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Ernährungsexperte: «Julia Saner sollte sich das gut überlegen»

Interview: Sarah Pfäffli. Aktualisiert am 20.08.2010 2 Kommentare

Julia Saner nimmt ab. Kann das noch gesund sein? Die Ernährungsspezialisten Kurt Laederach und Bettina Isenschmid warnen vor den Gefahren.

Kurt Leaderach (Bild: zvg)

Zu den Personen

Kurt Laederach ist Leitender Arzt an der Universitätspoliklinik für Endokrinologie, Diabetologie und Klinische Ernährung am Berner Inselspital. Er ist zudem Vizepräsident des Programms PEP (Prävention von Essstörungen praxisnah).

Bettina Isenschmid ist Chefärztin am Kompetenzzentrum für Essverhaltensstörungen, Adipositas und Metabolismus des Spitals Zofingen, Präsidentin der Fachstelle für Prävention von Essstörungen PEP in Bern sowie Präsidentin des Schweizerischen Fachverbandes für Adipositas im Kindes- und Jugendalter akj in Zürich.

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Die ohnehin schon sehr schlanke Julia Saner muss für den Job als Model noch mehr abnehmen. Was halten Sie als Ernährungsspezialisten davon?
Kurt Laederach: Julia Saner sollte sich gut überlegen, ob sich dieser Aufwand und die möglichen Folgen lohnen. Wenn sie diesen Beruf auswählt, ist das ihr freier Entscheid. Wichtig ist, dass sie und ihr Umfeld über die Gefahren in diesem Business informiert sind. Und dass man sich nicht blenden lässt von den angeblichen Chancen.
Bettina Isenschmid: Die Eltern und Berater sollten sich das auch gut überlegen. Gesund kann das bei einem augenscheinlich bereits sehr dünnen Menschen nicht sein, weder in körperlicher, noch in psychischer Hinsicht.

Ist es a priori ungesund, so dünn zu sein?
Kurt Laederach: Das hängt vom Alter ab. Zwischen 14 und 19 Jahren ist es physiologisch, dass man durchschnittlich etwas untergewichtig ist. In dem Alter ist leichtes Untergewicht noch normal. Jemand mit einem Bodymassindex von 16,5 bis 18 kann durchaus gesund sein. Problematischer wirds, wenn jemand einen BMI von 19, 20 hatte und danach wieder abnimmt. Das führt durch all die Restriktionen häufig in eine Essstörung.
Bettina Isenschmid: Eigentlich ist es nie ganz normal, untergewichtig zu sein, daher gibt es für Kinder und Jugendliche auch speziell altersangepasste Gewichtskurven. Auch die Ursache des Untergewichts und die Gewichte bei Eltern und Geschwistern können darüber Aufschluss geben, was noch tolerabel ist und was eindeutig ausserhalb der Norm.

Wann besteht denn die Gefahr, eine Essstörung zu entwickeln?
Kurt Laederach: Potenziell in jedem Fall, in dem das Gewicht zu einem Damoklesschwert wird. Wenn eine natürliche Gewichtsschwankung nicht mehr erlaubt ist und die Ernährung zum zentralen Teil des Lebens wird.
Bettina Isenschmid: Und wenn ein niedrigen Gewicht über Erfolg und Misserfolg entscheidet. Sowie wenn gesundheitsschädigende Massnahmen wie Mangelernährung, Erbrechen, Abführmittel oder übermässiges Körpertraining angewendet werden, um das Gewicht zu senken.

Wann muss man alarmiert sein?
Kurt Laederach: Ein typisches Alarmsignal ist die Stimmung. Eltern, deren Tochter abnimmt und depressiv wirkt, sollten reagieren.
Bettina Isenschmid: Wenn das Gewicht, die Figur und die Körpermasse so zentral werden, dass über nichts mehr anderes nachgedacht werden kann, wenn die Frau nicht mehr anders handeln kann, obwohl sie bereits gesundheitliche psychische und körperliche Folgen des Untergewichts hat, wenn sie sich mehr und mehr zurückzieht, an nichts mehr Freude hat, die Leistungsfähigkeit sinkt und eventuell sogar Suizidgedanken auftauchen.

