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Die hohle Gasse wird zum Wanderweg

Von Lucia Probst. Aktualisiert am 21.02.2012

Er ist zugewachsen und zur Abfallgrube verkommen. Jetzt will die Gemeinde Köniz den historischen Hohlweg zwischen Thörishaus und Liebewil sanieren. Der Bund hilft mit.

Zugewachsen: Jahrzehntelang hat den alten Hohlweg zwischen Liebewil und Thörishaus niemand benutzt. Jetzt soll er saniert werden.

Zugewachsen: Jahrzehntelang hat den alten Hohlweg zwischen Liebewil und Thörishaus niemand benutzt. Jetzt soll er saniert werden.
Bild: Urs Baumann

support vom Bundesamt für Strassen

Um den Hohlweg zu sanieren, erhält Köniz auch Unterstützung vom Bundesamt für Strassen (Astra). Es ist für den Schutz historischer Verkehrswege zuständig und kann auf Gesuche hin Geld für Sanierungsprojekte sprechen.

Der 200 Meter lange Könizer Hohlweg ist im Inventar als lokal bedeutend vermerkt, daher kann das Astra 15 Prozent der Kosten übernehmen. Im Könizer Fall macht das rund 6000 Franken aus. Der Weg in Köniz sei zwar ziemlich unscheinbar, sagt Hans-Peter Kistler, der beim Astra für die historischen Verkehrswege verantwortlich ist. «Aber wir wollen nicht nur Topobjekte wie zum Beispiel historische Passstrassen oder die Hohle Gasse in Küssnacht erhalten.» Das alte Wegnetz in der Schweiz sei ein wichtiges Kulturgut. «Diese Wege sind ebenso wertvolle Denkmäler wie alte Häuser, wir wollen dafür das Bewusstsein fördern.»

Über den Weg in Köniz weiss Hans-Peter Kistler als Bundesexperte nicht viel. «Das Wissen über solche lokalen Wege ist beim Kanton und bei den einzelnen Gemeinden oft grösser.» Hohlwege finde man meist in steilen Hügeln, führt Kistler aber aus. Sie seien vielfach nicht so geplant gewesen, sondern mit der Zeit entstanden, weil Menschen mit Pferden durch diese Wege schwere Waren hochgezogen haben.

Im Sandstein sind noch Rillen von den Pferdewagen zu sehen, die hier einst fuhren. Probegrabungen haben sie zutage gefördert. Mit Ross und Wagen waren die Leute früher auf dem Weg unterwegs, der von Thörishaus-Halen nach Liebewil führte.

Bald sollen Wanderfreudige den historischen Hohlweg wieder begehen. Die Gemeinde will das rund 200 Meter lange Wegstück sanieren. Das Baugesuch dafür liegt auf. Im Frühling sind die Arbeiten geplant. Mitglieder eines Könizer Beschäftigungsprogramms werden sie ausführen. Die Kosten sind auf rund 40'000 Franken veranschlagt.

Völlig zugewachsen

Es wird einiges an Arbeit brauchen, denn der Weg ist völlig zugewachsen. So wichtig die 1733 erstmals auf einer Karte als «die hohle Gassen» vermerkte Verbindung war: Als um 1890 herum die Liebewilstrasse gebaut wurde, geriet sie rasch in Vergessenheit. Büsche und Bäume eroberten sich das Terrain zurück. Manche deponierten in der Gasse auch Abfall. Viel Laub habe sich angesammelt, teils habe sich eine Humusschicht von bis zu 50 Zentimetern gebildet, sagt Jakob Bieri. Er ist Projektleiter bei der Abteilung Verkehr und Unterhalt in Köniz und für die Sanierung zuständig. «Wir wollen die alte Sandsteinsohle frei legen», sagt er. Die rund ein Meter breite Sohle soll mit Kies bestreut und mit einer Sickerleitung versehen werden.

Fussgänger schützen

Die Not wird damit zur Tugend: Denn der Liebewilstrasse fehlt ein Trottoir. Die Gemeinde fand es zunehmend gefährlich, dass Wanderer und Fussgänger am Strassenrand unterwegs sind, da es immer mehr Verkehr hat. «Wir wären froh, wenn die Leute die Gasse benutzten», sagt Bieri.

Seit den 1990er-Jahren war es ein Thema, diese zu sanieren. «Aber da es lange nicht dringend war, rutschte das Projekt in der Prioritätenliste immer wieder nach hinten», sagt Bieri. Unterstützung erhält die Gemeinde nun auch vom Bundesamt für Strassen (siehe Kasten).

Zu wenig Bewusstsein

Der pensionierte Sekundarlehrer Peter Mosimann aus Schliern kennt die historischen Wege in Köniz wie kein Zweiter. Er hat sie inventarisiert und zum Thema auch ein Buch publiziert. Mosimann fand schon vor zehn Jahren, der Hohlweg von Thörishaus nach Liebewil wäre als Wanderweg geeignet. Er sei Teil einer wichtigen regionalen Verbindung gewesen. Diese führte von Zimmerwald über Oberulmiz, Schlatt, Gasel und Mengestorf nach Liebewil und Thörishaus.

«Die alten Hohlwege sind ein Kulturgut.» In Köniz gibt es laut Mosimann sehr viele davon. Die meisten sind nur kurz, mit 200 Metern gehört das Stück zwischen Thörishaus Station und Liebewil zu den längeren. «Noch immer werden Hohlwege gerne als Abfallhalden benutzt», sagt Mosimann. «Oder Bauern füllen sie mit Holz, Steinen und Schutt, um ebenes Terrain zu erhalten.» Das Bewusstsein für ihre historische Bedeutung sei längst nicht bei allen vorhanden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.02.2012, 07:40 Uhr

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