Ein glühend heisser Pyro-Funken flog in seinen Nacken
Von Tobias Habegger. Aktualisiert am 09.12.2011 49 Kommentare
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Polizeiaufgebot für YB-Spiele ging zurück
Zum zweiten Mal in Serie ging das Polizeiaufgebot rund um die YB-Spiele im Stade de Suisse zurück. Zwar gibt der Stadtberner Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) keine genauen Zahlen bekannt. Doch er sagt: «Der Trend der letzten Jahre hat sich bestätigt. Das Polizeiaufgebot rund um YB-Spiele konnte erneut verkleinert werden.»
Reto Nause begründet den Rückgang des Polizeiaufgebots mit der strikten Fantrennung. «Der neue Fanzaun zwischen Stade de Suisse und S-Bahn-Station Wankdorf tut gute Dienste», sagt Reto Nause. Bereits im Jahr 2010 war der Polizeiaufwand rund ums Stade de Suisse um 15 Prozent auf 29644 Einsatzstunden gesunken.
Gestern Donnerstag hat der Gemeinderat mitgeteilt, er begrüsse die geplante Anpassung des Konkordats über Massnahmen gegen Gewalt bei Sportveranstaltungen, die von der Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren initiiert wurde. Das Kernstück ist die Einführung einer Bewilligungspflicht für Fussball- und Eishockeyspiele.
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Ein Pfeifkonzert ertönte am Sonntagnachmittag im Stade de Suisse, als einige vermummte YB-Ultras in der Ostkurve mehrere Pyrofackeln zündeten. So deutlich hörbar wie im letzten YB-Heimspiel gegen Sion hatte sich das Publikum im Wankdorfstadion nie zuvor gegen das Abbrennen von Pyrotechnik geäussert. «Die Unzufriedenheit vieler Zuschauer über die kleine Gruppe in der Fankurve, die Pyros zünden, ist stark gewachsen», sagt YB-Sprecher Albert Staudenmann.
Als ob es die pfeifenden Pyrogegner unter den Zuschauern geahnt hätten, trat just an diesem Nachmittag ein, wovor Sicherheitsleute und Behördenvertreter seit vielen Monaten gewarnt hatten: Ein unbeteiligter Zuschauer wurde laut Polizeimitteilung «schwer» durch Pyrotechnik verletzt. Der Jugendliche erlitt eine fünflibergrosse Verbrennung dritten Grades im Halsbereich. «Er wird sich voraussichtlich einer Operation unterziehen müssen», schreibt die Polizei.
Der Verletzte verfolgte die Partie im YB-Fansektor in der Ostkurve. Ein glühend heisser Funken einer Pyrofackel flog in seinen Nacken. Diese Fackeln werden bis zu 1000 Grad heiss. «Wegen der Kleider dauerte es eine Weile, bis jemand den Funken entfernen konnte», sagt Albert Staudenmann. Im Sanitätszimmer des Stadions erhielt der Verletzte Erste Hilfe. Die Eltern brachten ihn später ins Tiefenauspital, von dort wurde er ans Inselspital verwiesen.
Polizei droht mit Pranger
Gemäss Albert Staudenmann hat das Opfer Anzeige gegen unbekannt gemacht. Die Kantonspolizei hat die Videoaufnahmen des Stade-de-Suisse-Sicherheitsdienstes konfisziert. «Der Täterschaft droht eine Anzeige wegen schwerer Körperverletzung», sagt Polizeisprecherin Daniela Sigrist. «Sollte sich die Täterschaft nicht stellen oder der Zeugenaufruf erfolglos bleiben, stellen wir Bilder des Täters ins Internet.»
Die Fanarbeit Bern bedauert den Vorfall. «Er wird intern aufgearbeitet», sagt Fanarbeiterin Alexandra Herren. «Uns liegen inoffiziell andere Angaben über die Fakten vor, als sie in der Medienmitteilung der Polizei vermeldet wurden.» Diese Aussage wolle sie nicht konkretisieren.
«Wir wünschen dem Opfer gute Besserung», sagt YB-Sprecher Albert Staudenmann. «Ein paar unverbesserliche Zuschauer im Stade de Suisse wollen einfach nicht einsehen, dass Pyros gefährlich und verboten sind.» Dieser Gruppe sei nur mühsam Herr zu werden, sagt Albert Staudenmann. «Die Täter sind offenbar zu fast allem bereit, um Fackeln ins Stadion zu schmuggeln. Und im Fansektor erhalten sie den Schutz der Masse, die sich teilweise mit ihnen solidarisiert.» Derzeit seien 67 Stadionverbote gegen YB-Fans in Kraft gesetzt. «Fast alle grossen Ligen in Europa kennen im Moment das Problem mit den Pyros», sagt Albert Staudenmann. «Aber offensichtlich gibt es kein Patentrezept zur Lösung. Es braucht die Unterstützung der Behörden.»
Dafür hat der Stadtberner Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) kein Gehör: «Die Liga und die Klubs sollen zuerst ihre Mittel ausschöpfen, bevor sie den Staat um Hilfe rufen», sagt er. Als taugliches Mittel zur Pyrobekämpfung sieht Nause den jüngsten Vorstoss der Zürcher Grasshoppers, der einen Spielabbruch fordert, sobald im Stadion eine Fackel gezündet wird. Diesen Vorschlag hat die Swiss Football League vor kurzem abgelehnt. «Das ist der total falsche Weg», sagt Nause. (Berner Zeitung)
Erstellt: 09.12.2011, 07:01 Uhr
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