Esther Wyler berät Whistleblower
Von Peter Steiger. Aktualisiert am 28.09.2011 1 Kommentar
Durch ihren Kampf gegen das Zürcher Sozialamt wurde sie berühmt. Nachdem man sie dort entlassen hatte, fand sie beim Sozialdienst Ostermundigen eine neue Stelle. Aus anderen Gründen klappte es auch hier nicht. Nun will sich Esther Wyler als Beraterin selbstständig machen. Die Juristin möchte Klienten bei Problemen mit Sozialversicherungen unterstützen und Mobbing-Opfern helfen. Diese Themen bearbeiten auch andere Stellen. Ein weiterer Bereich ist jedoch neu – und genau das, was nur sie anzubieten hat: Beratung für Whistleblower, für Leute, die den Dienstweg umgehen, weil sie glauben, dass sich nur so die Situation verbessern lasse.
Ende Juni zog sie von Zollikofen in eine Dreizimmerwohnung in Urtenen-Schönbühl. Hier lebt sie allein mit ihrer 13-jährigen Schäferhündin Valeria. Das Tier hat Probleme mit den Hinterläufen, es lahmt. Esther Wyler ist besorgt. «Wenn Tiere leiden, berührt mich das sehr», sagt sie. «Ich könnte nicht als Tierschützerin arbeiten, ich würde die Beherrschung verlieren.»
«Ich war verzweifelt»
Als Kritikerin des Zürcher Sozialamts hat sie sich zwar beherrscht, aber hart gekämpft. «Mir ging es nicht um einzelne Skandalfälle, sondern um das kranke System», sagt sie. Die 52-Jährige ist eine gute Rednerin. Klar und bestimmt spricht sie und unterstreicht das Gesagte mit markanten Gesten. Das System, der Filz, das sind ihre Themen, zu denen sie immer wieder zurückkehrt.
Sie hat einiges bewirkt. Aber dafür einen hohen Preis bezahlt. Sie verlor ihre Stelle und bekam den Hass des linken Zürcher Establishments zu spüren. «Ich hatte Existenzängste und war verzweifelt.» Es sei hart gewesen, eine Stadt als Feind zu haben. «Aber wenn ich weiss, dass ich recht habe, kusche ich nicht.»
Wer so unbeirrt handelt, beweist Charakter. Wer dann noch einen oder mehrere Zacken zulegt, kann zur Querulantin werden. «Nein, das bin ich nicht», wehrt sie ab. Sie habe in Zürich vor dem Konflikt 17 Jahre lang gut mit Kollegen und Vorgesetzten zusammengearbeitet. Nun ging in Ostermundigen wieder Geschirr zu Bruch. Könnte es sein, dass Sie, Frau Wyler, gerne einen Hammer in der Hand haben? Sie reagiert gelassen auf den Vorwurf: Die Vorfälle in Zürich und Ostermundigen liessen sich nicht vergleichen. Die Zürcher Vorgeschichte habe ihr hier aber sicher geschadet.
«Ich bin nicht pflegeleicht»
Esther Wyler ist mit ihrer Mitstreiterin Margrit Zopfi die bekannteste Whistleblowerin der Schweiz. Sie nütze diese Popularität für den Aufbau ihres Beratungsbüros, geniesse das Rampenlicht aber nicht. Wirklich nicht? Esther Wyler kontert heftiger als sonst und wird dem Journalisten noch spätabends ein ausführliches Mail schicken. Sie habe es satt, dass die Überbringer schlechter Nachrichten als Psychopathen und Wichtigtuer abgestempelt würden und dass man nicht die Verursacher der schlechten Nachrichten unter die Lupe nehme, schreibt sie.
Sie wolle nicht als makelloser weisser Ritter alle Missstände der Welt aufdecken. «Ich bin impulsiv und wirke manchmal verletzend.» Sie sei nicht pflegeleicht. Und Einzelgängerin. «Eine Beziehung ist nichts für mich. Ich verzichte auf Sexualität und könnte ins Kloster.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 28.09.2011, 07:20 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
1 Kommentar
Ich möchte als Mitstreiterin von Esther Wyler Peter Steiger zu diesem stimmigen Artikel gratulieren. Es ist mir in diesem Zusammenhang ein Anliegen, auf das kürzlich erschienene Buch " Störfall im Sozialamt" des Journalisten Alex Baur hinzuweisen, welcher in einem sehr persönlichen Bericht schildert, weshalb Esther Wyler und ich uns an die Öffentlichkeit gewandt haben und bei ihr Schutz fanden. Antworten
Region
Remund führend in Werbetechnik
Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!

Bitte warten




