Keine Auskunft über Finns Opfer

Der vom Bär Finn verletzte Mann befindet sich nach Angaben der Kantonspolizei Bern im Spital. Die Behörden geben noch immer keine Auskunft über die Umstände, die zum tragischen Vorfall geführt haben.

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Die Leser auf bernerzeitung.ch stellen sich viele noch unbeantwortete Fragen: Wer ist der unbekannte 25-jährige Mann, der sich zu Finn ins Gehege gewagt hat? War der angeblich geistig Behinderte alleine unterwegs oder war er in Begleitung? Bei der Kantonspolizei und den Untersuchungsbehörden herrscht derzeit eisernes Schweigen. Dies aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes, wie die Polizei mitteilt. Zudem wolle man zuerst die Zeugen, die sich gemeldet hatten, befragen. Erst wenn die Befragungen abgeschlossen seien und sich aus all diesen Mosaiksteinen ein Bild ergebe, wolle man informieren, sagte Polizeisprecher Franz Märki auf Anfrage.

Der verletzte Mann befindet sich nach Angaben der Kantonspolizei Bern noch immer im Spital. Der 250 kg schwere Finn, der am Samstag im Berner Bärenpark zur Rettung des Mannes angeschossen worden war, sei inzwischen aufgestanden und zeige grossen Appetit. Er befinde sich nicht mehr in akuter Lebensgefahr, wie Tierpark-Direktor Bernd Schildger sagte. Laut Schildger frass er beispielsweise Birnen, Äpfel, Melonen, Honig, «Zopf» und Fisch. Zudem bewege er sich deutlich aktiver und schneller als am Montag.

Hoffen und Bangen

Das Schicksal von Finn beschäftigt nach wie vor Tausende. Im frühmorgendlichen Pendlerverkehr in der Region Bern war das Drama im Bärenpark auch am Dienstag allgegenwärtiges Gesprächsthema.

In Internetforen und Blogs wurden und werden immer noch zu Hauf Besserungswünsche abgesetzt. Beim Bärenpark gehen hunderte Grüsse, Karten und Präsente, darunter auch Honiggläser, für Finn ein. Der Tierparkdirektor zeigte sich auf Anfrage ob der Sympathiebekundungen sehr gerührt.

Finn kommt auch tatsächlich in den Genuss des Honigs, der für ihn bestimmt ist. «Bei uns gilt: Alles was ihm schmeckt, kriegt er auch», so Schildger.

Indessen wird in der Öffentlichkeit auch heftig über mögliche Sicherheitslücken im neuen Bärenpark und über den auf den Bären abgegebenen Schuss diskutiert.

Während über Finn eine Woge des Mitgefühls schwappt, ist das Verständnis für den geistig Behinderten, der ins Bärengehege eingedrungen war, weniger ausgeprägt spürbar. Hier interessiert in der Öffentlichkeit vor allem die Frage, warum der Mann nicht beaufsichtigt war und ihn niemand zurückhielt.

Ungewisser Heilungsprozess

«Wir sehen im Moment keine akute Lebensgefahr mehr», erklärte der Tierpark-Direktor. Wie die Sache ausgehe, könne aber noch nicht gesagt werden. Das Tier werde nun weiter behandelt und beobachtet. Ob eine Operation nötig oder möglich sei, sei noch nicht bekannt. So sei es bei Kriegsschussverletzungen oftmals am Besten, die Heilung dem Körper zu überlassen.

Welche Verletzungen der Bär erlitten hat, darüber kann laut Schildger bisher nur spekuliert werden. So gehe man davon aus, dass die Kugel die Schultermuskulatur durchschlagen habe. Ob er von einer Rippe aufgehalten worden sei und sich die Partikel in der Umgebung verteilt hätten, sei nicht bekannt. Der Tierpark steht laut eigenen Angaben für allenfalls notwendige und machbare chirurgische Massnahmen in engem Kontakt mit der Universität. Die Tierpflegenden und Tierärzte seien ständig um ihren Patienten und Pflegling bemüht.

