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Dieser Spion fährt in vielen Zügen mit

Von Mirjam Comtesse. Aktualisiert am 30.07.2012

Die Ascom ist in Bern Geschichte. Aber es gibt noch ein Überbleibsel aus der stolzen Firmentradition: die Hasler Rail AG, die zur Ascom-Vorgängerin Hasler Holding gehörte. Sie produziert in Bümpliz Fahrtenschreiber für Züge. Heuer wird sie 125 Jahre alt.

Eine Teloc 1500: Das Gerät der Hasler Rail AG wird weltweit als Fahrtenschreiber in Zügen eingesetzt. In Bümpliz
produzieren rund 100 Mitarbeiter die Blackbox und sorgen dafür, dass sie ständig besser wird.

Eine Teloc 1500: Das Gerät der Hasler Rail AG wird weltweit als Fahrtenschreiber in Zügen eingesetzt. In Bümpliz produzieren rund 100 Mitarbeiter die Blackbox und sorgen dafür, dass sie ständig besser wird.
Bild: Stefan Anderegg

CEO Alexandre Grêt (Bild: Stefan Anderegg)

Wenn irgendwo auf der Welt ein Zug verunglückt, dann ist die Chance gross, dass man in Bümpliz als Erstes weiss, wo der Fehler lag. Die Hasler Rail AG, die in der Bodenweid bei der Ascom eingemietet ist, produziert für die ganze Welt sogenannte Blackboxes. Bei einem Unfall bringen die Ermittler den Unfallrekorder zurück zum Herstellungsort. Hier werden die Daten wie etwa Sprachaufnahmen, die Geschwindigkeit und die zurückgelegte Strecke ausgewertet. «Wir sind wie ein Spion, der in einem Zug mitfährt», sagt Charles Mosimann, Leiter Geschäftsentwicklung und Produktentwicklung. Und er betont: «Oft können wir die Lokführer schützen, weil unsere Fahrtenschreiber zeigen, dass sie alles richtig gemacht haben.»

Die Hasler-Rail-Blackboxes sorgen auch dafür, dass das sogenannte Totmann-Pedal funktioniert. Wenn ein Lokführer dieses Pedal loslässt und auf weitere Signale nicht reagiert, dann leitet das Computersystem automatisch eine Notbremsung ein. Denn man geht in diesem Fall davon aus, dass der Lokführer ohnmächtig geworden oder zusammengebrochen ist.

Deutsches Produkt verbessert

Die Hasler Rail hat ihre Wurzeln im ehemaligen Hasler-Imperium. Der später daraus hervorgegangene Ascom-Konzern kündigte im vergangenen Juli an, seinen letzten Berner Geschäftsbereich aufzugeben. Damit ist nun die Hasler Rail das letzte Überbleibsel der einst stolzen Firmentradition in der Bodenweid.

Ihre Geschichte beginnt 1887. In diesem Jahr startet die Telegraphenwerkstätte von G.Hasler damit, einen Geschwindigkeitsmesser für Lokomotiven zu produzieren. Es handelt sich um keine hausinterne Erfindung – der Deutsche B.Hausshälter hat einen solchen Apparat bereits konstruiert. Gustav Adolf Hasler kauft ihm die Rechte daran ab und vervollkommnet ihn 1891: Das neue Gerät namens «System Hasler» kann nicht nur die Geschwindigkeit eines Zuges messen, sondern auch die Zeit und den zurückgelegten Weg registrieren. Die erste Blackbox für einen Zug ist geboren. «Auch das alte Dampftram, das in Bern noch fährt, läuft mit einer solchen Box», erzählt Charles Mosimann.

Schon bald liefert die inzwischen Hasler AG Bern genannte Firma das Gerät ins Ausland: Bis 1935 werden weltweit rund 50'000 Stück verkauft. Heute verschickt das Unternehmen jährlich ungefähr 1500 bis 2000 Blackboxes in die verschiedensten Länder. Der Exportanteil beträgt um die 95 Prozent. Aber auch die meisten SBB-Züge fahren laut Mosimann mit Hasler-Fahrtenschreibern. Sie tragen den Markennamen Teloc. Er setzt sich zusammen aus «Tel» von Telegraphenwerkstätte und «loc» wie Lokomotive.

«So bedeutend wie Coca-Cola»

1987 fusioniert die Hasler AG mit der solothurnischen Autophon AG – die ihrerseits 1984 die Berner Gfeller AG erworben hat – und der Zellweger Communications AG zur Telekommunikationsfirma Ascom. Das Unternehmen beginnt schon bald zu restrukturieren: 1991 verkauft es die Abteilung Bahnmesstechnik an die Genfer Firma Sécheron. Der Markenname Hasler verschwindet vom Markt. Ein Fehler, sagt Mosimann: «Der Name Hasler ist in der Eisenbahnwelt gleich bedeutend wie Coca-Cola in der Konsumwelt.»

Man erkennt das Missgeschick: 2005 gründet Sécheron eine Holding, in der die Hasler Rail AG als eigenständiger Zweig operieren kann. «Den Namen Hasler AG durften wir leider nicht verwenden, weil die Hasler-Stiftung dagegen war», sagt Mosimann. Deshalb heisst das Unternehmen heute Hasler Rail AG.

Sichere Arbeitsplätze in Bern

Die Firma feiert dieses Jahr den 125.Geburtstag. Das Jubiläum geht einher mit einer technischen Neuerung: Im September kommt der neue Rekorder Hasler Teloc 3000 heraus. «Er verhält sich zu den bisherigen Modellen wie ein Nokia-Handy zu einem Smartphone», meint Charles Mosimann stolz.

Kein Thema sei, das Geschäftsfeld auszuweiten und Blackboxes für Autos oder Flugzeuge herzustellen: «In einem Flugzeug herrschen ganz andere physikalische Bedingungen», erklärt der Leiter Geschäftsentwicklung und Produktentwicklung. «Und im Massenmarkt Automobil muss alles möglichst günstig sein.» Eine Firma, die wie Hasler Rail auf Qualität setzt statt auf Quantität, kann da nicht mithalten. Eines ihrer Geräte kostet immerhin bis zu 10'000 Franken.

CEO Alexandre Grêt sieht trotz herausfordernder Wirtschaftslage optimistisch in die Zukunft. Detaillierte Zahlen gibt das Unternehmen zwar keine bekannt, doch er verrät: «Der Umsatz ist stabil.» Deshalb seien auch die Arbeitsplätze der rund hundert Mitarbeiter in Bern langfristig gesichert. (Berner Zeitung)

Erstellt: 30.07.2012, 12:13 Uhr

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