Region

Eine Chilbi, die zusammenschweisst

Auf dem Chilbiplatz in Bümpliz locken ab Freitagabend Riesenrad, Schützenbude und vieles mehr. Ein eingespieltes Team rund um Rudolf Aeschlimann sorgt dafür, dass auch die 62.Bümplizer Chilbi zum Volksfest wird.

Die Chefs der Bümplizer Chilbi, Präsident Rudolf Aeschlimann (rechts) und Vize Daniel Stalder, kennen ihren Chilbiplatz bestens.

Susanne Keller

Programm

Heute ab 17 Uhr bis um 2 Uhr nachts sind der Lunapark, Marktstände und Festwirtschaften in Betrieb. Jeweils abends spielen die Tornados zum Tanz auf. Samstags um 11 Uhr wird die Festwirtschaft – traditionellerweise gibts Sauerkabis – geöffnet, ab 14 Uhr bis 2 Uhr nachts ist Chilbibetrieb. Am Sonntag wird ab 9 Uhr das Chilbi-Zmorge aufgetischt. Dann folgt das Matinee-Konzert mit der Musikgesellschaft Bern-Bümpliz und den Hot Sticks. Zwischen 11 und 22 Uhr ist die Chilbi im Gang, ab 15 Uhr spielen im Festzelt die Stadtbach-Musikanten auf.

Mehr Infos sind im Internet auf der eigenen Homepage www.buemplizer-chilbi.ch nachzulesen. Eine Webcam zeigt, was gerade auf dem Chilbiplatz läuft.

Reingewinn wird verteilt

Im August 1948 fand die erste Chilbi in Bümpliz statt und seither in jedem Jahr wieder. Einmal war der heutige Standort wegen Anwohnerreklamationen gefährdet. Die Situation konnte aber entspannt werden, und der Viehmarktplatz wurde vor etwa 15 Jahren in Chilbiplatz umgetauft. Bis auf das Jahr 2005 – damals regnete es drei Tage durch – verbuchte die Chilbi stets einen Reingewinn. «Dieser wird jeweils an gemeinnützige Organisationen im Stadtteil 6 verteilt», sagt Rudolf Aeschlimann, der den Bümplizer Chilbi-Verein präsidiert. Im letzten Jahr wurden rund 5000 Franken unter Schulen, Kinder- und Jugendorganisationen sowie Bümplizer Vereinen verteilt. «Seit der ersten Chilbi konnten so rund 1,7 Millionen Franken verteilt werden», sagt Aeschlimann.

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«Du muesch die Latte chly ufenäh, heilandsack, dass mir grad sy!» Auf dem Chilbiplatz in Bümpliz wird Hand angelegt. Schritt für Schritt entsteht Budenstadt und Lunapark, bereits zum 62.Mal. Der Umgang ist direkt, die Stimmung gemütlich. Die Chefs auf dem Platz, Rudolf Aeschlimann und Daniel Stalder, sitzen im Schatten der Platanen auf einer Festbank, vor sich einen Becher Kaffee. Nein, Hektik komme nie auf, sagen sie. Die meisten seien schon viele Jahre dabei, ein eingespieltes Team aus Freiwilligen. Rund 25 Personen helfen beim Aufbau. Aeschlimann, seit 25 Jahren mit von der Partie und seit 9 Jahren Präsident des Chilbi-Vereins, sagt: «Einen Tätschmeister brauchts nicht. Ich führe die Verhandlungen mit den Schaustellern und den Behörden, der Rest läuft einfach.» Die Chilbi schweisse zusammen.

Grösste Berner Chilbi

Auf der Wiese nehmen Bahnen Form an. Zum Beispiel die in sämtlichen Achsen drehende Schaukel «Star Dancer» – «ein verrückter Laden», ist Aeschlimanns trockener Kommentar. Auf der anderen Seite des Festzelts geht es etwas ruhiger zu und her: Hier wird sich unter anderem das Karussell für die Kleinen drehen. An der Morgenstrasse entlang stehen die Stände des Jahrmarkts in Reih und Glied. 40 Schausteller kommen alljährlich nach Bümpliz. «Wir sind die grösste jährlich wiederkehrende Chilbi im Kanton», sagt Aeschlimann stolz. Zwischen 10000 und 20000 Besucherinnen und Besucher dürften sich in den drei Tagen auf dem Rummelplatz einfinden – über den Daumen gepeilt.

Den Einstieg fand der 59-jährige Aeschlimann über den örtlichen Satus-Turnverein. Beim städtischen Tiefbauamt, bei dem er schon lange angestellt ist, nimmt er jeweils eine Woche Ferien für die Chilbi. Der Vizepräsident des Vereins, der 40-jährige Daniel Stalder, wuchs im Tscharnergut auf und rutschte über die Musikgesellschaft hinein. Heute um 15 Uhr erwarten sie verschiedene Behördenvertreter zur «Kollaudation», zu Deutsch: die Abnahme des Festgeländes. Das Augenmerk gelte Stolperfallen, Feuerlöschern, Jugendschutz und anderem mehr. «Dann gehen wir zusammen ins Apéro, und um 17 Uhr gehts los», sagt Aeschlimann.

Politik ist Vergangenheit

Die Chilbi selber könnten sie durchaus auch selber geniessen, darin sind sich die beiden Organisatoren einig. Rund 150 Helfer aus Bümplizer Vereinen sorgten dafür, dass der Laden läuft. Die Wurzeln der Chilbi reichen in die rege und gut verankerte Arbeiterbewegung zurück. «Tiefrot» sei die Vergangenheit, weiss Stalder. Heute hingegen ist die Chilbi politisch neutral: «Politik auf dem ‹Bitz› gibt es nicht», fasst Aeschlimann zusammen. Als Helfer seien jedoch alle willkommen. SVP-Grossrat Thomas Fuchs, selber Mitglied des Samaritervereins, sei beispielsweise immer dabei. «Er ist sich selbst fürs ‹Fläschele› nicht zu schade», sagt Stalder.

Beide rühmen die Unterstützung der Stadt für den Anlass am Westrand der Stadt. Am sonntäglichen Matinee-Konzert gebe sich jeweils eine ansehnliche Delegation aus Gemeinde- und Stadtrat ein Stelldichein.

«Eifach Ornig ha»

Zu tun gibts für die Chefs jeweils, wenn die Chilbi um zwei Uhr nachts den Betrieb einstellt. Schlägereien habe es zwar in den letzten Jahren kaum mehr gegeben. Polizeipatrouillen sorgten für Ruhe, und für Nachtvögel, die weiterfeiern wollten, gebe es Freinächte im Restaurant Schützenhaus. Auch die kunterbunte Bevölkerung in Berns Westen mit vielen Ausländern ist für die beiden kein Problem: Alle seien willkommen. «Sie müesse eifach Ornig ha», schiebt Aeschlimann nach und ergänzt: «Hie wird no Bärndütsch gredt!» (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.08.2009, 08:41 Uhr

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