Emotionen schaukeln sich wegen Schulschliessung hoch
Von Peter Steiger. Aktualisiert am 18.02.2011 14 Kommentare
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Nebelverhangene Zukunft. Gemeindepräsident Eduard Knecht will
in Säriswil und hier in Murzelen die Schule schliessen. (Bild: Urs Baumann)
Zu wenig Kinder
Ab August 2012 sollen die Kinder die Schule nicht mehr in Säriswil, sondern in Uettligen, Wohlen oder Hinterkappelen besuchen. In Murzelen müssten die 40 Kinder im Jahr 2015 wechseln. Der Gemeinderat will die beiden Schulhäuser schliessen, weil die Schülerzahlen zu klein sind.?Gegen diese Pläne wehrten sich 619 Betroffene mit einer Petition. An einer hochemotionalen Infoveranstaltung musste der Gemeinderat im Januar massive Kritik einstecken.
Am Konflikt beteiligt ist auch die Schulkommission. Fünf der sieben Mitglieder traten Ende 2010 zurück. Sie argumentierten, dass sie zu wenig Zeit gehabt hätten, um die Standorte zu überprüfen. Der Gemeinderat konterte, dass ein gegenseitig vereinbarter Zeitplan bestanden habe. Zurzeit sucht Wohlen neue Mitglieder für die Kommission.
Herr Knecht, haben Sie was gegen Kinder?
Eduard Knecht: Nein, überhaupt nicht, im Gegenteil. Ich habe eine Tochter und einen Sohn.
An der Infoveranstaltung zu den Schulschliessungen stellten manche Teilnehmer Sie als Lügner und Jugendfeind dar.
Der Gemeinderat und ich staunten, wie emotional manche ihre Anliegen vorbrachten.
Die Gegner beschwerten sich beim Regierungsstatthalter und drohen mit einer Gemeindeinitiative. Könnte das Wohlen zu einem Kurswechsel zwingen?
Bei den Beschwerden geht es darum, ob wir die Gesetze einhalten. Eine erfolgreiche Initiative würde die Kompetenzen verschieben: Statt der Gemeinderat müsste künftig die Gemeindeversammlung über die Standorte entscheiden. Beschwerden und Initiative betreffen also nicht Schulorte, sondern bedeuten nur, dass wir nochmals über die Bücher müssten. An den Fakten ändern sie nichts.
Ändert sich der Terminplan, wenn die beiden Vorstösse erfolgreich sind?
Ja, wenn der Statthalter die Beschwerden gutheisst und die Wohlener Stimmbürger die Initiative annehmen, hat dies aufschiebende Wirkung.
Die Gemeinde kommuniziert im Dampfwalzenstil und drängt alle Betroffenen zur Seite.
Kommunikativ lief tatsächlich nicht alles optimal. So mussten einige Eltern aus der Presse erfahren, dass ihre Schule schliesst. Wir haben uns an die Dienstwege gehalten und hätten wohl besser direkter informiert.
In Säriswil und Murzelen wohnen Gutbetuchte. Wieso wollen Sie ausgerechnet den besten Steuerzahlern die eigene Schule wegnehmen?
Die finanzielle Situation der Eltern darf bei solchen Entscheiden keine Rolle spielen. Es geht uns um die Qualität. Wenn wir diese kleinen Schulen schliessen, hat das zwar Nachteile, doch überwiegen die Vorteile.
Hat ein Dorf keine eigene Schule mehr, sinken die Immobilienpreise. Entschädigt die Gemeinde die geprellten Besitzer?
Nein. Es gibt in den betroffenen Dörfern keinen Zusammenhang zwischen Immobilienpreisen und Schulstandorten.
Was kostet es, die beiden Schulhäuser zu erhalten?
Die Gemeinde würde jährlich mit etwa 2 Millionen Franken belastet. Wir wollen in erster Linie aber nicht sparen, sondern die Schulen insgesamt verbessern.
In Säriswil lernen etwa 18 Kinder in einer einzigen altersdurchmischten Klasse. Wieso gönnen Sie den Eltern nicht dieses Idyll?
Wir müssen die gesamte Gemeinde betrachten. In Säriswil und Murzelen leisten die Lehrer zwar ausgezeichnete Arbeit. Doch können Kinder und Eltern nur in grösseren Schulen von einem umfassenden Angebot und von stabilen Klassenorganisationen profitieren.
Angenommen Sie lebten mit Ihren schulpflichtigen Kindern in Säriswil und wären nicht Gemeindepräsident. Sie würden sich doch auch für die Dorfschule wehren.
Nein. Meine beiden jetzt erwachsenen Kinder besuchten die Schulen in Hinterkappelen und haben dort vermutlich mehr profitiert als in einer Kleinschule.
Nach dem Infoanlass im Januar hat die Gemeinde Wohlen die damals gestellten Fragen und Antworten schriftlich zusammengefasst. (Berner Zeitung)
Erstellt: 18.02.2011, 08:40 Uhr
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14 Kommentare
Herr Knecht hat es bis heute nicht für nötig befunden, mit den Beschwerdeführern Kontakt aufzunehmen. Auf der Homepage der Gemeinde ist die Beschwerde nicht einmal erwähnt! Ist das die Politik von heute? Werden Probleme ausgesessen? Hat die Gemeinde diesen Präsidenten verdient?
Uebrigens.. die erste Lehrkraft hat gekündigt. Wer trägt die Kosequenzen? Herr Knecht oder die Schüler?
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