ETH-Experte: «Der Ausbau des Bahnhofs ist nicht revolutionär, aber zweckmässig»
Von Wolf Röcken. Aktualisiert am 06.07.2011 22 Kommentare
Professor Ulrich Weidmann begleitete die Planung. (Bild: zvg)
Zur Person
Ulrich Weidmann ist ETH-Professor und Experte für Verkehrsfragen. In einer Studie hatte er 2009 die damaligen Ausbaupläne mit einem Bahnhof auf drei Stockwerken massiv kritisiert. Die Kosten von 2,4 Milliarden Franken seien dem Nutzen nicht angemessen, lautete seine Kritik – die Planer mussten über die Bücher. Ab 2009 begleitete Weidmann die Planung mit dem Auftrag, das Vorgehen einzuordnen und zu beurteilen.wrs
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Ulrich Weidmann, was hat aus Ihrer Sicht den Knoten beim komplexen Projekt «Ausbau des Berner Bahnhofs» gelöst?
Ulrich Weidmann: Grundsätzlich gab es eine Reihe Rahmenbedingungen, welche die Planung rund um den Bahnhof Bern nicht einfach machen. Letztlich haben wohl zwei Entscheide zum Durchbruch verholfen: einerseits der Entscheid, die SBB-Perronhalle seitlich zu erweitern. Das führt zum gleichen Effekt wie ein SBB-Tiefbahnhof, ist aber viel billiger und im Betrieb einfacher. Somit liegen künftig alle SBB-Gleise auf dem gleichen Niveau. Diese Erweiterung wird alle beteiligten Partner langfristig freuen.
Und der zweite Punkt?
Das ist aus meiner Sicht der Verzicht darauf, die RBS-Schmalspurlinie südlich in Richtung Köniz und Schwarzenburg zu verlängern. Diese beiden Entscheide haben Luft gegeben im Gesamtkonzept.
Mit Ihrer Kritik hatten Sie
wesentlichen Einfluss auf das nun vorliegende Gesamtkonzept. Entspricht es jetzt Ihren Vorstellungen?
Die Kritik aus meinem Gutachten aus dem Jahr 2009 ist aufgenommen worden. Die Stärken der bis dahin gemachten Arbeiten wurden aber nicht aufgegeben. Das scheint mir ein guter Weg. Die Lösungsansätze sind jetzt vielleicht nicht revolutionär, aber dafür zweckmässig. Und es entstehen Kosten, die zu verantworten sind. Für Fahrgäste sind letztlich nicht Äusserlichkeiten wichtig, sondern die Zweckmässigkeit der Anlagen.
Für die Erweiterung des RBS-Anlage liegen jetzt zwei Varianten vor. Welche ist Ihrer Meinung nach die bessere?
Zuerst einmal: Es ist wichtig, dass beide Varianten im Vorprojekt nun parallel vertieft werden, denn es braucht noch Abklärungen. Was Kosten und Nutzen angeht, sind beide Möglichkeiten vergleichbar. Die Verantwortlichen müssen einen Zeitpunkt festlegen, an dem entschieden wird, welche Variante gebaut wird. Aus meiner Sicht hat die Erweiterung des bestehenden RBS-Bahnhofs gewisse spezifische Stärken: Hier haben die Passagiere Zugang zu den zentralen Einrichtungen im Bahnhof, die Anlage bliebe kompakt, und es gäbe kurze Wege. Zudem wäre dieser Ausbau terminlich nicht mit der Westpassage gekoppelt.
Der Bahnhof liegt in einer Kurven- und in einer Hanglage. Inwiefern sind dadurch die Ausbaumöglichkeiten beschränkt?
Sagen wir es so: Es ist nicht die Hauptschwierigkeit. Knacknüsse sind eher die engen Verhältnisse in der Ostzufahrt, also in der Lorraine, die Höhenlage über der Aare sowie die zwei verschiedenen Spurweiten in Bern.
Der Bahnhof Bern wird etappiert ausgebaut. Ist der Zeitplan realistisch?
Nach den Sommerferien beginnen die Parteien mit den Arbeiten für das Vorprojekt. Einen Baustart im Jahr 2016 halte ich daher für realistisch.
Nur eine Option bleibt die Wendeschlaufe Länggasse. Welche Vorteile würde sie bringen?
Meiner Meinung nach muss man diese Option einfach planerisch sichern, bis klar ist, ob und wie die östliche Einfahrt, also der Lorraineviadukt, erweitert werden kann. Nur wenn dies nicht möglich ist, etwa wegen der Platzverhältnisse in der Lorraine und bei der Reitschule, macht eine solche Wendeschlaufe überhaupt Sinn. Im Moment würde ich planerisch nichts veranlassen.
(Berner Zeitung)
Erstellt: 06.07.2011, 08:34 Uhr
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22 Kommentare
Es ist unglaublich! In Bern muss man immer über alles jammern! Ihr seit doch alle auch froh wenn ihr mehr Platz im Bahnhof habt und nicht alles immer so eng ist. Ich benutze den Bahnhof Bern jeden Tag - zu Stosszeiten ist es unerträglich. Nicht jammern, sondern das Projekt unterstützen. Wenn der Bahnhof so ausgebaut wird, dann reicht das für die nächsten 100 Jahre und alle sind zufrieden. Antworten
Entschuldigung Herr Breudel der Planungshorizont geht bis ca. 2035 + frühester Baustart ist 2016. Da ist der Hinweis auf den letzten Umbau wohl überflüssig. Im Übrigen sind sie wohl nicht allzu häufig zu Stosszeiten in der Unterführung des Bhf. Bern anzutreffen oder? Antworten
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