Fans werden erstmals durch «Raubtierkäfig» geschleust
Von Tobias Habegger. Aktualisiert am 09.02.2011 38 Kommentare
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YB und der SCB zählen auf, wie viel Geld sie bereits heute in die Sicherheit in und um ihre Stadien investieren.
Die Young Boys wehren sich gegen den Vorwurf, wonach sie zu wenig Geld für die Sicherheitskosten ausgeben würden: «Pro Saison wenden wir für die Sicherheit im Stadion rund 3 Millionen Franken auf», sagt YB-Pressesprecher Albert Staudenmann. Das sei viel Geld, habe sich aber bezahlt gemacht. «Es gab in den letzten zwei Jahren keine
Ausschreitungen im Stade de Suisse.»
Zusätzlich zu den 60'000 Franken, mit denen sich YB jährlich an den Polizeikosten beteiligt, hat der Klub mit 140'000 Franken den Zaun zwischen dem Stade de Suisse und der S-Bahn-Station Wankdorf finanziert. Staudenmann zählt weitere von YB finanzierte Projekte auf: «Wir haben eine Fanrückhaltezone beim Gästesektor gebaut – damit sich die Fangruppen nach den Spielen nicht begegnen.» Zudem unterstütze YB verschiedene Fanprojekte, produziere für den TV-Screen im Stadion Trailers mit YB-Spielern, die sich von Gewalt, Pyros und Rassismus distanzieren.
Rolf Bachmann, Chief Operation Officer des SCB, betont: «Der SCB investiert über eine Million Franken pro Saison in die Sicherheit.» Damit finanziere der Eishockey-Schweizer-Meister den Sicherheitsdienst in der Postfinance-Arena sowie das Sicherheitspersonal an den Auswärtsspielen. Neben den Abgaben an die Polizeikosten von 60'000 Franken entlöhnt der SCB zwei Teilzeitmitarbeiter im Fanarbeitsbereich sowie ein Mitarbeiter mit Schwergewicht Sicherheit. Zudem organisiert der Klub Sicherheitsmeetings mit dem Verband, und er betreibt eine Videoüberwachung im Stadion.
Stichworte
Mit einem Hochrisikospiel beginnt am Sonntag die Fussballrückrunde in der Stadt Bern. YB empfängt um 16 Uhr den FC Zürich im Wankdorfstadion. Zwischen Anhängern dieser Vereine kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Ausschreitungen.
Erstmals in der Geschichte des Stade de Suisse gelangen die Auswärtsfans durch einen durchgehenden «Raubtierkäfig» (Zitat Reto Nause, Sicherheitsdirektor der Stadt Bern) vom S-Bahnhof-Wankdorf zum Gästesektor des Stadions. Der mobile Zaun wird vor Ankunft des Extrazuges aus Zürich aufgestellt, während der Partie abgebaut und nach dem Schlusspfiff erneut errichtet.
«Dank dieses Zaunes sollen in Zukunft während YB-Spielen weniger Polizisten im Einsatz stehen», sagt der Stadtberner Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP). Denn seit einigen Jahren kämpfen die Behörden gegen die steigenden Sicherheitskosten rund um Sportveranstaltungen an. Diese sind laut des kantonalen Polizeidirektors Hans-Jürg Käser (FDP) «aus dem Ruder gelaufen». Vor sieben Jahren schlugen die Kosten für die öffentliche Sicherheit noch mit 250'000 Franken jährlich zu Buche. Mittlerweile hat sich der Betrag auf dem Niveau von 2,5 Millionen Franken pro Jahr stabilisiert. An SCB-Spielen ist das Polizeiaufgebot gemäss Nause «viel tiefer», als wenn YB spielt.
Polizisten fehlen in der Stadt
Passend zum Rückrundenstart schaltet sich die Berner SP in die Sicherheitsdebatte rund um Sportveranstaltungen ein. In ihren jüngst publizierten Legislaturzielen fordern die Genossen, dass «die Sicherheitskosten von Sportanlässen nicht von der öffentlichen Hand finanziert werden sollen.»
