Region

Gratis-Essen für Bedürftige

Von Silvia Pfenniger. Aktualisiert am 28.05.2009

In den Küchen und Läden der Hilfswerke werden die Lebensmittel der Berner Tafel mehr denn je geschätzt. In der Stadt und der Region Bern sind täglich vier Lieferwagen unterwegs und bringen Essbares in Heime.

Abliefern: Chauffeur Bernhard Inniger  übergibt Prairie-Mitarbeiterin  Barbara den Salat.

Silvia Pfenniger

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Treffpunkt ist der Hintereingang der Coop Bethlehem. Auf der Rampe stehen zehn mit Früchten, Brot, Gemüse und Salat gefüllte Kisten. Bernhard Inniger, Chauffeur der Schweizer Tafeln, lädt sie in seinen Lieferwagen. Assistiert wird er von Daniela Rondelli Stromsted. Sie ist Geschäftsführerin der Schweizer-Tafeln, dem Projekt, das überschüssige Nahrungsmittel und Lebensmittelspenden von Grossverteilern, Detaillisten und Produzenten einsammelt und an Hilfswerke verteilt.

Für Bernhard Inniger stehen auch bei den Coop-Filialen Bümpliz, Köniz und Belp Kisten bereit. Coop ist zusammen mit Credit Suisse, Schindler Aufzüge und Sika Hauptsponsorin der Schweizer Tafeln, die in Bern im Jahr 2000 als Stiftung «Hoffnung für Menschen in Not» gegründet wurde und inzwischen auch in anderen Städten der Schweiz aktiv ist. Mit 9 Tonnen Lebensmitteln, die pro Tag von 400 Spendenpartnern an 500 Institutionen geliefert werden.

500 Kilo Essen täglich

Gründerin Yvonne Kurzmeyer hat sich von der Geschäftsleitung zurückgezogen, präsidiert aber den Stiftungsrat und setzt sich bei der Suche nach finanziellen Mitteln ein. Diese ist mit der Krise nicht leichter geworden. Eine grosse Hilfe sind im Raum Bern die 14 Tafelloge-Damen, die einen namhaften jährlichen Beitrag zahlen und beim Fundraising aktiv sind, sowie viele Freunde der Tafeln und nicht zuletzt die zahlreichen Spender und Spenderinnen, die jeweils am traditionellen Suppentag im Herbst im Zelt auf dem Bundeshausplatz dabei sind.

«Spenden können wir mehr denn je gebrauchen», sagt dazu Manuel Loeliger, Leiter der Schweizer Tafel Bern-Freiburg. Allein in der Stadt Bern und Agglomeration sind wochentags vier Fahrzeuge unterwegs. Sie liefern im Schnitt täglich 500 Kilogramm Esswaren an 36 verschiedene Hilfswerke: Notunterkünfte, Gassenküchen, Beratungsstellen. 10 Chauffeure, in der Regel zwei pro Fahrzeug, teilen sich ehrenamtlich in die Arbeit. Darunter sind Sozialhilfe-Bezüger und Zivildienst-Absolventen. Manche arbeiten nur ein paar Wochen, andere Jahre lang für die Schweizer Tafeln. Das ist mitunter der Grund, warum Loeliger zwei Chauffeure pro Lieferwagen einteilt.

Bernhard Inniger ist –wie seine Kollegen – ehrenamtlich sechs bis acht Stunden pro Tag unterwegs. Und dies seit vier Jahren. Als er vom Dienst bei der Swisscoy, der Schweizer-Armee-Truppe im Kosovo, heimkehrte, habe er einen Artikel über die Schweizer Tafeln gelesen, erzählt er. «Und ich war von der Idee begeistert.» Inzwischen kennt er die meisten Spender und Abnehmer persönlich, pflegt den guten Kontakt und freut sich mit ihnen, an einem guten Werk beteiligt zu sein. Mit Ruth Hirsiger von der Reformierten Kirchgemeinde, Kurt Gersbach von der Werkstatt Jobbrügg, mit Vera Reichle von La Prairie und Isabel Calvo von der Gassenarbeit Bern, bei denen er auf unserer Tour Halt macht.

Einblick in die Küche

Beim Arbeits- und Integrationsprojekt vom Contact-Netz an der Güterstrasse lockt die Recyclingwerkstatt, ein Zerlegebetrieb für Büro- und Unterhaltungselektronik.

Viel Zeit für Gespräche bleibt allerdings zwischen dem Ein- und Ausladen nicht. Bei «La Prairie» hinter der Dreifaltigkeitskirche reicht der Stop für einen kurzen Blick in die Küche. Essenszeit ist im offenen Haus immer von 12.30 bis 19 Uhr. Kaffee und Brot sind gratis, und für 5 Franken gibt es ein reichhaltiges Essen. Wer nicht bezahlen kann, hilft den ehrenamtlich Frauen bei der Küchenarbeit.

Fleisch als Ausnahme

Die Chauffeure der Schweizer Tafel Bern-Freiburg schalten ihre Mittagspausen oft in der «Felsenau» ein. Das Berner Übergangswohnheim zählt auch zu den Abnehmern. Einen Menüplan gibt es dort nicht. Der Koch und seine Helfer lassen sich täglich überraschen. «Brot, Früchte, Salat und Gemüse bringen wir meistens», erzählt Bernhard Inniger. Wenn das Budget es erlaubt, wird von der Felsenau-Küche auch Fleisch zugekauft. Immerhin werden im Raum Bern die Budgets der Abnehmer im Schnitt pro Tag durch die Hilfe der Schweizer Tafeln mit 3000 Franken entlastet.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 28.05.2009, 08:06 Uhr

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