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Erpresser fordern Lösegeld für Pferd

Erpresser forderten eine halbe Million Lösegeld für die Stute Donnerfee. Das edle Ross wurde 2004 aus seinem Stall in Kerzers entführt. Wie es scheint, aber nicht von den Erpressern. Das Kreisgericht in Aarberg befasst sich mit dem Fall.

Wieder im Einsatz: Donnerfee zwei Jahre nach ihrer Entführung bei den Pferdesporttagen in Burgdorf.

Wieder im Einsatz: Donnerfee zwei Jahre nach ihrer Entführung bei den Pferdesporttagen in Burgdorf. (Bild: Marcel Bieri)

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Nach Jahren der Brandstiftung überführt

Im Zusammenhang mit den Ermittlungen rund um die Entführung von Donnerfee hat die Polizei noch eine ganz andere Spur gefunden: Ein Teil der Erpresser war im Jahr 2002 offenbar auch an der Brandstiftung und der Verwüstung einer Reithalle und den dazugehörenden Wohnungen in Gampelen beteiligt.

Die Ermittlungen in diesem Fall waren bereits abgeschlossen. Ohne Ergebnis. Lediglich einen Fingerabdruck konnte die Polizei sicherstellen. Derselbe Fingerabdruck tauchte aber zwei Jahre später bei der beschriebenen Erpressung wieder auf. Drei der angeklagten mutmasslichen Erpresser haben ihre Beteiligung an jener Brandstiftung jetzt zugegeben.

Die Reithalle und die Wohnungen war im Juli 2002 noch nicht ganz fertiggestellt, als die Verwüstung stattfand. Mit Benzin, Brandpaste, Gasflaschen, Molotowcocktails, Farbe und Spritzpistolen verursachten die Täter einen Sachschaden in Höhe von einer halben Million Franken.

Für den Geschädigten ist klar, wer dahintersteckt: Es muss der vermeintliche Drahtzieher «Serge» gewesen sein. Also derselbe, von dem auch vermutet wurde, dass er hinter der Entführung des Pferdes stecke.

Der Geschädigte und «Serge» waren ehemalige Geschäftspartner. Die beiden hatten aber gravierende und handgreifliche Auseinandersetzungen. Mit einem Kopfstoss soll der Geschädigte ein Jahr vor der Brandstiftung «Serges» Nase gebrochen haben.

Vor dem Kreisgericht in Aarberg sagte «Serge» gestern, er sei völlig unschuldig. Der Geschädigte habe es auf ihn abgesehen und mache sich einen Spass daraus, ihn anzuschwärzen. Sein Ruf im Reitermilieu habe dadurch stark gelitten.

Auch in diesem Fall wird das Urteil am Freitag, 26.März, verkündet. rah

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Ein entführtes Springpferd, eine halbe Million Franken Lösegeld, Brandstiftung und ein Drahtzieher, der möglicherweise im Hintergrund alle Fäden in der Hand hält. Vor dem Kreisgericht Aarberg-Büren-Erlach müssen sich seit gestern Morgen sieben Angeklagte verantworten. Wer was in wessen Auftrag getan hat und inwieweit die Angeklagten voneinander wussten, das versucht die Justiz in den kommenden zwei Wochen zu klären.

Hauptdarstellerin in diesem Fall, der aus der Feder eines Krimiautors stammen könnte, ist die Stute Donnerfee. Sie wurde am 7.April 2004 aus ihren Stallungen in Kerzers entführt. Das heute 18-jährige Springpferd hat schon Europameistertitel geholt und war laut seiner Besitzerin «das beste Seniorenpferd der Schweiz». Für die Besitzerin folgten sieben Wochen quälender Ungewissheit.

Lösegeld gefordert

Im Reitermilieu hatte sich der Diebstahl von Donnerfee herumgesprochen. Es gab Vermisstmeldungen im Internet. Und da die feudalen finanziellen Verhältnisse der Besitzerin bekannt waren, kam listigen Erpressern eine hinterhältige Idee: Ohne zu wissen, wo sich das Pferd befand, meldeten sie sich bei der Besitzerin und forderten eine halbe Million Franken Lösegeld. Sie drohten damit, dem preisgekrönten Tier etwas anzutun, sollte ihre Forderung nicht erfüllt werden. Auf das Wort der Erpresser wollte sich die Besitzerin aber nicht verlassen. Als Beweis dafür, dass ihre Stute unversehrt sei, verlangte sie von den Erpressern ein Polaroidfoto. Als sie dieses in Händen hielt, war für die Besitzerin eindeutig: Donnerfee ist bei den Erpressern. Schliesslich meldete sie sich bei der Polizei.

Die Geldübergabe wurde für den 21.Mai 2004 im Kanton Neuenburg vereinbart. Doch bereits am 18.Mai tauchte das edle Ross im Perlenhof im luzernischen Buchenrain wieder auf. Eine damals 31-jährige Tierpflegerin hatte den Diebstahl gestanden. Die Tierpflegerin sagte, sie sei so sehr in die Stute vernarrt gewesen, dass sie sie unbedingt selber habe besitzen wollen.

Um die Erpresser zu schnappen, wurde die Übergabe von der Besitzerin nicht abgesagt. Die vermeintlichen Entführer verlangten von ihr, eine Tasche mit dem Geld aus einem Zug zu werfen. Die Gangster hatten einen Punkt neben der Strecke markiert. Die Besitzerin verpasste diesen Übergabepunkt mit Absicht. Sie meldete sich darauf bei den Entführern und sagte, dass sie die Tasche auf dem Rückweg aus dem Fenster werfen würde. Näher kommen die Erpresser dem Geld nicht mehr. Die Polizei kann drei Gangster an Ort und Stelle verhaften.

Kein Zusammenhang

Nach dieser Version besteht keine Verbindung zwischen der Pferdediebin und den mutmasslichen Erpressern. Beim Polaroidfoto, welches die Erpresser der Besitzerin überreichten, soll es sich um eine Fälschung handeln.

Allerdings gibt es doch eine ganze Reihe Ungereimtheiten. So sagte zum Beispiel einer der Angeklagten aus, dass er der Meinung war, ein ihm unbekannter «Serge» habe das Pferd Donnerfee gestohlen. «Serge»: der Deckname des Drahtziehers im Hintergrund, so wurde vermutet. Dieser mögliche Drahtzieher ist im Reitermilieu bekannt. Unbestritten ist, dass seine Tochter und deren Lebensgefährte in die Erpressung involviert sind. Übrigens: Die Stute Donnerfee hat sich aus dem Spitzensport zurückgezogen und geniesst ihren Ruhestand. (Berner Zeitung)

Erstellt: 16.03.2010, 15:49 Uhr

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