SP-Stadtrat Stefan Jordi konkretisiert: «YB sollte sich mit einem Betrag zwischen 1,8 und 2 Franken pro Zuschauer und Spiel an den Polizeikosten beteiligen.» Das liege in der Grössenordnung des FC Basels. Dieser Klub zahlt pro Zuschauer 1,8 Franken an die Sicherheitskosten. Jordi argumentiert mit dem Verursacherprinzip: «Als Veranstalter der Spiele, die solche Kosten verursachen, stehen die Klubs in der Verantwortung.»
Die Polizeileistungen an YB- und SCB-Spielen sind durch den Ressourcenvertrag abgegolten, der zwischen den Berner Stadtbehörden und der kantonalen Polizeidirektion besteht. «Weil derart viele Ressourcen für Sportveranstaltungen benötigt werden, gibt es beispielsweise weniger Polizeipatrouillen in der Berner Innenstadt», sagt Hans-Jürg Käser.
Problematischer Vertrag
Aktuell bezahlen YB und SCB eine jährlichen Pauschale von je 60'000 Franken an die Polizeikosten. «Dieser Betrag ist – nett ausgedrückt: bescheiden», sagt Stefan Jordi. In der Tat beteiligen sich die Young Boys im Vergleich mit anderen Schweizer Städten marginal an den öffentlichen Sicherheitskosten. Der ehemalige Polizeidirektor Stephan Hügli (FDP) hat den Vertrag mit YB und dem SCB ausgehandelt. «Dieser Vertrag stellt die Stadt Bern vor Probleme», sagt Stefan Jordi. Denn die Laufzeit beträgt fünf Jahre. «Eigentlich müsste man die Kosten vor jeder Saison neu aushandeln, weil niemand weiss, wie sich die Zahlen entwickeln.»
Auch Sicherheitsdirektor Reto Nause bestätigt die Problematik dieses langfristigen Vertrages, den er seinem Vorgänger verdankt. Laut eines Bundesgerichtsentscheides aus dem Frühjahr 2009 dürften die Behörden 80 Prozent der Sicherheitskosten an die verursachenden Sportklubs überwälzen. «Dummerweise haben wir den Vertrag mit YB und dem SCB wenige Monate vor diesem Bundesgerichtsentscheid unterschrieben», sagt Nause. Es gäbe bestimmt juristische Optionen, um den Vertrag anzupassen, sagt Nause. «Doch es geht hier um die Verlässlichkeit unter Vertragspartnern.»
Nause lobt Sportklubs
Reto Nause betont: «Sowohl die Young Boys wie auch der SCB kooperieren gut mit den Sicherheitsbehörden.» Er erwähnt die Zusatzvereinbarung für internationale Spiele, für die YB bereits heute zwei Franken pro Zuschauer dem Staat abgibt. Auch der neue Zaun zwischen Stadion und S-Bahn-Station habe YB selber bezahlt (siehe Kasten).
Hans-Jürg Käser lässt durchblicken, dass sich die Sportklubs seiner Meinung nach stärker an den Sicherheitskosten beteiligen sollten. Allerdings anerkennt auch er «die Anstrengungen, welche YB und SCB zusätzlich leisten» Beide Vereine würden Fanarbeiter finanzieren und beide hätten die Videoüberwachung im Stadion ausgebaut. «Sollten die Polizeikosten dank diesen Massnahmen markant zurückgehen, müsste man die Vereine nicht zusätzlich zur Rechenschaft ziehen.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 09.02.2011, 07:11 Uhr
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38 Kommentare
Herr Nause, es ist nicht YB, das die oft übertriebene Anzahl Polizisten aufbietet, das übernimmt die Polizei selber. Daher ist es auch nicht legitim, dass sich YB mit horrenden 2.- pro Zuschauer an den Kosten beteiligt. Zudem kommt es jährlich nur zu 4 sogenannten Risikospielen, bei FCZ und FCB in Bern. Aber das ist ja bekanntlich nicht das erste mal, dass Herrn Nause der Bezug zur Realität fehlt. Antworten
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