Fünf Tonnen Konfetti am Zibelemärit

Wenn am Montag am Berner Zibelemärit die grosse Konfetti-Schlacht steigt, haben Baselbieter ihre Hände im Spiel. Den grössten Teil dieser Konfetti liefert die Fortura AG aus Zunzgen. Hergestellt wurden sie in Norditalien.

Eben noch im Lager in Zunzgen, heute in Bern: Verkaufsleiter Hansueli Mumenthaler  bringt Konfetti an den Zibelemärit.

Eben noch im Lager in Zunzgen, heute in Bern: Verkaufsleiter Hansueli Mumenthaler bringt Konfetti an den Zibelemärit. (Bild: Henry Muchenberger)

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Sie sind violett, hellgrün, gelb und orange in allen Nuancen oder leuchtend blau. «Achtung», warnt Stefano Papini, «die Dunkelroten könnten abfärben, wenn es regnet und sie nass sind.» 50 Tonnen Konfetti liegen zurzeit verpackt in 10-Kilo-Säcke bei der Fortura AG im basellandschaftlichen Zunzgen. Noch sind die Lager halb leer. Aber Anfang Februar, vor der Basler Fasnacht, werden die drei grossen Zelte auf dem Firmenareal aus allen Nähten platzen.

20 Lastwagen voll Konfetti

Von den 550 Tonnen Konfetti, die jährlich auf dem Schweizer Markt umgesetzt werden, verkauft die Fortura AG zwischen 300 und 350. Hergestellt werden die bunten Papierpunkte von Familienbetrieben in Norditalien. «Stellen Sie sich einmal vor: Das sind über zwanzig 28-Tönner voller Konfetti, die für uns durch den Gotthard fahren», sagt Co-Geschäftsleiter Papini.

Der Zibelemärit in Bern ist für die Fortura AG ein kleiner Anlass. Mit gerade mal fünf Tonnen Konfetti ist Verkaufsleiter Hansueli Mumenthaler heute nach Bern gereist. Aus zwei Lastwagen beliefert er am Waisenhausplatz die Marktfahrer und Konfettiverkäufer mit Nachschub.

«Eine halbe Wissenschaft»

Die Herstellung von Konfetti ist aufwändiger, als sich das der Laie vorstellt. In der Schweiz produziert nur gerade ein Unternehmen in Glarus selber. Die Fortura AG – Hauptlieferant für den Zibelemärit und die Berner Fasnacht – kauft die Konfetti ein. «Bis jetzt ausschliesslich in Italien – aber China ist als Produzent daran, aufzuholen», sagt Stefano Papini. Noch würden die Asiaten nicht die gewünschte Qualität liefern können. Qualität? Sind Konfetti nicht einfach Papierreste? Papini lacht: «Nein, nein, Konfetti herstellen ist eine halbe Wissenschaft.»

Das verwendete Papier darf nicht zu dünn sein, sonst lösen sich die Konfetti bei Nässe auf und lassen sich nicht mehr werfen. Kartonähnliche Materialien dürfen aber auch nicht zu Konfetti verarbeitet werden. «Dann sind die Kanten zu fest. Das spüren Sie dann, wenn Ihnen einer eine Handvoll solcher Konfetti ins Gesicht wirft.»

«7-fach entstaubt»

Mit dem Ausstanzen der Papierpunkte ist es nicht getan. Würde man die Konfetti so verpacken, wären sie derart staubig, dass eine Konfettischlacht Hustenattacken auslösen würde. Die «Räppli» – wie der Basler sagt – sind «7-fach entstaubt und gelüftet». Nach dem Ausstanzen wurden die Konfetti durch ein Gebläse gewirbelt, um sie vom Staub zu trennen.

Und dann die Farben! Ein Thema für sich. Dass der grösste Teil der Konfetti in Pastelltönen daher kommt, hat einen guten Grund: «Vollfarben wie eben ein leuchtendes Rot färben ab», sagt der Fachmann. In einigen 10-Kilo-Säcken glitzert es silbern. «Solche Konfetti sehen zwar wunderschön aus im Sonnenlicht, sind aber äusserst unpraktisch in der Entsorgung und darum in manchen Städten verboten», erklärt Papini. Normale Papierkonfetti könnten aber kompostiert werden, versichert er.

Basler sind anspruchsvoller

Wer geglaubt hat, man könnte sich nicht länger als ein paar Minuten über Konfetti unterhalten, wird in Gegenwart von Stefano Papini eines besseren belehrt. «Tja, ich bin halt schon seit über 20 Jahren im Geschäft», meint er fast entschuldigend. Müsterchen kennt er viele. Basler Fasnächtler, verrät er, seien anspruchsvolle Kunden. «Wenn die etwa grüne Konfetti wollen, dann geht nicht einfach irgendein Grün. Das muss zu den Kostümen und zum Motto passen.» In Basel, sagt Papini, sei die Fasnacht «halt fast eine Religion».

Mit den Bernern hat ers einfacher. Da darf es auch mal «Multicolor» sein. Solche Konfetti in allen Farben sind in Basel verpönt. Man kann nämlich nicht unterscheiden, ob sie direkt aus der Tüte geworfen oder einfach vom Boden aufgeklaubt wurden. «Darum sind die farbenreinen Konfetti auch teurer.» Zwischen 20 und 25 Franken kostet ein 10-Kilo-Sack. Je nach abgenommener Menge bekomme man natürlich Rabatt, versichert Papini.

Kein lustiges Business

Lustig scheints im Konfetti-Business nicht zuzugehen: Der Preisdruck sei enorm, sagt Papini und seufzt. Und die Qualität müsse er ständig prüfen. «Die Hersteller verarbeiten manchmal Papier, das sich nicht eignet.» Dann reklamiere er.

Violett, hellgrün, gelb («das waren mal italienische Telefonbücher», vermutet Papini) und schwarz («Papier aus Schuhkartons?») – das Lager leuchtet in allen Farben. Mag der Chef Konfetti? Er lacht. «Am liebsten, wenn sie mit den Lastern ausgeliefert werden und das Lager leer ist.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 23.11.2009, 08:29 Uhr

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