Region
Ein neuer Park für Berns Westen
Von Christoph Aebischer. Aktualisiert am 30.07.2010
Ab dem krummen Giebel des alten Brünnenguts schmettert ein Hausrotschwanz seine Strophe über die neue Parkanlage. Junge Bäume in frischem Gras, akkurate Kiesplätze – alles wirkt noch etwas jungfräulich. Bis auf eine in Rosa auf den Weg gesprayte Zahl, 3027, die Postleitzahl von Bethlehem. Sie erinnert daran, wo die Anlage steht.
Grosses Einzugsgebiet
Ein Rentner mit Hund kreuzt die eifrig staksende Walkerin und die gemächlich einen Kinderwagen schiebende Mutter. Ab morgen wird der Park den 12'000 Anwohnern aus den sechs angrenzenden Quartieren gehören. Urs Hofer, der für Anliegen aus der Bevölkerung zuständig ist, spaziert durch die Lindenallee, welche durch ihre schiere Länge beeindruckt. «Beim Spazieren trifft man sich hier», erzählt Hofer. Schon jetzt verbinde die Anlage die alten mit den neuen Wohnvierteln.
Neuartige Anlaufstelle
Hofer betreut einen Guichet – etwas Neuartiges bei einer städtischen Parkanlage: «Wir bauen auf unsere Erfahrungen beim Bümplizer Bienzgut», erläutert Hans Stucki, Geschäftsführer der Stiftung B, die Hofer im Auftrag der Stadt vorerst auf drei Jahre befristet in einem 20-Prozent-Pensum angestellt hat. Stucki betont: «Der Park befindet sich in dicht besiedeltem Raum. Da ist es wichtig, dass eine gute Stimmung herrscht.» Gute Information, klare Regeln und Möglichkeiten zum Mitmachen sollen dafür sorgen. Und eben eine Ansprechperson. Mit einem Anruf ans Parktelefon, via Internetseite oder althergebracht über einen Briefkasten kann Hofer kontaktiert werden.
Hofer wird ein Auge auf die Anlage haben. Auch die halbtags beschäftigte Person vom Kompetenzzentrum Arbeit, das Tiefbauamt und die Stadtgärtnerei versprechen eine gewisse Präsenz. Sie halten gemeinsam den Park sauber. Eine eigentliche Parkaufsicht ist aber nicht vorgesehen. Am häufigsten wird wahrscheinlich noch der Platzwart der Sportanlage da sein. «Wir wollen präventiv wirken», erklärt Hofer. Indem die Bevölkerung eingebunden und die Anlage gepflegt gehalten werde, solle Schäden vorgebeugt werden. Hans Stuckis Erfahrungen im Bienzgut zeigen, dass dies klappt: «Wir haben dort relativ wenig Probleme mit Vandalismus.» Engagieren können sich die Anwohner beispielsweise auf dem Pflanzblätz. Die 33 Parzellen waren im Nu weg.
Most aus der «Hoschtet»
Auch bei den geplanten drei grossen Anlässen ist Mitmachen erwünscht. Um Ostern ist laut Stucki ein Familienfest vorgesehen. Ende Mai steigt das Bern-West-Fest des FC Bethlehem, und im Herbst solls ein Mostfest geben: «Wir wollen aus den Früchten der 70 Obstbäume gemeinsam Most machen», sagt Hofer.
Für das baufällige Brünnengut und das barocke Herrenhaus, in denen derzeit noch drei Mietparteien wohnen, werden Ideen gewälzt. Stucki schwebt eine Freizeitsporthalle im Bauernhaus vor. Im Herrenhaus plant das Jugendamt ein Kinderhaus mit 60 Betreuungsplätzen.
Gärtner und Theologe
Hofer ist gelernter Gärtner und studierter Theologe. Er kennt den Westen Berns bestens: «Ich wohne seit 14 Jahren hier», erzählt er. «Bevor das Brünnen-quartier Form annahm, war die Stadt hier einfach fertig, und das Brünnengut machte einen etwas versifften Eindruck.» Nun sei man plötzlich mitten in der Stadt, und der Park stelle einen wertvollen Grüngürtel dar.
Mit seiner achtjährigen Tochter und dem fünfjährigen Sohn habe die Familie das Rollerbladen auf den neu angelegten Wegen entdeckt. Auch der Sandkasten stehe hoch im Kurs. Hofers Lieblingsort aber ist die Lindenallee mit ihren 200 Bäumen. Gleich daneben befindet sich der Sportplatz. Darauf wird der FC Bethlehem seine Matchs austragen. Aber nicht nur: «Die Wiese wird für alle offen stehen, wenn der Club sie nicht belegt oder sie nicht witterungsbedingt gesperrt ist.»
Der Park erfüllt, darin sind sich Stucki und Hofer einig, mit Stolz. Hofer schwärmt: «Mit seinen 5,5 Hektaren ist das Brünnengut die zweitgrösste Parkanlage der Stadt – und sie befindet sich im Westen.» Stucki hofft, «dass die Freude in der Bevölkerung anhält und dass die Anlage zu einem identitätsstiftenden Ort werden kann». (Berner Zeitung)
Erstellt: 30.07.2010, 07:51 Uhr
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