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«Eine AKW-Lösung, hinter der wir stehen können»

Die Mühlebergerinnen und Mühleberger haben viele Fragen zur Baustelle rund um das geplante Atomkraftwerk. Fundamentalkritik musste die BKW am Informationsabend in Mühleberg aber nicht entgegennehmen.

Der Neubau des Kraftwerks Mühleberg sorgt für Unmut in der Bevölkerung: Hier das alte Kraftwerk.

Der Neubau des Kraftwerks Mühleberg sorgt für Unmut in der Bevölkerung: Hier das alte Kraftwerk.
Bild: Keystone

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Sollte das neue Atomkraftwerk in Mühleberg dereinst gebaut werden, würden sich die Einrichtungen für die Baustelle über die ganze Region verteilen. Damit wäre viel Verkehr verbunden: Die Verantwortlichen rechnen mit 400 000 Lastwagenfahrten und noch einmal soviel Fahrten mit anderen Fahrzeugen.

Diese Prognosen über das Verkehrsaufkommen hatten in Mühleberg einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Daraufhin hatten die BKW Vertreter der Gemeinde und Anwohner eingeladen, eine bessere Lösung zu suchen. Das Resultat präsentierten sie am Mittwochabend in der gut gefüllten Aula des Schulhauses Allenlüften.

Eigene Autobahnausfahrt

Eines der Kernstücke der Grossbaustelle soll eine temporäre Autobahnausfahrt westlich von Buttenried werden. Über sie würde der gesamte Baustellenverkehr abgewickelt, inklusive Privatverkehr der Bauarbeiter, wie Gesamtprojektleiter Thomas Staffelbach erklärte. Leise Hoffnungen der Mühleberger, dass sie damit quasi gratis zu einem Autobahnanschluss kämen, dämpfte er allerdings: «Dazu hat das Bundesamt für Strassen klar nein gesagt.»

Ein zweites Kernstück könnte ein rund 400 Meter langer Tunnel werden, der vom Autobahnanschluss nordwärts direkt zur Baustelle führen würde. Der Tunnel würde nach Bauende bestehen bleiben und für eine direkte Zufahrt zum Kraftwerk während dem Betrieb sorgen.

«Das ist eine Lösung, hinter der wir stehen können», erklärte Gemeindepräsident Kurt Herren. Natürlich sei es nicht möglich, ein Bauwerk dieser Grösse zu erstellen, ohne dass man davon etwas mitbekomme. Doch die jetzt vorgestellte Möglichkeit sei momentan die beste.

Landbesitzer enteignen

Kritik kam vom Sprecher der Interessengemeinschaft der Anwohner. «Wir sind noch weit davon entfernt, mit dem Logistikplatz einverstanden zu sein», hiess es. Seit Längerem regt sich Widerstand vor allem gegen diesen Platz sowie gegen die Arbeitersiedlung. Beides würde eine Fläche von je rund 15 Fussballfeldern einnehmen. Eine andere Anwohnerin wollte wissen, was geschieht, wenn jemand sein Land nicht hergeben will. «Wir suchen eine einvernehmliche Lösung», betonte Herren – nicht ohne anzufügen, dass andernfalls ein Enteignungsverfahren eingeleitet werden könnte.

Im Übrigen waren generell wenig kritische Stimmen zu hören. Es gab Fragen zur Verkehrsführung oder zum Verkehrsaufkommen während des Betriebs des Kraftwerks – Fragen, die von den BKW-Vertretern so detailliert beantwortet wurden, als würden nächste Woche bereits die Bagger auffahren.

Mit Referendum rechnen

Es mutet etwas seltsam an: Bereits sind auf den Plänen Strassen, Lagerplätze und der Bauplatz fast auf den Meter genau eingezeichnet. Obwohl es noch keineswegs sicher ist, dass ein neues AKW überhaupt gebaut werden kann. Die BKW selbst rechnet damit, dass dagegen das Referendum ergriffen wird. «Wir sind allerdings zuversichtlich, dass das Volk ja sagen wird», meinte BKW-Konzernleitungsmitglied Hermann Ineichen gegenüber dieser Zeitung. In der Vergangenheit haben sich die Stimmenden allerdings keineswegs immer für die Atomkraft ausgesprochen.

Die Betreiber rechnen damit, dass bis 2013 ein Baubewilligungsverfahren eingeleitet werden kann. Sagt das Parlament ja und kommt es zu keinem Referendum, könnte es schnell gehen: Nach einer Bauzeit von knapp zehn Jahren könnte Mühleberg II bereits 2023 ans Netz gehen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.03.2010, 20:28 Uhr

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