Kontroverse um Dienstmunition

Der Bär kämpft seit vergangenem Samstag ums Überleben. Er war von einem Polizisten angeschossen worden, nachdem ein 25-Jähriger in dessen Gehege eingedrungen war. Das Tier verletzte den geistig behinderten Mann. Dieser befindet sich nicht in Lebensgefahr.

Die Berner Kantonspolizei verteidigte inzwischen den umstrittenen Einsatz der leicht deformierenden Dienstmunition. Bei dem Vorfall sei entgegen anders lautenden Behauptungen keine völkerrechtlich geächtete Munition verwendet worden. Die Dienstmunition sei seit 2007 schweizweit eingeführt und auch von den Bundesbehörden als völkerrechtskonform bezeichnet worden. Ein wesentlicher Vorteil der Munition bestehe darin, dass damit die Gefährdung unbeteiligter Personen oder im Einsatz stehender Polizisten entscheidend vermindert werde.

(rue/vh/ap)

Erstellt: 25.11.2009, 07:43 Uhr

27 KOMMENTARE

Sonja Hauser

25.11.2009, 14:37 Uhr

Tierschutz/Auswilderung: Der Bärenpark und andere Zoos versuchen zum Glück, den Tieren ein so artgerechtes Leben wie möglich zu bieten. Ich möchte nicht, dass TierschützerInnen angegriffen werden, weil sie sich für Finn einsetzen. Er ist das wirkliche Opfer der menschlichen Geschichte und Dominanz der Menschen über Tiere. Das Einzige, was nachhaltig etwas bringt: Spendet mehr für den Tierschutz!!!


Sonja Hauser

25.11.2009, 14:28 Uhr

Zum Thema Tierschutz/Auswilderung: TierschützerInnen möchten, dass Tiere in der Wildnis leben können. Nur leider ist das fast nicht umzusetzen, denn Zoos und Tierparks haben eine lange Tradition in der Geschichte d. Menschen. Zootiere und andere an Menschen gewöhnte Tiere wie Finn können gar nicht mehr ausgewildert werden, sie würden in der Natur nicht überleben.


Ingrid Fielding

25.11.2009, 13:01 Uhr

Meiner Meinung nach hat der junge Mann großes Glück gehabt, dass nicht mehr passiert ist. Der Polizist hat schnell und einzig richtig gehandelt um ein Menschenleben zu schützen und zu retten. Auch wenn Gummischrot und Bärenspray Finn vertrieben hätten, so gehören diese Sachen sicherlich nicht zur Grundausstattung der Berner Polizei. Ich freue mich umsomehr, dass Finn auf dem Weg der Besserung ist.


Max Brunner

25.11.2009, 06:20 Uhr

@ Frau Bär: Hätte der Polizist Ihrer Meinung nach vorher nach Hause fahren sollen um das Magazin mit der bärenfreundlichen Munition zu wechseln? Das Leben birgt nun mal Gefahren-ob wir wollen oder nicht.Höhere Zäune,Sprungnetze,mehr Personal am Bärenpark,Bärensprays für die Polizei, hermetische Abriegelung der Bahngeleise damit sich nicht nochmal einer vor den Zug wirft helfen da auch nichts.


tomas rupp

25.11.2009, 05:29 Uhr

ich wundere mich immer wieder über die leute die meinen man hätte doch nicht auf den bären schiessen sollen da der mann ja schuld an allem sei. ich weis das der bär lebt fühlt und auch denkt und wie alles andere ein recht darauf hat zu leben aber der mann hat dieses recht auch und wen dieser polizist nicht so herforragende arbeit geleistet hätte würde jezt höchstens noch einer der beiden leben.


therese huber

25.11.2009, 02:43 Uhr

ich wünsche finn alles gute zur genesung. und es ist zu hoffen dass das nie mehr geschehen wird. p.s das warum und wieso sollten wir uns alle hinterfragen.


