Die meisten haben sich an das Tram gewöhnt
Von Hannah Einhaus. Aktualisiert am 22.03.2011 5 Kommentare
«Nicht genügend Parkplätze»: Dem SVP-Grossrat Thomas Fuchs reichen die Parkmöglichkeiten an der Endstation der Bümpliz-Linie nicht. (Bild: Urs Baumann)
Bernmobil betreibt die Tramlinien 7 und 8 nach Bümpliz und Brünnen seit genau 100 Tagen. «Bisher ist alles glattgelaufen», sagt Sprecherin Annegret Hewlett auf Anfrage. «Wir hatten keine Reklamationen.» Das ist fast zu schön, um wahr zu sein, Hewlett wundert sich selbst. Nach dem Hagel an Kritik wegen des Quietschtrams Richtung Fischermätteli ist das Balsam. Doch was sagen andere Verkehrsteilnehmer und Anwohner? Eines vorweg: Das Tram ist nach 100 Tagen gut angekommen, leise Kritik kommt vonseiten der Autofahrer.
«Einfach cool», lautet der erfrischend undiplomatische Kommentar des EDA-Mitarbeiters Christian Wymann am Europaplatz. Bisher war er ein überzeugter Nutzer der drei S-Bahn-Linien von Ausserholligen stadteinwärts. «Jetzt kann ich ins Tram steigen und direkt ins Stadtzentrum fahren, statt umständlich im Hauptbahnhof vom hintersten Perron dorthin zu gelangen.» Neu fahre er über Mittag auch ins Westside, nur wenige Tramminuten weiter vom Büro entfernt als die Innenstadt.
«Reibungslose Umstellung»
Die Berner Sektion des Verkehrsclubs Schweiz (VCS) äussert sich positiv. «Die Umstellung zweier Bus- auf Tramlinien war gross», sagt Sprecher Jochen Faber, «doch sie erfolgte reibungslos.» Das Tram bewähre sich. Es biete mehr Platz und sei zuverlässiger im Fahrplan. Von der Bevölkerung seien ihnen keine negativen Rückmeldungen zu Ohren gekommen. Dasselbe Echo kommt vom Holliger Quartierverein QM3. Dieser war in den letzten Wochen vor allem mit dem Quietschtram beschäftigt. Für die neue Tramstrecke zwischen Lory- und Europaplatz sind laut Geschäftsführer Marc Niklaus keine Rückmeldungen eingetroffen. Die Lärmbelastung sei auf dieser Strecke gleich geblieben.
Der Quartierverein Bümpliz-Bethlehem hat die Reaktionen der Bevölkerung auf das neue Tram gründlich abgeklärt. Bei einer Umfrage sind laut Geschäftsführerin Nathalie Herren 86 Rückmeldungen gekommen. Der gesteigerte Sitzkomfort hat viele Pluspunkte geholt. Baulich gebe es punktuell Kritik: hier eine zu kurze Ampelschaltung, dort ein fehlendes Wartehäuschen oder missverständliche Strassenmarkierungen.
Milde Kritik von Autoseite
Nicht zufriedenstellend ist die Lösung mit den Überholmöglichkeiten für Autos. Dies jedenfalls sagt Ünlü Rifat von Bümpliz Taxi. Stellenweise habe er heute längere Wartezeiten an der Ampel. «Einige Kunden haben schon einen teureren Umweg in Kauf genommen, um schneller ans Ziel zu kommen», berichtet er. Auf seinen Umsatz habe das Tram aber keine Auswirkungen gehabt. Ein anderer eingefleischter Autofahrer sagt, man habe das Überholproblem «recht gut aufgefangen»: Thomas Fuchs, der lauteste Kritiker im Vorfeld. Der SVP-Grossrat äussert sich zum Tram Bern-West «weitgehend befriedigt». Weniger Lärm und mehr Komfort – dies beurteilt er positiv. Fuchs bedauert die Aufhebung der Eilkurse in den Westen. Und fürs Auto müsse mehr geschehen: Bei der Endstation der Linie 7 in Bümpliz stünden zu wenig Parkplätze für Umsteiger aufs Tram zur Verfügung. «Die reichen nirgends hin», so Fuchs.
Mehr Lebensqualität
Da sieht es beim Langsamverkehr anders aus. «Unwesentlich besser, aber besser» bewertet Velokurier Nicola Stäubli die neue Verkehrssituation. Insbesondere der Umbau der Kreuzung am Loryplatz in einen Kreisel habe klare Vorteile gebracht. Die Gefahr, in den Schienen stecken zu bleiben, sei ebenso gross oder gering wie auf anderen Tramstrecken.
Mit der Linie nach Brünnen ist neu auch die Kirche Bethlehem am Schienennetz angeschlossen. «Mir scheint, das Tram sei schon immer da gewesen», sagt Mitarbeiterin Mariann Zutt. Das neue Vehikel betrachtet sie auch nicht einfach als Verbindung von A nach B. Auf den Sommer hin erhofft sie sich auch ein «Mikroklima der Begegnung» mit mehr Leben auf der Strasse. (Berner Zeitung)
Erstellt: 22.03.2011, 11:12 Uhr
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5 Kommentare
Kann Peter Münger nur Recht geben. Auf der Linie 7 fahren fast ausschliesslich alte Tram-Kompositionen aus den Jahren 1989/90. Im Winter muss man sich jeweils kleiden wie ein Eskimo, um auf der Fahrt vom Ostring nach Bern nicht zu erfrieren. Im Sommer dagegen herrschen darin Temperaturen wie in einem Treibhaus. Und bei Regen kann man, je nachdem, wo man sitzt, den Schirm gleich offen lassen. Antworten
Als Bümplizer und Autofahrer vermeide ich die "Tramstrassen". Weshalb hat man die Haltestelle Bachmätteli an die Strasse verschoben? Am mühsamsten ist aber die Schlossstrasse. Die wäre relativ breit und das ging ja früher mit Bus und Autos problemlos. Nun ja, ich geh halt heute ins Westside statt ins Coop Bümpliz. Nur wenn ich auf die Post muss, gibts leider keinen anderen Weg. Antworten
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