«Ein respektloser Umgang mit dem Heimatbegriff»
Interview: Reto Hunziker. Aktualisiert am 12.11.2010 76 Kommentare
«Es hat funktioniert»: Promi-Journalist und «Weltwoche»-Kolumnist Mark van Huisseling. (Bild: TA)
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Herr van Huisseling, wie war es, in Bümpliz aufzuwachsen?
Ich habe Jahrgang 1965 und durfte meine Kindheit mit vielen Gspähnli in meinem Alter verbringen, darunter auch sehr viele Mädchen. Insofern war es für mich attraktiv, in Bümpliz aufzuwachsen. Auch wenn wir mit 16 oder 17 gemerkt haben, dass es woanders noch schönere Häuser und besser angezogene Jugendliche gibt. Sagen wir: Es hat funktioniert.
Die Sängerin Edita hat nun Ihr Quartier als Scheissgegend bezeichnet.
Ich bin zwar 1986 aus Bümpliz weggezogen und besitze da nur noch eine Wohnung, die ich vermiete. Dennoch ist es für mich ein respektloser Umgang mit dem Heimatbegriff.
Auch wenn Edita damit nur «Kaff» gemeint hat?
Bern West hat insgesamt wohl fast so viele Einwohner wie Thun oder der Kanton Glarus. Der Begriff Kaff hört bei mir jedoch schon bei rund 1000 Einwohnern auf. Letztlich finde ich auch diesen Ausdruck undifferenziert und falsch.
Wie hat sich Bümpliz in den letzten Jahren entwickelt?
Es hat eine Attraktivitätssteigerung erlebt, etwa mit dem nahe gelegenen Shoppingcenter Westside und der verlängerten Tramlinie. Im Rahmen der Dezentralisierung der Stadtverwaltung ist ausserdem das Zivilstandsamt nach Bümpliz verlegt worden.
Wer lebt überhaupt in Bümpliz?
Wie in jeder Gegend gibt es ein «low end» und ein «high end». Das heisst alte Bümplizer mit Reihenhäuschen oder Einfamilienhäuschen auf der einen Seite, ausländische Zuzüger auf der anderen. Die Alteingesessenen werden nicht mehr wegziehen. Schliesslich ist die Lebensqualität gleich gut wie in Bern Kirchenfeld.
Und die Zuzüger?
Die stammen mehrheitlich aus fremden Kulturkreisen. Es sind nicht Deutsche oder wie meine Eltern Holländer oder Österreicher. Sondern aus Sri Lanka, Afrika, Kosovo oder Albanien. Junge Schweizer ziehen kaum zu. So entstehen Parallelgesellschaften, die den Ort verunglimpfen. Dafür kann Bümpliz nichts.
Bümpliz ist also ein Ghetto?
Nein. Die Ausländer werden ja nicht nach Bümpliz abgeschoben, sondern kommen, weil sie da bezahlbaren Wohnraum finden. Für den Betrag, für den man in Bümpliz eine Eigentumswohnung bekommt, kriegt man woanders in Bern nur eine Garage.
Was ist in Bümpliz besser als in Schlieren?
Es ist gepflegter, aufgeräumter. Ich empfinde Bümpliz auch als sichere Gegend. Die Kriminalität ist vermutlich geringer als in anderen Stadtviertel mit besserem Ruf. Das ist dem Mix zu verdanken: In Bümpliz leben sowohl alte Schweizer als auch junge Ausländer mit teilweise grossen Familien.
Bümpliz hat auch eine grosse Fangemeinschaft.
Das stimmt. Es gibt eine stolze Bümplizer Population. Viele wohnen noch am selben Ort, wo sie aufgewachsen sind oder kommen zurück. Wenn wir Glück haben, kommt auch der Schweizer Mittelstand wieder nach Bümpliz. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 12.11.2010, 14:33 Uhr
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76 Kommentare
Was soll die Aufregung? Das ist doch lächerlich! Wenn man die Sendung gesehen hat, weiss man ganz genau, dass sie mit "einer kleinen Scheissgegend" eigentlich "Kaff" gemeint hat und ausserdem wird sich ausser der Berner niemand um diese Aussage gekümmert haben. Imageschaden für Bümpliz? Oje, der arme Bümplizer Tourismus wird leiden... Antworten
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