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Gigi Oeri wirbt mit FCB-Logo auf den Quietschtrams

Von Katharina Merkle. Aktualisiert am 04.04.2011 45 Kommentare

Aus einer Bieridee wird Bierernst. FCB-Präsidentin Gigi Oeri (55) zahlt die neuen Räder der Quietschtrams. An den blau-roten Wagen wird dafür ein FCB-Logo aufgeklebt. Dieser Deal stinkt den YB-Fans gewaltig. Sie rufen zur Kundgebung «Wir lassen uns nicht kaufen!» auf.

Immer schön rein ins FCB-Tram:  Zwei der neun Bähnli sind schon mit dem umstrittenen Logo auf dem Berner Schienennetz unterwegs. Hier machen sie gerade Halt unter dem Baldachin.

Immer schön rein ins FCB-Tram: Zwei der neun Bähnli sind schon mit dem umstrittenen Logo auf dem Berner Schienennetz unterwegs. Hier machen sie gerade Halt unter dem Baldachin.
Bild: Beat Mathys

Gigi Oeri macht in Sachen FCB-Werbung Nägel mit Köpfen. (Bild: Andreas Blatter)

\Ilja Kaenzig ist wohl kaum begeistert von Oeris Vorstoss nach Bern. Der YB-Chef will das FCB-Sponsoring aber nicht kommentieren. (Bild: Andreas Blatter)

Kundgebung

Empörte YB-Fans machen heute ihrem Ärger Luft. Sie rufen auf zu einer Kundgebung im YB-Tenü auf dem Casinoplatz Bern. «Wir lassen uns nicht kaufen!», lautet ihr Kampfspruch.

Der Casinoplatz ist symbolisch für das blau-rote Bähnli: Bis im vergangenen Dezember war dort Endstation, seither verkehrt es als Linie 6 durchgehend zwischen Worb und Fischermätteli. Bis die quietschenden Räder ersetzt sind, fährt die Linie wieder nur bis zum Casinoplatz: vom 4.April bis Dezember. Mit den alten Rädern quietschen die Wagen mit 99 Dezibel um die Kurve, mit den neuen sollen es noch 74 Dezibel sein. Umgerüstet werden die 9 Fahrzeuge von Juli bis November. Bereits vorher werden die FCB-Logos in der RBS-Werkstätte Worblaufen frontal-seitlich auf die Bähnli geklebt, zwei Wagen sind bereits damit unterwegs. Für die neuen Räder wird mit Kosten von 930'000 Franken gerechnet, die aber nun durch die Public-Private-Partnership mit dem FCB für die hiesigen Steuerzahler entfallen.

Kundgebung: heute Freitag, 12 bis 12.30 Uhr, Casinoplatz Bern.

Der Schnitzelbank

Was isch au los in Bärn, dert obe, frogt me sich,
me heert nur schrilli Teen,
s isch eifach fyrchterlich.
Nai, d Red isch dismol nid vom Bundesroot,

es goht ums blaui Bähnli
und sys Rot.
Das Rot, das passt em nid und s kraischt – s tuet in de Ohre weh,
denn ohni s z welle
wirbts so fyr en FCB.

Jetzt muess s in d Wärgstatt,
so kas nimmi under d Lyt,
aber d Farb, die blybt,
es hilft alles Quietsche nytt.

Denn s Oeri Gigi het sich glatt verliebt,
jetzt wird mit em Sponsoring in dHauptstadt expandiert.
Äs zahlt em Tschäppät s neui Rollmaterial,
mit em FCB-Logo dra –
s isch phenomenal!

Jo, mir Basler kenne stolz sy
uff unser gschiid Gigi!
S froggt jetzt scho in Ziiri, wie s dert mit de Drämmli so sigi...

D Wäschpi-Clique, jungi Garde

Viel zu lachen haben die Bebbi jeweils an den «drey scheenschte Dääg». Viel zu lachen haben sie auch in der Super League: Rot-Blau ist Tabellenführer, Gelb-Schwarz bloss Dritter. Und jetzt auch das noch: Die Basler wollen sich an einem Berner Wahrzeichen verewigen. Künftig wird das FCB-Logo das blau-rot gestrichene Quietschtram zieren. Der Grund dafür ist eigentlich erfreulich. FCB-Präsidentin und Milliardärin Gigi Oeri (55) will die neuen Tramräder finanzieren. Sie kosten fast 1 Million Franken (siehe Kasten). Und sie sollen ab Dezember dafür sorgen, dass das ehemalige blaue Bähnli genauso ruhig durch die Stadt kurvt wie die Combino-Trams (wir berichteten). Dafür wird das blau-rote Rollmaterial ein Jahr lang zur Werbefläche für den FCB. So lautet der Deal, der die Kasse von Bernmobil und somit der Berner Steuerzahler erheblich entlastet. Das gab Bernmobil gestern in einem dürren Communiqué bekannt.

