Ein riesiger Gecko klettert an der Hauswand
Von Lucia Probst. Aktualisiert am 27.12.2011 1 Kommentar
Keck wirft er einen Blick zurück auf die Strasse: der Gecko, der an der Seftigenstrasse 279 in Wabern die gelbe Hausfassade hochklettert. Das für Passantinnen und Passanten gut sichtbare Tier stützt sich mit einem Bein auf dem alten Emailleschild ab, auf dem die Hausnummer steht. Das Schild löst sich. Etwas weiter unten auf dem Fassadenbild ist noch die Schraube zu sehen, die herunterfällt.
«Ein bisschen Witz muss schon sein, wir wollten eine kleine Geschichte erzählen», sagt Martina Strausak Bieri. Sie und ihre Kollegin Valerie Bartholdy Oppliger haben die sieben Meter lange Echse mitsamt Hausnummernschild gemalt. Beide sind als freischaffende Theatermalerinnen tätig und sind Profis für solche Wandmalereien.
Ab Vorlage genau übertragen
Valerie Bartholdy kramt eine Mappe mit den Geckovorlagen aus ihrer Tasche hervor. Mit kleinen Skizzen fing alles an. Das nächste Blatt zeigt den Gecko im Massstab 1:33. Das ganze Blatt ist mit Bleistift in kleine Quadrate unterteilt. Schliesslich stiegen die Malerinnen auf das Baugerüst, das für die Fassadenrenovation sowieso stand. Quadrat für Quadrat haben sie die Geckovorlage auf die frisch grundierte gelbe Wand übertragen. Mit Kohlestiften zeichneten sie die Echse auf, dann folgte ein erster Anstrich. Gemalt, gekratzt und getupft haben die Frauen am Gecko. Schliesslich spielten sie auch mit Hell-dunkel-Kontrasten, damit er plastisch wirkt. Rund eine Woche lang dauerten die Arbeiten für das Wandbild.
Den Auftrag erhielten die Theatermalerinnen von Hausbesitzer Renato Ferretti. «Die Stirnfassade hat gar kein Fenster, ich und meine Tochter fanden deshalb, es wäre schön, diese Fassade zu gestalten», sagt Ferretti. Rüebli, Radiesli oder eine Erdbeere schlugen ihm Bartholdy und Strausak zuerst vor, dann kam die Geckoidee auf. «Im Süden sagt man, wenn ein Gecko an einer Hausfassade sitzt, so herrscht ein guter Geist im Haus», erzählt Ferretti. Er mag zudem Geckos gerne. So war das Sujet schliesslich klar. «Dieses Bild ist keine Provokation, es ist reine Dekoration», so Ferretti.
«Es braucht an dieser Wand etwas Grosses und Flächiges», sagt Valerie Bartholdy. Auf die Idee mit dem Emailleschild sind die Theatermalerinnen dann gekommen, weil die alten Häuser vis-à-vis noch solche Schilder haben. Sie fanden es schön, das Sujet aufzunehmen.
«Wir verstehen uns nicht als Künstlerinnen», sagt Valerie Bartholdy. Ihr Malen sei nicht Kunst am Bau, sondern ein Handwerk. Abgerechnet wird der Aufwand im Stundenlohn. Rund 60 Stunden investierten die Malerinnen in das Wandbild in Wabern.
Kinder rätselten
Schon als die Frauen auf dem Fassadengeländer ans Werk gingen, zog ihre Arbeit Aufmerksamkeit auf sich. Immer wieder blieben Leute interessiert stehen. Schulkinder rätselten, was denn an der Wand entsteht. Manche tippten auf ein Krokodil. «Wie unser Werk jetzt ankommt, wissen wir nicht. Aber während wir malten, haben wir viele positive Reaktionen erhalten», sagt Martina Strausak. Immer wieder hat sie dabei gemerkt, dass sich ein Laie kaum vorstellen kann, wie so ein Bild an die Wand kommt. Valerie Bartholdy geht es manchmal sogar selbst so: «Am Schluss habe ich mich gefragt, wie wir das geschafft haben.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 27.12.2011, 10:37 Uhr
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1 Kommentar
Von der Endstation Tramschleife Wabern ist der Gecko gut zu sehen. Interessiert und liebevoll betrachtet der Gecko das Geschehen unter ihm. Den Passanten huscht ein ungläubiges Lächeln über's Gesicht. Ein Farbtupfer in unserer oft eintönigen Welt. Besitzer und Gestalterinnen haben eine Gratulation und ein herzliches Dankeschön verdient. Antworten
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