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«Es führt kein Weg an einer Frau vorbei»

Interview: Jonathan Spirig. Aktualisiert am 13.01.2012 11 Kommentare

Aline Trede, Berner Stadträtin und Vize-Präsidentin der Grünen Schweiz, möchte die Nachfolge von Parteipräsident Ueli Leuenberger antreten. Im Interview erklärt die 28-Jährige, wieso die Zeit für eine junge Parteipräsidentin reif ist.

1/9 Die 28-jährige Bernerin Aline Trede möchte die Nachfolge von Parteipräsident Ueli Leuenberger antreten.
Bild: Keystone

   

Zur Person

Die 28-jährige Aline Trede ist im Berner Weissensteinquartier aufgewachsen und hat Gymnasium Kirchenfeld besucht. Anschliessend studierte sie Umweltwissenschaften an der ETH in Zürich und ist mittlerweile beim VCS als Kampagnenleiterin tätig.

Trede sitzt für die Grünen im Berner Stadtrat und ist seit 2008 Vizepräsidentin der Grünen Schweiz. Sie lebt in einer Beziehung und erwartet im Juni ihr erstes Kind.

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Im April wählen die Grünen den Nachfolger von Parteipräsident Ueli Leuenberger. Wie zu hören war, sollen auch Sie mit diesem Amt liebäugeln.
Aline Trede: Ich werde mir tatsächlich eine Bewerbung offen halten. Allerdings ist noch nicht endgültig entschieden, ob es für mich um den Posten der Präsidentin, Co-Präsidentin oder Vize-Präsidentin geht.

Wovon machen Sie diese Entscheidung abhängig?
Das entscheide nicht nur ich. Wir müssen uns bis Ende Januar einen Überblick verschaffen über die Interessenten und dann die beste Lösung für die Partei suchen. Bin ich nicht Teil dieser Lösung, ist das für mich auch kein Weltuntergang.

Welche Kombinationen wären für Sie persönlich möglich?
Die Waadtländer Nationalrätin Adèle Thorens wäre bereit, das Amt zu übernehmen. Sie ist bis jetzt die einzige welsche Kandidatin, sagt aber offen, dass sie zu wenig gut Deutsch könne, um das alleine zu machen. Ein Co-Präsidium mit ihr könnte ich mir gut vorstellen.

Auch die Berner Gemeinde- und Nationalrätin Regula Rytz soll sich für den Posten interessieren. Stehen sich zwei Berner Kandidatinnen nicht gegenseitig im Weg?
Regula Rytz hat sich noch nicht offiziell entschieden, ob sie kandidiert. Ich persönlich reiche meine Bewerbung bei der Kantonalpartei ein und weiss noch gar nicht, wer tatsächlich nominiert wird. Es gäbe beispielsweise auch die Möglichkeit, dass wir ein Berner Zweierticket vorschlagen. Wer schlussendlich Präsidentin und wer Vize-Präsidentin wird, müsste man noch schauen. Ich glaube einfach, dass bei den Grünen kein Weg an einer Frau vorbeiführt.

Regula Rytz ist Gemeinderätin und neu auch Nationalrätin, Sie sind «nur» im Berner Stadtrat.
Ich bin auf dem ersten Ersatzplatz meiner Partei für den Nationalrat. Falls Parteikollegin Franziska Teuscher für den Berner Gemeinderat kandidiert, die Wahl schafft und sich aus dem Nationalrat zurückzieht, würde ich nachrücken. Wenn ich es nicht in den Nationalrat schaffe, ziehe ich meine Kandidatur für das Präsidium aber wohl zurück.

Mit Bastien Girod stellt sich auch ihr ehemaliger Partner zur Wahl…
Das ist für beide kein Problem, egal ob jemand von uns ab April an der Spitze der Partei steht. Wir arbeiten gut zusammen, sehr gut sogar.

Die Bewerber die bis jetzt bekannt sind, gehören mehrheitlich zu einer neuen Generation der Grünen…
… ja, es ist meiner Meinung nach sehr wichtig, dass ein Generationenwechsel stattfindet. Wir können uns nicht ständig nur beklagen, dass die Jungen in der Politik nichts zu sagen haben und dann den Kopf einziehen, wenn es darum geht, Verantwortung zu übernehmen. Wenn man sich selbst versteckt, holt man auch keine jungen Wähler an die Urnen.

Mit 28 Jahren wären Sie mit Abstand die jüngste Parteipräsidentin. Keine Angst vor der Elefantenrunde?
Ich traue mir das durchaus zu. Ich kenne die Partei sehr gut, bin seit über drei Jahren Vize-Präsidentin und habe genügend Führungserfahrung. Die Grünen könnten mit der Wahl einer jungen Präsidentin zudem ein Zeichen setzen. Es kann doch nicht sein, dass man das ganze Jahr für die Arbeit gelobt wird, die man für die Partei macht und dann, wenn man in Konkurrenz zu einem Älteren steht, plötzlich ermahnt wird, dass man dafür noch zu jung sei.

Bei den Nationalratswahlen wurde der Aufschwung der Grünen trotz Fukushima jäh gebremst. Hat das auch etwas mit den Grünliberalen zu tun?
Ich denke, dass wir unsere Werte zu wenig deutlich kommuniziert haben. Wir sollten keine Angst davor haben, geradlinig zu sein. Ob wir wirklich Wähler an die Grünliberalen verloren haben, wurde noch nicht eindeutig ausgewertet. Ich distanziere mich inhaltlich aber erst von den Grünliberalen, wenn ich herausgefunden habe, was sie genau machen. Sie haben jetzt vier Jahre Zeit um zu zeigen, dass mehr hinter ihren inhaltslosen Floskeln steckt.

Sie arbeitet vier Tage in der Woche als Kampagnenleiterin beim VCS Schweiz, sind Präsidentin von zwei Vereinen, sind seit 2008 Stadträtin in Bern, geben Sportunterricht und im Juni werden Sie zum ersten Mal Mutter. Wäre das Präsidentenamt in dieser Situation nicht fast zu viel für Sie?
Ich sehr hier keine grundsätzlichen Probleme. Natürlich müsste ich schon einige Sachen neu regeln, es ist aber alles eine Frage der Organisation. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.01.2012, 15:00 Uhr

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11 Kommentare

Bernhard Berner

13.01.2012, 15:27 Uhr
Melden 28 Empfehlung

Es ist mir neu, dass einzig die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Geschlecht jemanden befähigt, einem Parteipräsidium vorzustehen. Antworten


Bruno Bänninger

13.01.2012, 19:18 Uhr
Melden 18 Empfehlung

Frau Trede erklärt nicht wieso kein Weg an einer Frau vorbeiführt. Sie versucht aber zu erklären, wieso kein Weg an ihr vorbei führt. Die Führungsfuktionäre der Grünen unterscheiden sich keinen Deut vom Führungspersonal aller anderen Parteien: Sie tun ganz viel für sich selbst, aber nur ganz wenig für Land und Bürger. Antworten



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