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Ein Pionier mit vielen Facetten

Von Stefanie Christ / Stefan Schnyder. Aktualisiert am 13.05.2009

Der gebürtige Bieler Maurice E. Müller war ein Pionier: Als Professor für Chirurgie entwickelte er die Hüftgelenkprothese, als Kunstmäzen realisierte er das Zentrum Paul Klee. Am vergangenen Sonntag ist er 91-jährig gestorben.

Der Mäzen vor seinem Museum: Maurice E. Müller posierte 2005 vor den Wellen des Zentrums Paul Klee.

Urs Baumann

«Er war ein echter Zaubermeister»

«Der Tod von Maurice E. Müller stimmt mich persönlich sehr, sehr traurig. Er war ein grossartiger Mensch, äusserst grosszügig, herzlich und humorvoll. Trotz seines Geldes lebte er immer bescheiden und verzichtete auf Statussymbole. Ich lernte ihn 1998 kennen und arbeitete elf Jahre lang intensiv mit ihm zusammen. Der Mann war ein Macher. Einer, der die Fähigkeit hatte, Visionen und die konkrete Ausführung unter einen Hut zu bringen. Bei der Realisation des Zentrums Paul Klee beschränkte er sich ganz aufs Strategische. Er gab uns Projektverantwortlichen viele kreative Impulse, überliess das operative Geschäft jedoch gänzlich uns. Er war einer, der zu keinem Zeitpunkt einfach dreinredete. Maurice E. Müller konnte enorm gut zuhören, die richtigen Fragen stellen und sich engagiert in den Entstehungsprozess einbinden. So hatte er beispielsweise die Idee, das Auditorium sowohl für Konzerte als auch für Vorträge einzurichten und zu gestalten. Wir fanden diese Idee ebenfalls gut und setzten sie um. Er hatte uns jedoch zu keiner Zeit dazu aufgefordert, dies zu tun. Wir hätten es auch bleiben lassen können. Maurice E.Müller stand immer voll hinter der Sache. Er wollte kein gewöhnliches Kunstmuseum, sondern ein Kulturzentrum, in dem auch junge Menschen ihren Platz haben. Mit dem Tod von Maurice E.Müller verliert Bern eine faszinierende Persönlichkeit mit einem grossen Herzen.»

Andreas Marti (68), ehemaliger Direktor des Zentrums Paul Klee


«Maurice Müller war ein faszinierender Mensch, sehr inspirierend. Er sprühte vor Ideen. 1966 kamen wir zusammen an die Universität Bern, wo wir eng zusammenarbeiteten. Von da an waren wir eng befreundet. Mitte der Achtzigerjahre fragte er mich, ob ich mich als Vizepräsident und Sekretär seiner Fondation Maurice E. Müller engagieren würde.

Maurice hat sich enorm dafür eingesetzt, dass sein Werk weiterlebt. Er legte viel Wert auf die Schulung von Orthopäden in der ganzen Welt. Das ist ein grosses Verdienst, ebenso wichtig wie die Erfindung der Hüftprothese.

Ein Erlebnis, das mir besonders in Erinnerung geblieben ist? Einmal haben wir gejasst, vier von der Fakultät. Maurice und ich spielten zusammen und gewannen prompt in zwei Spielen – da ist wohl nicht alles mit rechten Dingen zugegangen. Maurice war ein echter Zaubermeister mit Karten und Ringen. Seine Fingerfertigkeit war faszinierend, das zeigte sich auch beim Operieren. Er hatte stets mehrere Instrumente gleichzeitig in der Hand.

Noch lange nach seiner Pensionierung hat er weiteroperiert. Und auch später blieb er unermüdlich, bildete Orthopäden aus und schrieb Bücher. Die Idee mit dem Klee-Zentrum brachte für ihn eine grosse Veränderung. Da konnte er nochmals einen grossen Wurf tun – diesmal in der Förderung der Kultur zusammen mit seiner Frau.»

Ewald R. Weibel (80), emeritierter Professor für Anatomie an der Uni Bern und langjähriger Vizepräsident der Fondation Maurice E. Müller.

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«Bis zu unserem Plan, ein Museum zu gründen, verstand ich von Paul Klees Werk wenig», sagte Maurice Edmond Müller vor einem Jahr anlässlich seines 90.Geburtstags gegenüber dieser Zeitung. Exakt zehn Jahre vorher, am 28.März 1998, wohnte er an seinem Geburtstag einem Konzert im Kunstmuseum Bern bei. Kaum war dieses beendet, musste die Festgesellschaft den Saal räumen, weil anschliessend eine Diskussion um die Zukunft der Klee-Bilder stattfand. In diesem Moment wurde die Idee vom Paul-Klee-Zentrum geboren. Auch der Standort für das Museum stand für Müller bald fest: im Berner Schöngrün, dort, wo seine Familie bereits seit 1968 lebte.

