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FKK neben Familien: An der Sense gehts

Von Reto Boschung. Aktualisiert am 06.07.2009

Im Internet präsentiert sich das Sensegebiet sowohl für Familien als auch für Freunde der Freikörperkultur als ideales Ausflugsziel. Wie funktioniert das Nebeneinander zweier unterschiedlicher Zielgruppen in einer Umgebung?

Das Sensetal wird vielseitig genutzt: von naturverbundenen Einzelpersonen und Familien, von Naturschützern und Nudisten.

Iris Andermatt

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«Vorteilhaft gelegen und gut erschlossen.» Mit diesem Motto wirbt die Website des Gemeindeverbandes Region Sense für ebendiese. Auf Internetseiten der FKK-Szene greift man eher zu Superlativen: «Eines der grössten FKK-Gebiete liegt an der Sense», so eine Seite aus der Schweiz. Kein Wunder, dass das Gebiet auch jenseits der Landesgrenzen bekannt ist. Eine Seite aus Österreich beschreibt einen idealen Tag an der Sense wie folgt: «Im Sensegraben kann Mann sich nackt an die Sonne legen und baden. Der Bereich ist schon jahrelang für schwules FKK bekannt. Mann kann auch grillen, da es direkt im Flussbett liegt.» Auf Grund der Angaben im Internet darf also eine nackte und vor allem internationale Männerschar erwartet werden.

Die Eigenwerbung des zitierten Gemeindeverbandes bestätigt sich schnell, die Sense ist in kürzester Zeit erreicht. Die Suche nach dem «weitläufigen und schönen FKK-Gelände», so eine deutsche FKK-Seite, gestaltet sich da schon schwieriger. Längere Zeit führt der Weg vorbei an Familien beim Badespass und Senioren beim Kartenspiel. Soweit präsentiert sich die Sense also eher als gutbürgerliche Idylle denn als internationaler Nacktbadetreffpunkt.

Seit 1983 begeistert

Doch dann lichtet sich der Wald und gibt den Blick frei auf ein kleines FKK-Paradies. In der steinigen Landschaft tummeln sich jedoch nicht die erwarteten Männermassen, sondern vereinzelt Paare jeglicher geschlechtlicher Zusammensetzung und mehrere Einzelpersonen.

In aller Ruhe baden sie im Wasser oder an der Sonne. So auch Ingo Hochbaum, der genau weiss, weshalb es ihn seit 1983 immer wieder an diese Stelle verschlägt: «15 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt bist du plötzlich in der Natur Kanadas», so das Hauptargument des 52-Jährigen. Für ein paar Stunden könne er hier einfach abschalten und die Natur geniessen. «Ein Teil dieses Naturerlebnisses ist sicher auch die Nacktheit», so der Ingenieur. Dass diese Nacktheit nicht von allen gern gesehen wird, scheint für Hochbaum klar. So bewege er sich stets nur in einem gewissen Gebiet, um andere Gäste nicht zu stören. In ebendiesem Gebiet hat er denn auch schon einiges erlebt. In den 1980er-Jahren konnte er im Flussbett noch die Panzerspuren von Armeeübungen bestaunen. Und auch nach den wiederkehrenden Hochwassern war die Landschaft jeweils nicht mehr dieselbe. Doch nicht nur die Natur, auch das Publikum hat sich laut Hochbaum verändert: «Früher gab es noch mehr Familien hier. Heute hat es schon viel mehr Männerpaare, doch das stört mich nicht.» Ohnehin hat der überzeugte Freikörperkulturelle bisher kaum negative Erfahrungen gemacht, weder mit bekleideten noch mit nackten Gästen. «Ich hoffe, das bleibt auch so, denn es ist ein schöner Fleck Natur.»

Gemischte Reaktionen

Dies ist auch für die Besucher der bekleideten Zone völlig klar. Allerdings gehen hier die Meinungen über das angrenzende Nacktbadeparadies auseinander. Ein älterer Herr, welcher mit Hund unterwegs ist, hat durchaus Einwände. «Diese Zurschaustellung kann einen schon aufregen.» Zwei junge Männer, die mit mehreren kleinen Kindern unterwegs sind, stört das Ganze hingegen überhaupt nicht, solange die beiden Zonen voneinander getrennt seien. Das vermeintliche Miteinander ist also viel eher ein Nebeneinander.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 06.07.2009, 11:30 Uhr

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