Die lokalen Bäcker fühlen sich hinausgedrängt
Von Peter Steiger. Aktualisiert am 23.08.2011 11 Kommentare
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«Wenn wir bei einer fairen Ausmarchung verloren hätten, würden wir das akzeptieren», versichert Andreas Röthlisberger. «Aber die Insel bringt uns mit Tricks und Finten zu Fall.» Röthlisberger gehört eine der drei betroffenen Bäckereien. Er und seine zwei Bäckerkollegen Heinz Dubi und Georges Staub sind erzürnt über das Grosskrankenhaus.
«Das Inselspital will uns lokale Bäcker mit allen Mitteln rausdrängen und stattdessen Industriebetriebe berücksichtigen», klagt Heinz Dubi. Das «unsaubere Spiel», so der Bäckermeister, hat Konsequenzen: Ohne den Auftrag verlieren die drei Bäcker rund 15 Prozent Umsatz und müssen zusammen mindestens sechs Stellen abbauen. Bisher lieferten die Bäckereien Röthlisberger und Staub, beide aus Wabern, und Chutzebeck Dubi aus Bremgarten Brot, Gipfeli und andere Backwaren für jährlich rund eine Million Franken ins Inselspital. Vor einem Jahr schrieb das Krankenhaus den Auftrag neu aus. Den Zuschlag hätten die Industriebäckereien Jowa in Zollikofen und Fredys Backwaren AG in Baden erhalten – wenn die drei lokalen Bäcker nicht mit einer Einsprache erfolgreich gewesen wären. Der Kanton als Beschwerdeinstanz kritisierte, dass die Ausschreibung die hiesigen Gewerbler benachteilige.
Unüberwindbare Hürden
Nun hat das Inselspital die zweite Submission aufgelegt. Bewerber müssen ihre Unterlagen bis am 26.?August einreichen. Wer sich bereits beworben hat, darf das Spital nicht preisgeben. Die drei jetzigen Lieferanten werden nicht offerieren. «Auch mit bestem Willen können wir nicht alle Bedingungen erfüllen», sagt Röthlisberger. Bei der zweiten Ausschreibung habe man nur Details geändert, gleichzeitig aber neue unüberwindbare Hürden aufgebaut. Röthlisberger gibt ein Beispiel: «Jeder Anbieter muss als Referenz drei Gastrobetriebe angeben, denen er Backwaren liefert.» Diese Unternehmen müssten sieben Tage in der Woche täglich mindestens 500 Verpflegungseinheiten produzieren.
Die drei lokalen Bäckereien kritisieren ausserdem, dass die Insel unverhältnismässige und unsinnige Bedingungen stelle. «Wir müssten zum Beispiel jede Lieferung mit Produktespezifikationen begleiten, die weit über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen», sagt Georges Staub. «Wir sind aber Gewerbebetriebe und keine Lebensmittelfabriken mit eigenen Labors.» Ausserdem sei die Qualität bisher noch nie kritisiert worden.
Überdies verlange das Spital einen unglaublichen bürokratischen Aufwand. Die Bäcker haben ausgerechnet, dass sie jedes Jahr 6500 Lieferscheine und Rechnungen schreiben müssten. Weil sie als Gewerbler keine Energie mehr in juristische Probleme investieren wollen, verzichten sie darauf, eine Beschwerde gegen die zweite Ausschreibung zu deponieren.
Der Bäckerverband kritisiert
Im Interesse der Konsumenten und Patienten müsse das Inselspital solch detaillierte Vorgaben fixieren, entgegnet Urs Egli, Leiter Restauration beim Inselspital. «Wir wollen die lokalen Anbieter nicht schikanieren», versichert er. Doch sei eine gleichbleibend hohe Qualität bei einem solch sensiblen Betrieb wie einem Krankenhaus unbedingt nötig.
Bei der zweiten Ausschreibung habe der Schweizer Bäcker-Konditorenmeister-Verband (SBKV) mitgearbeitet, erklärt Egli. Der Verband distanziert sich allerdings von dieser Sichtweise. «Wir konnten bei dieser Submission zwar Verbesserungen vorschlagen», erklärt SBKV-Direktor Beat Kläy. Doch seien diese nur zum kleinen Teil berücksichtigt worden. «Die jetzt vorliegende Fassung verunmöglicht den gewerblichen Betrieben den Zugang», kritisiert er. (Berner Zeitung)
Erstellt: 23.08.2011, 06:11 Uhr
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11 Kommentare
Da das Inselspital mit anderweitiger Vergabe des Gipfeligeschäftes sicher Unsummen sparen kann, darf man sich auf sinkende Krankenkassenprämien freuen. Oder kann etwa der nach dem Oekonomen Locher unnötige Ersatzbau damit finanziert werden? Antworten
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