Parallelen zu Klee

«Es gibt viele Menschen, die viel reicher sind als ich. Leider bleiben manche auf ihrem Geld sitzen», erklärte er letztes Jahr sein Engagement als Kunstmäzen. Er investierte 70 Millionen und einen Teil seines Grundstücks in den Bau des Zentrums Paul Klee (ZPK), das 2005 eröffnet wurde. Obwohl er vor allem durch seine Frau Martha Müller-Lüthi Zugang zum Werk des Künstlers fand, verband ihn einiges mit Klee. So war Müller, der als Chirurg vor seinen Operationen jeweils Skizzen machte, begeistert von Klees Vorgehensweise beim Malen: Der Berner dokumentierte sein Schaffen minutiös und genau wie ein Wissenschaftler. Nicht nur Müllers Interesse an Paul Klee, auch die Wahl des Architekten für den Bau des ZPK ist auf seine Ehefrau Martha zurückzuführen, die im April 2007 83-jährig verstarb. Sie setzte sich mit dem Werk des Stararchitekten Renzo Piano auseinander.

Für sein Engagement erhielt das Ehepaar Müller 2006 von der Stadt Bern das Ehrenbürgerrecht. Maurice E. Müller war aber in erster Linie Chirurg. Dank seines Erfindergeistes revolutionierte er die orthopädische Chirurgie. Der gebürtige Bieler arbeitete nach seinem Studium als Oberarzt an der Orthopädischen Universitätsklinik in Zürich. 1960 wurde er Chefarzt am Kantonsspital St.Gallen. Von 1963 bis 1980 war er Professor für Orthopädie an der Universität Bern und Direktor der Universitätsklinik am Inselspital. Die Inspiration, Knochenbrüche mit Schrauben und Platten zu fixieren, hatte er im Jahr 1944: Er traf einen deutschen Soldaten, der während des Weltkrieges den Oberschenkel gebrochen hatte. Das Spezielle daran: Der Armeearzt hatte die gebrochene Stelle mit Nägeln fixiert. Müller gründete 1958 in Biel mit Chirurgen die Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen, welche 1959 in Davos ein Forschungsinstitut eröffnete.

Parallel dazu startete Maurice Müller eine Kooperation mit Robert Mathys, der in Bettlach eine Fabrik zur Herstellung von Uhrenbestandteilen betrieb. Innert wenigen Monaten entwickelten die beiden die Basisinstrumente für die operative Behandlung von Knochenbrüchen. Ein Eingriff mit Schrauben und Platten galt damals noch als revolutionär und risikoreich.

Die neue Methode setzte sich schliesslich durch. Vom Siegeszug profitierten auch die Firmen Mathys in Bettlach und Straumann in Waldenburg, die ebenfalls das Recht hatte, die von der Stiftung entwickelten Instrumente herzustellen.

In den USA dagegen hatte die Methode einen schweren Stand. Die Chirurgen misstrauten der Stiftung. 1977 begann in den USA eine neue Ära: Der Berner Ingenieur Hansjörg Wyss übernahm 1977 die Führung von Synthes USA und baute bald darauf in den USA ein Produktionswerk. Wyss begnügte sich schliesslich nicht mehr nur mit dem US-Markt: Er kaufte schliesslich die Orthopädieabteilungen von Straumann und Mathys und ist heute 9- bis 10-facher Milliardär.

Erfolg mit Prothesen

Während andere mit den von Müller entwickelten Orthopädieinstrumenten reich wurden, machte der zwölffache Ehrendoktor sein Geld mit einer weiteren Erfindung: Er gründete 1967 mit anderen Orthopäden die Firma Protek. Sie hatte den Zweck, die von Müller erfundene Hüftgelenkprothese weiterzuentwickeln und zu vermarkten. Die Gewinne flossen ab 1974 in die Fondation Maurice E. Müller, welche unter anderem die Ausbildung, Forschung und Dokumentation der Orthopädischen Chirurgie der Universität Bern finanzierte. 1990 wurde die Protek AG an die damalige Sulzer Medica verkauft.

Trotz seiner Verdienste ist Müller stets bescheiden geblieben: Er betonte, dass er sich trotz seiner intensiven Beschäftigung mit dem Werk von Paul Klee keinesfalls zu einem Kunstwissenschaftler entwickelt habe, einzig über die Chirurgie «weiss ich wohl ein bisschen etwas». (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.05.2009, 08:04 Uhr

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