Heinz Conrad

25.11.2009, 01:36 Uhr

Ich hoffe, dass es Finn immer besser geht. Der Polizeimann hat krrekt gehandelt. Aber wäre ein Warnschuss nicht auch erfogreich gewesen? H. Conrad


Regula Meier

24.11.2009, 20:06 Uhr

Ein Polizist hat einen Menschen schützen wollen und mit Mitteln gehandelt, die ihm im Augenblick - mehr Zeit war da nicht - zur Verügung standen und effektiv schienen. Zu allem musster er noch auf das Opfer schiessen - nämlich den Bären. Der Mensch hält ihn gefangen und ein Mensch ist in seinen kleinen goldenen Käfig eingedrungen. Wo waren eigentlich die Zeugen, als es zu verhindern galt?


Peter Moser

24.11.2009, 19:18 Uhr

Wie so kann man wissen, dass der Mann geistig behindert ist? Die Polizei konnte ihn bis jetzt nicht befragen.


Ronald Lack

24.11.2009, 17:49 Uhr

Was hat die Polizei zu verbergen? Warum schweigt alles zum Vorfall, irgendwas stimmt da nicht, man kann nicht alles nur mit dem Persönlichkeitsschutz abtun. Wer hat was zu verbergen. Das ganze wird langsam dubios.


Brigitte Schmied

24.11.2009, 17:16 Uhr

Schreiben Sie doch: 25jähriger attakiert Bär. Das würde wohl dem Hergang eher entsprechen. Natürlich ist der ganze Vorfall tragisch, aber der Bär kann wohl wirklich nichts dafür. Und die Polizei hat das gemacht, was dieser Moment forderte, ohne zu lange zu zögern. Basta. Sonst wäre dieser Vorfall wahrscheinlich noch tragischer ausgegangen. Ich halte die Daumen für Finn.


Peter Zurbrügg

24.11.2009, 17:13 Uhr

Diese Pseudo Tierfreunde denken natürlich nicht daran, dass der Bär in dem neuen Park absolut nicht artgerecht gehalten wird. Dem gefiele es garantiert besser in der Weite einer unberührten Natur! 24Mio. sind da wieder mal in den Sand gesetzt worden.....irgendwie typisch für den Beamten Kanton. Und der arme Mann, bekommt nur Vorwürfe und Hass von den ach so lieben "Tierschützern!"


patrick bangerter

24.11.2009, 17:11 Uhr

irgendwie geht beim ganzen vergessen, dass der verletzte mann, ganau gleich wie der bär, auf hilfe angewiesen ist, da offensichtlich dritte über ihre leben bestimmen, der mann aber diese hilfe nicht bekommen hat. ich wünsche ihm von ganzem herzen gute besserung. natürlich bin ich auch froh das es finn wieder besser geht. über die munition noch was zu sagen ist wohl nicht von nöten. schrecklich...


Robert Aeschlimann

24.11.2009, 16:51 Uhr

Es ist ernsthaft zu hoffen ,das der behinderte Mann ,nicht begreift was seinetwegen in den Medien abgeht.Wenn er sieht wie wertlos er sein muss und was er dem Bär angetan hat. Ich möchte nicht in seiner Haut stecken. Vielleicht war das schon vorher so ?Ist er deswegen in den Graben gesprungen?Einmal jemand sein und es ist nicht aufgegangen.Für den Bären schon.Für Ihn sicher nicht!


Ulrich Sieber

24.11.2009, 16:23 Uhr

Man holt die Bären in die Stadt und bietet ihnen ein artgerechtes Zuhause. Kaum verhält sich der Bär artgerecht, wird er abgeknallt. Wo bleibt da die Logik?


Wolfgang Hörer

24.11.2009, 14:48 Uhr

Man hat alles erdenkliche...sachlich und fachmännisch...bestmöglicher Sicherheit...mit professioneller Erfahrung...auf artgerechter Weise...zum Schutz von Mensch und Tier...nach eingehender Prüfung... situationsbedingt...angemessenem Einsatz....kompetend...gezielt...sollte...könnte...wäre...wollte... - die unendliche Geschichte menschlicher Kreativität für Rechtfertigungen ihrer Überlegenheit.


