Region

Emmentaler Bauern züchten Nashörner

Das Naturhistorische Museum hat eine Initiative zur Rettung der Nashörner lanciert: Die vom Aussterben bedrohten Tiere werden gezielt gezüchtet, ihre Hörner sollen in pulverisierter Form in den Weltmarkt fliessen.

Scheint sich auf der Weide im Emmental wohl zu fühlen: Nashornmutter Babeli als Testtier der neuen Nischenproduktion.

Hans Wüthrich

Horn-Pulver

Selbstversuch: Das Naturhistorische Museum Bern stellt für Promotionszwecke ein paar wenige Hörner von Panzer- und Breitmaulnashörnern aus ihren Lagerbeständen zur Verfügung. Hörner bestehen aus sogenanntem Keratin, das ist ein Protein, welches auch in Haaren vorkommt.

Ob der Stoff in pulverisierter Form wirklich die ihm nachgesagte Wirkung entfaltet, können Besucherinnen und Besucher heute im Museum testen. Weil der Stoff sehr teuer ist, werden pro Person nur wenige Gramm abgegeben. sru


Degustation Hornpulver: heute Mittwoch, 12.15 Uhr, Naturhistorisches Museum Bern. Der Selbstversuch ist kostenlos, Anmeldung nicht erforderlich.

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Jährlich werden in Asien und Afrika Hunderte von Nashörnern in freier Wildbahn abgeschossen, dies allein wegen ihrer Hörner. In pulverisierter Form werden diese in der asiatischen Medizin verwendet – einerseits weil sie angeblich eine Vielzahl von Krankheiten kurieren können, andererseits weil sie das Potenzmittel Viagra in seiner Wirkung um ein Vielfaches übertreffen sollen. Eine wissenschaftliche Studie, die das belegt, gibt es allerdings keine. Trotzdem hat der Glaube an das angebliche Wundermittel dazu geführt, dass heute nur noch etwa 300 Sumatra- und 70 Javanashörner leben.

Die Gewinnung des Horns

Das Naturhistorische Museum kann die Jagd auf Nashörner zwar nicht verhindern, aber der Handel mit Nashornpulver kann in kontrollierte Bahnen gelenkt werden. Gemeinsam mit dem Bundesamt für Landwirtschaft (BWL) und dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) sollen gezielt Nashörner in der Schweiz gezüchtet werden. «Der gefragte Rohstoff Nashorn kann gewonnen werden, ohne dass die Tiere leiden oder gar zu Tode kommen», sagt Beat Studer vom Naturhistorischen Museum. Und: «Weil das Horn jüngerer Tiere nachwächst, kann der in der asiatischen Medizin gefragte Stoff bei einer einzigen Spezies mehrmals ‹geerntet› werden.»

Eine Nischenproduktion

Mit der Züchtung von Nashörnern sollen vor allem Kleinbauern vertraut gemacht werden. Die Mutternashornhaltung wird vom BWL nicht nur empfohlen, sondern soll mit Bundessubventionen schmackhaft gemacht werden. Der Gesetzestext der Landwirtschaftlichen Begriffsverordnung (LBV, SR 910.91) wurde bereits entsprechend erweitert: Bisher lautet Art.27 (Direktvermarkter, Nutztiere): «Raufutter verzehrende Tiere sind Tiere der Rindergattung und der Pferdegattung sowie Schafe, Ziegen, Bisons, Hirsche, Lamas und Alpakas. Neu wird hinzugefügt: »Tiere der Familie Nashörner.» Mit der Nashornhaltung biete sich vielen Kleinbauern eine interessante Nischenproduktion mit einem weltweiten Markt, heisst es von Seiten des BWL. Die ersten Ausbildungskurse «Mutternashornhaltung für interessierte Landwirte» sind ab 2010 geplant. Erste Nashornstationen sind im Emmental, Schwarzenburgerland sowie im solothurnischen Bucheggberg vorgesehen.

Erster Test im Emmental

Bereits gibt es im Emmental (in der Nähe von Schangnau) einen landwirtschaftlichen Testbetrieb, auf welchem ein Nashorn gehalten wird. Dabei geht es noch nicht um Züchtungserfolge, sondern um die Haltung dieser Tiere generell. Bauer Ernst Zürcher hat gute Erfahrungen gemacht. «Es ist ein weibliches Tier, das sich sehr ruhig verhält», sagt er. Der Arbeitsaufwand sei gering. Seine Kinder hätten den Vierbeiner auf den Namen Babeli getauft. «Solange es keine Jungtiere aufzieht, ist Babeli ziemlich zutraulich.» Streicheleinheiten gibts trotzdem keine. «Es ist Vorsicht geboten», sagt der Landwirt. Aus Sicherheitsgründen musste Zürcher ein Stück Land mit dicken Stahlrohren umzäunen. Seine Berufskollegen rundum hätten ihn zuerst ausgelacht, inzwischen habe der eine oder andere aber auch Interesse an der Nashornhaltung gezeigt, insbesondere auch deshalb, weil die Produktionskosten zur Gewinnung des Hornpulvers marginal sind. Auf Bullenhaltung wird verzichtet, die Samen sollen von europäischen Zoos bezogen werden.

