Mühleberg

Ein Betondenkmal staut die Aare

MühlebergDas Wasserkraftwerk Mühleberg – ein über 90-jähriges Bauwerk aus Stahlbeton – würde einem schweren Erdbeben standhalten. Dies erklärten die BKW-Vertreter beim Besuch am Europäischen Denkmaltag.

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Hier also wird Strom produziert. In der kreisrunden Kammer im Innern des Wasserkraftwerks Mühleberg wirbelt die Luft Jacken und Haare durcheinander. Unten dreht sich eine der sechs 90 Jahre alten Francis-Turbinen des Wasserkraftwerks Mühleberg. Im Zentrum des Raumes mit etwa 5 Metern Durchmesser steigt eine rotierende Achse empor zum Generator über den Köpfen der Besuchenden. 6000 Kilowattstunden Strom entstehen hier pro Tag – zusammen mit den fünf anderen Maschinen genug, um 30'000 Haushalte mit Energie zu versorgen.

Mehrere Stockwerke tiefer, am tiefsten Punkt des Maschinenhauses und am Grund der Staumauer, wachsen Stalaktiten von der Gewölbedecke, und unter einem Steg liegt still das Grundwasser. Hier lässt sich ablesen, wie einst gebaut wurde: keine Bogenmauer wie bei den meisten grossen Mauern in den Alpen, sondern: «Es wurde eine solche Masse von Beton verbaut, dass das Wasser die Mauer nicht wegputzen kann», sagt der Architekturhistoriker Dieter Schnell.

Das Kraftwerk wurde erdbebensicher gebaut

Die Technik scheint zu funktionieren. Jeden Monat wird die Staumauer genau vermessen. Das Resultat: Sie steht fest und unverrückbar. «Die Ingenieure haben errechnet, dass die Mauer auch einem Erdbeben standhält, wie es nur alle 10000 Jahre einmal vorkommt», erklärt Norbert Bessire von den BKW, der die Besuchergruppe am Europäischen Tag des Denkmals vom Samstag durch das Kraftwerk führt.

Dies ist umso wichtiger, weil nur zwei Kilometer unterhalb der Staumauer das in die Jahre gekommene Atomkraftwerk Mühleberg steht. Käme es zu einem Dammbruch, könnte es zu einer Atomkatastrophe kommen. Wie zuverlässig aber würde das Wehr etwa einem Flugzeugabsturz oder einem terroristischen Anschlag standhalten? Bessire weicht aus: «Es gibt in der Technik keine hundertprozentige Sicherheit.»

Erbaut wurde das Wasserkraftwerk Mühleberg zwischen 1917 und 1920, «zur Zeit des Krieges und wirtschaftlicher Not», wie eine Gedenktafel unter dem Giebel des Gebäudes mitteilt. Doch es sei auch «ein Denkmal der Tatkraft und Pflichttreue der leitenden Männer und der Arbeiter», so die Inschrift weiter.

Nach den Gräueln des ersten Weltkrieges herrschte in Europa Aufbruchstimmung und Glaube an den Fortschritt. Dies widerspiegelt die Architektur des Gebäudes. Eine majestätische Fassade im klassizistischen Stil staut den Wohlensee. Und der 122 Meter lange Maschinensaal erinnert an das Schiff einer Kathedrale, in welcher dem Fortschritt gehuldigt wird. Der Bau des Wasserkraftwerkes wurde damals nötig, weil in jener Zeit immer mehr Haushalte ans Stromnetz angeschlossen wurden.

Das Bauwerk bekennt sich zum Beton

Das Kraftwerk war eines der ersten Bauwerke in der Region, das vom Fundament bis zum Giebel aus Stahlbeton gebaut war und sich ungeniert zum wenige Jahre zuvor erfundenen Baustoff bekannte. Andere Gebäude, die wenig früher erstellt wurden, etwa das Stadttheater Bern, verwendeten zwar auch Beton, «aber man tat alles, um ihn zu verstecken, denn Beton galt als Billigmaterial», sagt Architekturhistoriker Schnell.

Allerdings: Ganz konsequent war man auch in Mühleberg nicht. Einigen Elementen, vor allem den Fensterumrandungen, versuchte man auch hier einen etwas edleren Anstrich zu geben. Man bearbeitete den rohen Beton mit dem Meissel und fügte – technisch überflüssige – Fugen hinzu. Doch man braucht ein geschultes Auge, um die kleine Mogelei zu entlarven.

«Stein und Beton» hiess das Motto des Denkmaltages, bei dem Gebäude und Objekte in der ganzen Schweiz zu besichtigen waren. Marc Wehrli, Präsident des Berner Heimatschutzes Region Bern-Mittelland, der für die Veranstaltung in Mühleberg verantwortlich war, begründet: «Wir wollten das Interesse an der gebauten Kultur und am Geist der Zeit, in der sie entstand, wecken.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.09.2012, 11:07 Uhr

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