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Drei Schritte zur Selbstständigkeit

Von Laura Fehlmann. Aktualisiert am 15.04.2011

Die Stiftung Freier Leben begleitet geistig Behinderte in ein eigenständiges Leben. Heute feiert sie ihr 25-jähriges Bestehen.

Wie im trauten Familienkreis: (von links) Thomas Gäumann, Thanushan Kamtham, Betreuerin Arlette Born, Marco Breitenbach, Silvia Reuteler, Claudio Buletti, Yvo Hürzeler, Jean-Jacques Walliser mit ihrem Schutzengel.

Wie im trauten Familienkreis: (von links) Thomas Gäumann, Thanushan Kamtham, Betreuerin Arlette Born, Marco Breitenbach, Silvia Reuteler, Claudio Buletti, Yvo Hürzeler, Jean-Jacques Walliser mit ihrem Schutzengel.
Bild: Stefan Anderegg

Kurz nach 17 Uhr wird es am Niesenweg 12 lebendig. Die Bewohner kommen von der Arbeit in ihre Gruppe zurück. Die einen verrichten mit einer Arbeitsgruppe Gartenarbeit, andere arbeiten als Hilfskraft in einem Handwerksbetrieb. Der 20-jährige Ivo Hürzeler hat an diesem Tag Heimleiterin Arlette Born bei der Hausarbeit unterstützt. Die geistig leicht behinderten, jungen Männer und Besucherin Silvia Reuteler sind gut gelaunt. Thanushan Kamtham ist gesprächig: «Es war heiss. Wir haben den Rasen belüftet und gemäht.» Er ertrage Hitze aber vermutlich besser als andere, meint der 22-Jährige mit Anspielung auf seine Herkunft Sri Lanka.

Die Stiftung Freier Leben bietet in Münsingen 20 Plätze in zwei Häusern und in einer Aussenwohngruppe. Nach dem Austritt aus einer der Einrichtungen gibt es die Möglichkeit, in einer eigenen Wohnung zu leben, mit individueller Betreuung.

Ziel: Eigenständigkeit

Der Name sagt es: Die Stiftung bezweckt, dass geistig Behinderte mit einem Maximum an Eigenständigkeit und damit freier leben können. «Wir versuchen, die Selbstständigkeit so gut wie möglich zu fördern», sagt Heimleiterin Arlette Born, die seit über 20 Jahren mit jungen Menschen zusammenlebt. «Wir leben wie in einer Familie und reden offen über alle anstehenden Themen», sagt sie. Abends geht sie nach Hause, die jungen Männer bleiben allein. Das könne ab und zu Komplikationen mit sich bringen, sagt Born, aber: «Meistens halten sie die Hausregeln gut ein.»

Thanushan Kamtham erzählt, wie für ihn ein ganz normaler Morgen aussieht: «Wir müssen selbstständig aufstehen, Frühstück machen, essen, aufräumen und zur richtigen Zeit arbeiten gehen.» Findet einer der jungen IV-Bezüger keinen Job, wird er in der internen Arbeitsgruppe aufgefangen. «Wir bieten Beschäftigung, helfen aber auch bei der Jobsuche», sagt Arlette Born. Die Erfolgsquote stimmt sie zufrieden: Etwa 65 Prozent der Bewohner gelingt der Sprung in eine selbstständige Existenz. Einige schaffen es bis zur eigenen Wohnung, brauchen aber noch Unterstützung, beispielsweise in administrativen Belangen. Diese Begleitung nach individuellem Bedarf ist die dritte Stufe des Angebotes von Freier Leben (siehe Kasten).

1986 gestartet

Die Stiftung Freier Leben wurde 1986 vom Sozialpädagogen Hans-peter Frey gegründet. Er startete das Projekt mit drei Jugendlichen. Das Angebot von Freier Leben ist kontinuierlich gewachsen. Meist werden die Bewohner von der IV oder von Heimen zugewiesen. Nach zwei Schnupperwochen und einer dreimonatigen Probezeit können sie sich zum Bleiben entscheiden.

Die Aufenthaltsdauer beträgt durchschnittlich fünf Jahre. In den Wohngruppen werden nur Männer aufgenommen. Dies sei einfacher, gebe es doch keine Nacht- und Wochenendbetreuung und pro Wohnung nur ein Badezimmer, erklärt Arlette Born. Allerdings hätten sich auch Ausnahmen ergeben: In der Aussenwohngruppe wohnt ein Paar mit Baby. (Berner Zeitung)

Erstellt: 15.04.2011, 07:04 Uhr

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