Erneute Abfuhr für die Hochhaus-Gegner
Von Katharina Merkle. Aktualisiert am 16.11.2011 5 Kommentare
Braucht langen Atem: Hans Widmer. (Bild: Christian Pfander)
Der Investor
Hinter dem Projekt in Kleinwabern steckt der Aargauer Maschineningenieur und Ökonom Hans Widmer. Der 71-Jährige will 90 Millionen Franken in die Überbauung investieren. Als Widmer in Wabern den Zuschlag bekam, liess er sich von Architekturkoryphäen beraten. «Es war klar: Das Gewöhnliche interessiert mich nicht», sagte der Aargauer Multimillionär in einem Porträt dieser Zeitung. Als Unternehmer wisse er, wie sich ein Wagnis anfühlt.
Wegen der Beschwerden gegen die Zonenvorschriften braucht Widmer nun tatsächlich einen langen Atem. Bis zum Baustart werden mindestens zwei weitere Jahre ins Land ziehen. «Dass es so lange dauern wird, habe ich nicht geahnt», gibt der Aargauer unumwunden zu, fügt aber an: «Durchhalten heisst die Losung.» Seiner Begeisterung tun die Hindernisse keinen Abbruch – selbst wenn er gewusst hätte, dass dem Projekt ein so steifer Wind entgegenbläst. Er gibt sich überzeugt: «Das Resultat verdient die Geduld.» Als er sich im Sommer 2009 erstmals den Waberern präsentierte, versprach Hans Widmer: «Wenn es gelingt, haben wir hier etwas Gutes für 100 Jahre.»
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54 Prozent der Könizer Stimmberechtigten haben der Zone zugestimmt. Doch fünf Beschwerdeführer – darunter zwei Firmen – wollen das Hochhaus verhindern. Im Frühling haben sie ihre Beschwerde vor Verwaltungsgericht weitergezogen. Nun sagt aber auch diese Instanz: Das 53 Meter hohe Hochhaus darf auf dem Bächtelenacker stehen. Es füge sich gut in das Ortsbild ein. Ob die Beschwerdeführer bis vor Bundesgericht gehen, liessen sie gestern noch offen. Sie wollten den Entscheid nicht kommentieren.
Das Volumen wurde reduziert
Den Hochhauskritikern fehlt der Beweis dafür, dass ein Hochhaus auf dem Bächtelenacker Sinn macht. Gemäss dem regionalen Hochhauskonzept darf an diesem Standort nur dann ein solches Haus gebaut werden, wenn gute Gründe dafür vorliegen. Diese Voraussetzungen seien erfüllt, sagt das Verwaltungsgericht. Der Standort sei sorgfältig geprüft worden, unter anderem mit Testplanungen. Das ursprüngliche Bauvolumen des Hochhauses sei reduziert worden, das Resultat sei «ein schlankes Gebäude». Der 17-stöckige Bau ist einige Meter höher als das bisher höchste Haus in der Gemeinde Köniz: die Wohnblöcke an der Bondeli- und der Funkstrasse, ebenfalls in Wabern.
Hochhäuser sind in Mode
Die Beschwerdeführer befürchteten, das Hochhaus auf dem Bächtelenacker wirke sich auf Pläne in anderen Regionsgemeinden aus. Tatsächlich sind in den letzten Monaten mehrere Ideen für Hochhäuser präsentiert worden. Das jüngste Beispiel: der Vorschlag für ein neunstöckiges Gebäude beim Gleisbogen in Lyss (Ausgabe von gestern). Bereits im Bau befindet sich der künftige Postfinance-Hauptsitz nahe dem Berner Guisanpatz. Er wird 55 Meter hoch und hat 13 Stockwerke. Gar 70 bis 100 Meter hoch soll ein Hotel auf dem heutigen Bärenareal in Ostermundigen werden. In der Nachbarschaft befindet sich das höchste Haus der Region Bern: Der 80 Meter hohe Swisscom-Komplex in Ostermundigen. Erste Ideen sehen sogar das ländliche Deisswil (Stettlen) als möglichen Hochhausstandort. Aus Angst vor einem Präjudiz zugunsten von Hochhäusern hatte sich auch der Heimatschutz lange gegen die Überbauung in Wabern gewehrt.
Frühestens in 4 Jahren fertig
Die Könizer Gemeinderätin Katrin Sedlmayer (SP) fühlt sich bestätigt durch den Gerichtsentscheid. «Das beweist: Unsere Planung war sorgfältig, und es gibt genügend Gründe für ein Hochhaus in dieser Überbauung.» Trotzdem kann noch lange nicht gebaut werden auf dem Bächtelenacker, frühestens in zwei Jahren. Zuerst prüft der Kanton die Überbauungsordnung. Dann wird diese aufgelegt, das heisst, es kann weitere Einsprachen geben, die bereinigt werden müssen. Erst danach können die Detailpläne fertiggestellt werden. Sedlmayer rechnet damit, dass das Baugesuch Anfang 2013 publiziert wird. Danach könnte erneut eingesprochen werden. Frühester Baustart ist 2013, eventuell wird die Siedlung in Etappen gebaut. Läuft alles nach Plan, können die ersten Bewohnerinnen und Bewohner in vier Jahren in ihr neues Zuhause in Kleinwabern einziehen.
Auf dem 2,4 Hektaren grossen Bächtelenacker zwischen Seftigenstrasse und Bahnlinie sollen unter anderem Wohnungen für 200 Familien entstehen. Die Überbauung teilt sich in fünf architektonisch unterschiedliche Siedlungen auf. Eine davon ist das Hochhaus «Lustro». (Berner Zeitung)
Erstellt: 16.11.2011, 06:43 Uhr
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5 Kommentare
Endlich. Baut in die Höhe statt sinnlos Fläche zu verbrauchen, wie es in Köniz der Fall ist. Die Beschwerdeführer sollen sich mal ein neues Hobby suchen, es kann nicht sein dass jedesmal ein Projekt wegen ein paar wenige nicht zu stande kommt oder blockiert wird. Antworten
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