den schnellen Schlitten gegen einen schmucken Oldtimer.

1/17 Gruppe E2 SS über 2000 ccm Marcel Steiner Equipe Bernoise.
Bild: Christian Pfander

   

Daniel Hadorn muss erst eifrig kurbeln, bevor er den 104-jährigen Renault AX
starten kann. (Bild: Christian Pfander)

20'000 wollten Autos sehen

Am diesjährigen Gurnigel-Bergrennen starteten 240 Autofahrer mit ihren Rennwagen. Zu ihnen gesellten sich 40 Motorradfahrer mit historischen Fahrzeugen und über 20 Oldtimer-wagen.

Laut Pressesprecher Jürg Kaufmann besuchten über 20'000 Zuschauer den Anlass im Gantrischgebiet. Die Veranstalter rechnen mit einem satten Gewinn. Damit sei das Weiterbestehen des Bergrennens gesichert.

Wird es Marcel Steiner schaffen? Diese Frage stellen sich am Sonntag viele Fans am Gurnigel-Bergrennen. Der Osella-FA-30-Pilot gilt als Favorit. Doch die Rennfahrer stellen sich noch eine andere Frage: Wird es Daniel Hadorn auch schaffen? Dass er ganz vorne mithalten kann, hat der Rennfahrer mit 14 Schweizer-Meister-Titeln längst bewiesen. Doch dieses Mal sitzt er hinter dem Steuer eines ganz besonderen Gefährts: Der Nofler hat den Renault AX seines Vaters aus der Garage geholt. Dieses Vehikel ist schon 104-jährig. «Etwas Fachkenntnisse beim Fahren braucht es schon», sagt Hadorn. Ohne Zwischengas und Zwischenkuppeln gehe es nicht, und wer einen Anlasser suche, der suche vergeblich. «Zuerst muss der Benzinhahn geöffnet werden, und dann wird der Wagen vorne mit der Handkurbel angeschoben», erklärt Hadorn.

Die Details fallen auf

Wer es schafft, das Auto in Gang zu bringen, wird mit einem besonderen Fahrgefühl belohnt. Der Blick fällt durch ein messingumrahmtes Fenster. Seitlich ist die Autokutsche offen, und ein hölzerner Boden bietet Halt für die Füsse. Es sind auch Details, die auffallen. So ist beim Beifahrersitz sogar ein Schirmständer angebracht, Karbidlampen zieren das Auto. Die nachträglich eingebauten Richtungszeiger und der Stromanschluss für weitere Lichtquellen – beides heute gesetzlich vorgeschrieben – sind diskret platziert. «Mein Vater hat diesen Oldtimerwagen 1971 aus einer Importlieferung von Holland gekauft und restauriert», so Hadorn. Ersatzteile seien keine mehr erhältlich. Wenn was kaputtgehe, müsse es in Handarbeit nachgebaut werden. Heute präsentiert sich das Auto in Topform.

Kulisse statt Kick

Vor dem Start wirft Hadorn einen prüfenden Blick auf das Ölkästchen. Das Motorenöl fliesst durch Röhrchen, die vom Fahrersitz aus kontrolliert werden können. Dann tuckert Hadorn los. Die Menge winkt ihm zu, und der Renault AX avanciert sofort zum Publikumsliebling. Fotoapparate werden gezückt. «Klar wäre ich auch gerne mit meinem Rennwagen an unserem Hausberg gestartet», gesteht der Autoliebhaber. Aber heute bleibe der Kick halt weg. Dafür könne er unterwegs dem Publikum zuwinken.

Dem Rennen folgt der Stau

Auch weitere Fahrer gehen die Rennstrecke etwas gemütlicher an. Über zwanzig alte Strassen- und Rennwagen tuckern die Passstrasse rauf.

Darunter der Brabham BT 38, mit dem Fredy Amweg aus Ammerswil 1972 zum Sieg fuhr, und der Fiat Abarth TCR von Manfred Schüpbach aus Kirchdorf. Die Wagen wurden immer wieder den neusten Standards angepasst und flitzen noch heute rasant den Gurnigel hoch. Etwas langsamer kommen die Zuschauer auf ihrer Rückreise vorwärts. Kilometerlange Staus gehören zum Bergrennen wie das Aufheulen der Rennmotoren.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 06.09.2010, 07:38 Uhr

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