Wie soll man reagieren?
Kurt Laederach: Man sollte sie ansprechen, und zwar nicht mit den Worten: «Bist du eigentlich krank?», sondern ganz offen fragen: Hast du ein Problem mit der Ernährung? Wie machst du das, dass du so abnimmst? Man sollte die Selbstwahrnehmung fördern. Beratungsstellen wie die Präventionsstelle für Essstörungen, pep, oder die Beratungsstelle der Berner Gesundheit, BeGes, können dann weiterhelfen.
Bettina Isenschmid: Direkt ansprechen, unter vier Augen, mit den eigenen Beobachtungen konfrontieren, ohne verletzend oder zudringlich zu werden, nicht zu viel Druck ausüben, nicht drohen. Die eigene Besorgnis hervorheben, die Möglichkeit einer Essstörung ansprechen und Beratungsstellen angeben, eventuell beim ersten Mal begleiten. Wenn die Betroffene zunächst ablehnt, nach 1 bis 2 Wochen nochmals ansprechen und klar machen, das das Problem noch immer da sei, sich nicht abwimmeln lassen, aber respektvoll bleiben.

Ab wann nimmt der Körper durch starken Gewichtsverlust Schaden?
Kurt Laederach: Ein kritisches Signal ist bei Frauen das Ausbleiben der Monatsblutung.

Was entstehen für Schäden?
Bettina Isenschmid: Es gibt eine ganze Reihe körperlicher Folgen: Niedriger Blutdruck, langsamer Herzschlag unter Umständen mit Rhythmusstörungen, Verdauungsstörungen, bei Erbrechen oder Abführmitteln Störungen des Salzhaushaltes, Schwellungen der Speicheldrüsen, Ausbleiben der Menstruationsblutung unter Umständen später Fruchtbarkeitsstörungen, Verringerung der Knochendichte, Müdigkeit, Schwindel, Muskelkrämpfe, Konzentrations- und Schlafstörungen, Haarausfall, schlecht heilende Wunden.
Kurt Laederach: Langzeitschäden sind insbesondere Knochenschwund sowie Organschäden an Leber, Niere, Hirn und Herz.

Wie beurteilen Sie aus der Ferne Julia Saners Diät?
Kurt Laederach: Ich finde es nicht gut, dass sie am Abend keine Kohlehydrate essen darf. Man kann auch Gewicht verlieren, ohne wichtige Nahrungsbestandteile ganz wegzulassen – indem man von allem isst, aber weniger. Man braucht Ballaststoffe, um ein Sättigungsgefühl zu erreichen.
Bettina Isenschmid: Kohlenhydrate weglassen am Abend führt zu Schlafstörungen, nächtlichem Schwitzen, unter Umständen gesteigerte Lust am nächsten Morgen, mit dem Risiko eines Kontrollverlustes mit Essanfall. Auch dass die Nahrungsfette so stark reduziert sind, ist für eine jungen Frau im Wachstum nichts Gutes: Die Hormonsynthese kann gestört werden. Und das sie Kaugummi kaut, um wenigstens etwas süssen Geschmack zu haben, lässt bei mir einige Alarmglocken läuten, da dies eine sehr häufige Strategie bei magersüchtigen Menschen ist.

Was halten Sie von Gewichtsuntergrenzen für Models?
Kurt Laederach: In Italien und Spanien gab es Vorstösse, dass keine Models mit einem BMI unter 16 auf den Laufsteg dürfen. Das halte ich für eine vernünftige Entwicklung. Bettina Isenschmid: Leider unterstützt, ausser in Spanien, die Modeindustrie diese Vorstösse nicht. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.08.2010, 07:19 Uhr

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2 Kommentare

petra schmid

20.08.2010, 07:40 Uhr
Melden

Wenn Julia denn tatsächlich in die 10'000$ pro Tag-Modelkategorie aufsteigt, ist ein wenig Leiden und ein wenig Essstörungen der kleine Preis, denn sie zahlen muss und soll. Andernfalls kann sie sich ja mit Ex-Missen und die Mastro Lorenzo und Burger King-Jobs schlagen! Antworten


Robert Kolb

20.08.2010, 14:33 Uhr
Melden

Guten Tag Hat die Welt eingentlich keine anderen Probleme, als dass diese 2 medeiensüchtigen, ständig in sämtichen Berner Zeitungen über die "Sorgen" der Tochter orientieren müssen? Antworten



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