Für das Sonnenkraftwerk war ein Kraftakt nötig
Von Katharina Merkle. Aktualisiert am 29.07.2011 1 Kommentar
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Höfe als Potential
Der Bund unterstützt Produzenten, die Strom aus erneuerbarer Energie erzeugen: Dank der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) können Produzenten ihren Strom zu kostendeckenden Tarifen ans öffentliche Netz abgeben. Für Solarstrom werden etwa 68 Rappen pro Kilowattstunde vergütet – viermal so viel wie bei der Windenergie und der Wasserkraft. Zur erneuerbaren Energie gehören neben Solar-, Wind- und Wasserkraft auch die Biomasse und die Geothermie.
Das Anmeldeverfahren für die KEV begann am 1.Mai 2008. Schon am ersten Anmeldetag war das Jahreskontingent an Fördermitteln für neue Fotovoltaikanlagen ausgeschöpft. Denn nur 5 Prozent der Mittel waren für Solarstrom reserviert. Das Bundesamt für Energie (BFE) verfügte deshalb einen Bescheidstopp für die Fotovoltaik, sodass ab diesem Zeitpunkt über 3000 angemeldete Fotovoltaikanlagen auf eine Warteliste gesetzt werden mussten. Darunter befindet sich auch jene von Familie Gilgen in Oberwangen. Von diesen ersten Bewerbern warten aktuell noch gut 400 auf der Bescheid, insgesamt stehen über 9000 Fotovoltaikanlagen auf der Warteliste. Dank der Revision des Energiegesetzes wird es jetzt möglich, die Liste abzubauen. Sämtliche am 1./2.Mai 2008 angemeldeten Solaranlagen sollen im Verlauf dieses Jahres in die KEV aufgenommen werden.
Von den erneuerbaren Energien könnte ein Drittel mit Solarzellen produziert werden. Mindestens 10 Prozent von diesem Solarstrom stammt heute von Bauernhöfen. Das schätzen Solarverbände. In der Landwirtschaft ist das Potenzial gross. Bauernverband-Direktor Jacques Bourgeois zeigt sich gemäss verschiedenen Medien optimistisch. Mit den richtigen Rahmenbedingungen – dazu gehört auch eine erleichterte Baubewilligung – könnten Land- zu Energiewirten werden. Damit schaffe man neue Einnahmequellen auch in sehr ländlichen Regionen.
Die Kühe haben sich in den Stall verzogen. Die Sonne scheint auf den Oberwangenhubel und das grosse Scheunendach. Diese Energie soll nicht verpuffen. Stefan und Kathrin Gilgen haben sich entschlossen, dort eine Fotovoltaikanlage zu bauen. Bauherren sind sie aber nicht selber: Sie vermieten die Fläche stattdessen an die von Deutschen geführte Firma BZA im Thurgau. Diese baut auf dem Dach für eine halbe Million Franken eine Fotovoltaikanlage. Gilgens Kraftwerk wird 30 Einfamilienhäuser mit Strom versorgen können.
«Profit ist nebensächlich»
Im September soll Baustart sein – endlich. Denn auf der Warteliste für die sogenannte kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) stehen Gilgens bereits seit Mai 2008. Zusammen mit mehreren Tausend anderen Bewerbern muss sich die Bauernfamilie aber gedulden (siehe Kasten). «Schon seit zwei Jahren könnten wir hier Strom produzieren», sagt Stefan Gilgen. Angesichts der Energiekrise findet er die Bürokratie rund um den Bau solcher Anlagen «erstaunlich».
Gilgens sind froh um die Partnerschaft mit der BZA, die ihnen von Bekannten empfohlen wurde. Sie loben die Zusammenarbeit, und um den Papierkram müssen sie sich nicht selber kümmern. Dennoch: «Wir sind patriotisch und hätten lieber eine hiesige Firma berücksichtigt», sagt Kathrin Gilgen. Die BKW hat damals, vor drei Jahren, abgewinkt. Der Stromkonzern konzentrierte sich stattdessen auf das grosse Sonnenkraftwerk auf dem Stade de Suisse Wankdorf. Dieses produziert alleine so viel Strom wie sämtliche Schweizer Anlagen der Firma BZA zusammen.
Während sich Berufskollegen in Deutschland bereits Energiewirte nennen, sehen Gilgens ihr Sonnenkraftwerk nicht mal als ernsthaften Nebenerwerb. «Wir machen das, weil aus unserer Sicht die erneuerbaren Energien unbedingt mehr genutzt werden müssen, nicht wegen des Profits», sagt die Bäuerin. Das Stalldach eigne sich perfekt für die Anlage. Die Einnahmen hängen vom Umsatz ab, Zahlen können Gilgens noch keine nennen.
«Fukushima-Effekt flacht ab»
Gilgens entsprechen nicht dem Bild von Ökos. Sie bewirtschaften einen Milch- und Ackerbaubetrieb nach IP-Norm. Das Ehepaar handelte aber aus Überzeugung und liess sich vom gesunden Menschenverstand leiten: «Wenn wir die Möglichkeit haben, dann produzieren wir doch Strom auf diese Weise», so ihr Motto. Seit Fukushima und dem beschlossenen Atomausstieg stellen Gilgens auch bei anderen Landwirten ein gesteigertes Interesse fest. Viele fragen nach, wie sie ihre Idee umgesetzt haben. Die Bundesgelder für die Solaranlagen sollten jetzt schnell fliessen, sind Gilgens überzeugt – denn: «Der Fukushima-Effekt flacht bereits ab.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 29.07.2011, 13:04 Uhr
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1 Kommentar
Alle Achtung dieser Bauernfamilie,sie sind für viele ein Vorbild. Statt viel oberflächliches Geschwätz wird gehandelt. Aber wo sind nun diejenigen Politiker welche diese Leute wenigstes unterstützen sollten? Sind die vieleicht nicht einmal in der Lage ihren Teil beizutragen? Antworten
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