Dass Emmentaler Landwirte Pioniergeist zeigen und sich für diese Nischenproduktion interessieren, verwundert Kantonstierarzt Christian Huggler nicht: «Vor Jahren haben sie Wasserbüffel aus Rumänien importiert und sind so neue Wege gegangen; und jetzt kommt die interessante Nischenproduktion Nashorn.» Er finde das «sehr spannend», meint Huggler.

Wanderwege involviert

Nashörner sehen zwar schlecht, ihr Geruchs- und Gehörsinn ist aber hervorragend ausgebildet. Und sie können mitunter recht aggressiv werden. Deshalb müssen im Gegensatz zu herkömmlichen Kuhweiden weiter reichende Sicherheitsmassnahmen getroffen werden. Das Bundesamt für Umwelt hat mit den Verantwortlichen für die Bernischen und Solothurnischen Wanderwegen erste Koordinationsgespräche zur Verlegung von gefährdeten Wegabschnitten geführt. Zudem ist eine Aufklärungskampagne für Einheimische und Touristen durch regionale Tourismusorte und betroffene Gemeinden geplant.

Sumatraspitzmaul

Die Bedenken des Schweizer Tierschutzes (STS) gegen das Entfernen der Hörner bei Jungtieren konnten nach erfolgten Demonstrationen an Zootieren zerstreut werden. Der STS steht hinter diesem Projekt.

Veterinärmediziner und Genforscher blicken bereits in die Zukunft: Ihnen schwebt die Kreuzung zwischen Sumatranashorn und Spitzmaulnashorn vor: Beide verfügen über zwei Hörner, Letzteres bildet zudem sehr lange Hörner aus. Die Kreuzung Sumatraspitzmaulnashorn wäre also sehr hornreich, zudem robust und äusserst kälteresistent. (Berner Zeitung)

Erstellt: 01.04.2009, 08:11 Uhr

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9 Kommentare

Mäsu Uffdrmuur

01.04.2009, 15:27 Uhr
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Diese Innovativität bringt erfreulicherweise auch neue Arbeitsplätze ins Emmental.! Es seien nur etwa die Berufe der Klauenschneider, Hornbieger, Pulverisierer oder KB-Spezialisten (künstliche Besamung, Köfferlimunis) erwähnt, die an der Langeten ein neues Auskommen finden werden. Weiss schon jemand, wann in Langnau erstmals Nashornmärit ist? Antworten


Fritz Marti

01.04.2009, 11:53 Uhr
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Bevor man die Hönrner der schlachtreifen Tierchen nutzen kann, sollen diese schon mal Gewinn abwerfen. So kann man heute Nachmittag im Kemribodenbad sehen wie der Nashornflüsterer mit den lieben Kleinen ein erstes Nashorntrekking durchführt. Gleichzeitig gibts im Restaurant Nashornfilet im Teig. Gruss Fridu Antworten


Ulrich Scheidegger

01.04.2009, 10:39 Uhr
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Ja die Emmentaler sind eben ein innovatives Völklein. Die verantwortlichen Züchter haben noch einen drauf gegeben: Im Permafrost des Napfgebietes haben diese eine Nashorn-Samenbank angelegt -wobei dieser Samen weltweit geschützt ist, unter dem Label Napfshoru! Somit ist den Emmentalern eine goldige Nashorn-Zukunft gesichert! Antworten


Hans Faller

01.04.2009, 10:28 Uhr
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Ist das vielleicht jener bernische Bauer, der seinerzeit Kanguruhs für Känguruh-Milch hielt (siehe ganzseitige Reportage des BZ-Produktionsteams vom 1.4.1979)? Hat der Mann inzwischen seine Viecher ausgewechselt? Geben Nashörner auch Milch? Fragen über Fragen. Antworten


Oliver Wymann

01.04.2009, 09:42 Uhr
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Ich möchte dann einmal die Zäune sehen, die so einen Koloss aufhalten! Man könnte ja alle Panzersperren des Landes einziehen und ins Emmental platzieren?! Guter Aprilscherz, gratuliere. Die Fotomontage ist wirklich beeindruckend! Gruss aus dem Emmental Antworten


Soraya Moana

01.04.2009, 09:26 Uhr
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April, April! Antworten


Heinz Frey

01.04.2009, 09:17 Uhr
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Bei all den Meldungen heute weiss man gar nicht mehr, wo man lachen darf. Antworten


p Meier

01.04.2009, 09:09 Uhr
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Haha, schöner 1. Aprilscherz!!! Antworten


Werner Bollinger

01.04.2009, 08:39 Uhr
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Das mit den Hörnern der Nashörner ist nur vorgetäuscht. In Wirklichkeit werden die Nasen für die Armee gebraucht, denn mit grossen Nasen können Nashörner gut schnüffeln ... Antworten




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