Wann genau das Geld von Basel nach Bern fliesst, ist noch offen. Sicher ist: Spätestens ab Fahrplanwechsel im Dezember wird das rot-gelb-blaue Signet das Rollmaterial zieren. Zwei Wagen sind bereits damit unterwegs.

Berner werden dank Basel doppelt entlastet

Ausgerechnet die «drey scheenschte Dääg» waren es, die Gigi Oeri auf die Sponsoringidee brachten. An der Fasnacht im frisch renovierten Traditionslokal «Brauner Mutz» am Barfüsserplatz sass sie im Publikum, als die «Wäschpi-Clique» ihre diesjährigen Schnitzelbänke vortrug. Darunter auch jenen über die armen Berner mit ihrem Quietschtram (siehe Kasten). «Die Verse waren ziemlich frech, doch ich war sofort von der Idee angetan», sagt die FCB-Präsidentin auf Anfrage. Oeri spricht von einer Win-win-Situation: Sie steuert die knappe Million für die neuen Räder bei, die Nächte der Berner werden ruhiger, und der FCB hat endlich auch in der Hauptstadt eine kleine Werbeplattform. Konflikte mit YB-Fans hält sie für unwahrscheinlich: «Schliesslich werden auch ihre Nächte ruhiger, und das Drämmli ist ja ohnehin schon blau-rot», so Gigi Oeri.

FCB-Oeri fackelte nicht lange

Bereits am Tag nach der Basler Fasnacht, am 17.März, nahm Oeri via Sekretär Kontakt auf mit Bernmobil. Gemäss Bernmobil hat der Verwaltungsrat diese Woche grünes Licht für die Imagewerbung gegeben. Die ganze Affäre rund um das Quietschtram kostet die Transportunternehmen Bernmobil und RBS eine ganze Stange Geld. Da sei man nicht zimperlich, wenn einem so unbürokratisch «Hilfe» angeboten werde, begründet Bernmobil, will aber weiter nicht Stellung nehmen. Die Stadtberner würden finanziell und von den viel kritisierten Lärmimmissionen her entlastet, lautet auch hier das Hauptargument.

Vom Erfolg in Bern beflügelt, will Oeri die Schnitzelbankidee nun offenbar auch in Zürich umsetzen. Dort sollen die Verhandlungen gemäss gut unterrichteter Quelle aber harziger laufen. Die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) wollen dies zum jetzigen Zeitpunkt weder dementieren noch bestätigen. Doch die Hürden liegen auf der Hand: Zürich hat schlicht keine blau-roten Trams.

YB-Fans diskutieren angeregt im Forum

Bei YB dürfte der Deal kaum Begeisterung auslösen. Doch die Clubspitze will sich nicht zum blau-roten Vormarsch äussern. «Wir haben andere Probleme und konzentrieren uns lieber aufs Sportliche», richtet YB-Kommunikationschef Albert Staudenmann per SMS aus. Diese Haltung ist für die Fans enttäuschend. Doch das Schweigen ist verständlich. Denn schon am 10. April trifft YB im Stade de Suisse auf den Tabellenführer aus Basel. Da will man im Vorfeld keine unnötig hohen Wellen werfen.

Zu den Fans ist der Deal schon durchgesickert. Im Gegensatz zur YB-Spitze wollen sie die Kröte nicht schlucken. «Was würden die Bebbi sagen, wenn wir ihre Trams gelb-schwarz streichen und unser Logo draufpappen würden», schreibt User Yellowmind auf Facebook. «Dann noch lieber das Quietschen!», macht ein gewisser Mättu seinem Ärger Luft. Und «Brummbär» bringts auf den Punkt: «D Räppli vo de Basler chöi üs gstohle blibe!». Prophetisch war übrigens Bernerzeitung.ch-Leser Hans Müller im Oktober. Damals, als Bernmobil bekannt machte, dass das Blaue Bähnli blau-rot wird, kommentierte er: «Rot-Blau jetzt wird der FC Basel sogar noch im Bernbiet gestützt. Schliifts? Das geht nun wohl gar nicht.»

Anmerkung der Online-Redaktion: Bei diesem Artikel handelt es sich um den Aprilscherz 2011 der Berner Zeitung. (Berner Zeitung)

Erstellt: 01.04.2011, 06:28 Uhr

45

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45 Kommentare

Marco Paga

01.04.2011, 09:43 Uhr
Melden 5 Empfehlung

Schön wärs... Gerade gestern dachte ich, ich könnte doch mal von Basel ein paar FCB-Kleber mitbringen und auf die Drämmli kleben... Muss mein Werk jetzt glaub tatsächlich vollbringen, damit der Aprilscherz wahr wird... Antworten


Peter Gabathuler

01.04.2011, 07:49 Uhr
Melden 4 Empfehlung

Schon erstaunlich, wie weit Bernmobil für ein bisschen Geld geht. Antworten




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