Christoph Rychen

24.11.2009, 14:21 Uhr

Bin froh sind alle Beteiligten inklusive Finn mehr oder weniger wohl auf. Spezieller Dank gilt dem Polizisten, der in dieser sehr dramatischen und hektischen Situation das einzig Richtige getan hat! Hut ab!


Tamara Grüner

24.11.2009, 13:53 Uhr

Ui bin ich froh, dass es Finn wieder besser geht. Da wollten doch die Berner einen möglichst naturnahen Bärenpark und nun, da sie ihn auch tatsächlich haben, erschrecken sie ob der Brutalität, wenn die Natur - oder eben der Bär - zurückschlägt. Weiterhin gute Besserung Finn!!


Soraya Moana

24.11.2009, 13:48 Uhr

Es freut mich sehr, dass es unserem Bären Finn wieder besser geht. Konsequenzen dieses Debakels: Die Betreuer/Verantwortlichen des Verursachers müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Exponierte Stellen wie z.B. bei der Treppe/Mauer müssen mit einem Viehhüter abgesichert werden, so dass auch Erwachsene nicht die Mauer klettern können. Der Bär kann nichts dafür - er hat nur sein Revier verteidigt.


Agnes Haueter

24.11.2009, 13:43 Uhr

Wir sind überglücklich,hoffentlich geht es weiterhin "bergauf " mit dem wunderbaren,vorher vor Gesundheit strotzenden,majestätischen Tier!!! Ein fataler Schuss !!!!??????


Verena Amiri

24.11.2009, 13:39 Uhr

Lieber FINN du bist unser" Bärnerbär", du wirst es schon schaffen alles Gute !!! Verena aus Frankreich


Andrea Bär

24.11.2009, 13:08 Uhr

Die erwähnte deformierende Munitionsart soll durch Aussergefechtsetzen den Abgreifer am Zurückschiessen hindern, sowie Unbeteiligte vor Durchschüssen schützen. Weder das eine noch andere konnte hier der Fall sein. Der Polizist muss im Stand sein, NUR den Bären zu treffen und dass der Bär zurückschiesst ist nur schwer vorstellbar... Was rechtfertigt also die Verwendung dieser Munition im Fall Finn?


ursula zwahlen

24.11.2009, 12:45 Uhr

ich hoffe,dass Finn das Schlimmste überstanden hat und er sich weiter gut und schnell erholt ohne bleibende,körperliche Schäden.Ein besonderes Lob gehört den Pflegern und Tierärzten, die sich liebevoll und aufopfernd um den armen Finn kümmern.Finn wird es schaffen und hoffentlich in Zukunft in Frieden(so weit möglich in Gefangenschaft)sein Leben leben darf.Dass so etwas nie mehr passieren werde...


Dora Röthenmund

24.11.2009, 12:30 Uhr

Grotesk ist, dass nicht der Mensch vor dem Bären geschützt werden muss, sondern der Bär vor dem Menschen. Mein Vorschlag: An exponierten Stellen Viehhüterdrähte zu installieren, das würde die Menschen definitiv abschrecken. Stromschläge von 15'000 Volt oder mehr sind nicht tödlich - sie werden Pferden, Schafen und Kühen zugemutet - sind aber sehr schmerzhaft und die Wirkung ist nachhaltig.


Karl Stauner

24.11.2009, 12:08 Uhr

Als Wiedergutmachung sollte man den Bären, wenn er gesund wird, in seiner natürlichen Heimat versuchen auszuwildern und seine Leidensgenossen in Bern gleich mit. Es ist mir vollkommen schleierhaft, wie sich eine Stadt mit Tierquälerei - nix anderes ist diese unsägliche Tanzbärhaltung - schmücken kann. Auf dieser schiefen Uferböschung fühlen sich vielleicht Hausziegen wohl aber keine Bären!!!


Ginka Schweschal

24.11.2009, 12:01 Uhr

Finn, alles Liebe und gute Besserung aus New York!


Alain Schenk

24.11.2009, 11:57 Uhr

Toll das es Finn wieder besser geht. Damit möchte ich den Pflegern und Tierärzten bedanken für die Tolle Pflege die Finn bekommt.



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