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Gründe für Alkohol in Bahnhof-Shops

Das Lebensmittelgeschäft Aperto im Berner Bahnhof hat über Jahre alkoholische Getränke an Jugendliche verkauft. SBB-Mediensprecher Roland Marti erklärt, weshalb Bahnhof-Shops überhaupt Alkohol im Sortiment haben.

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Roman Marti, die Aperto-Filiale auf SBB-Boden im Bahnhof Bern hat seit Jahren Alkohol an Jugendliche verkauft. Was halten Sie davon? Roman Marti: Wie jedes andere Unternehmen müssen sich auch unsere Mieterinnen und Mieter an geltende Bestimmungen und Gesetze halten. Wer dies nicht macht, muss mit entsprechenden Konsequenzen rechnen.

Gibts es auch Konsequenzen seitens der SBB? Wie weit darf ein Geschäft gehen, bis der Vertrag gekündigt wird? Selbstverständlich gibt es Grenzen. Wir setzen jedoch in einem ersten Schritt auf Gespräche und den gesunden Menschenverstand. Eine solch gute Lage wie in einem Bahnhof setzt niemand leichtfertig aufs Spiel.

Schaden die Verstösse der Aperto-Filiale dem Image der SBB? Wir haben vieles unternommen, um Alkoholmissbrauch in den Bahnhöfen zu bekämpfen. Dazu zählen das Verkaufsverbot nach 22 Uhr und verschiedene Sensibilisierungskampagnen. Es ist weder im Interesse der SBB noch im Interesse der Geschäfte, dass es im Bahnhof zu Gelagen kommt.

McDonalds verkauft im Bahnhof an den Wochenenden bis um drei Uhr Morgens Bier über die Gasse. Was sagen Sie dazu? Wir wollen die Eigenverantwortung und Freiheit unserer Kundinnen und Kunden nur dort beschneiden, wo dies auch nötig ist. Deshalb gilt das Alkoholverkaufsverbot nach 22 Uhr nur in Geschäften, die Alkohol günstig und in grossen Mengen verkaufen. In Restaurants und Take-away-Ständen sind nur Einzelgebinde erhältlich, die Preise sind zudem deutlich höher – für viele zu hoch, um sich zu betrinken.

Die Aperto-Filiale wurde mehrmals von den?Berner Behörden verwarnt. Trotzdem verkauften die Angestellten weiterhin Alkohol an Jugendliche. Das muss doch auch der SBB aufgefallen sein. Diesbezügliche Verwarnungen gehen gemäss den gesetzlichen Bestimmungen direkt an den Geschäftsbetreiber und nicht an die SBB. Für uns ist es deshalb schwierig, solche Verstösse zu registrieren.

Aber die Bahnpolizei macht doch auch Patrouillen? Alkoholverkaufskontrollen sind Aufgabe der Gewerbepolizei. Die Patrouillen der Bahnpolizei haben dagegen den Auftrag, im ganzen Bahnhof Präsenz zu markieren und für Ruhe, Ordnung und Sicherheit zu sorgen. Dies ist eine wichtige Aufgabe, die von Kundinnen und Kunden geschätzt wird.

Werden Sie die Aperto-Läden in Zukunft genauer beobachten? Wir bleiben mit den Mieterinnen und Mietern im Gespräch, sind jedoch zuversichtlich, dass im konkreten Fall die Konsequenzen Wirkung zeigen.

Das Aperto-Angebot richtet sich nicht in erster Linie an Bahnfahrer. Der Laden lebt zum grossen Teil von Alkohol-Verkäufen. Jugendliche Spasstrinker versammeln sich jeweils regelrecht vor dem Geschäft. Braucht es solche Shops in den Bahnhöfen überhaupt? Die Läden sind auf die Bedürfnisse der Bahnreisenden ausgerichtet. Viele, die nach einem Ausflug oder einem langen Arbeitstag spät abends im Bahnhof ankommen, wollen noch Lebensmittel einkaufen, oder auch einmal ein Bier oder eine gute Flasche Wein. Die Läden entsprechen also klar den Wünschen unserer Kundinnen und Kunden.

Die Stadt Bern toleriert auf ihrem Hoheitsgebiet im Bahnhof keine Geschäfte, die Alkohol verkaufen. Wäre eine solche Praxis auch für die SBB gangbar? Nein. Wir suchen bewusst einen Mittelweg zwischen Einschränkungen und den persönlichen Freiheiten und der Eigenverantwortung der Kunden. Die grosse Mehrheit der Kundinnen und Kunden kann vernünftig mit Alkohol umgehen. Diese sollen auch künftig am Bahnhof eine schöne Flasche Wein oder ein kühles Bier kaufen können. (Berner Zeitung)


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